Viel Wasser trinken. Das heisst es immer wieder, wenn eine Hitzewelle das Land erfasst. Es ist die vierte diesen Sommer. Die hohen Temperaturen machen vielen Menschen zu schaffen. Für die Mineralwasserproduktion ist die Hitze allerdings ein Geldsegen: Bei der Mineralquelle Bad Knutwil AG im Luzerner Suhrental werden Flaschen im Akkord abgefüllt.
Im Juni haben vier Millionen Mineralwasserflaschen die Firma verlassen – das ist fast ein Drittel mehr als im Juni vor einem Jahr. Die Hitze steigere den Umsatz, sagt Co-Geschäftsführer Stefan Suter: «In einem starken Sommermonat ist der Ausstoss etwa doppelt so hoch wie in einem Wintermonat.» Und solche Sommermonate erlebt das Unternehmen gerade mehrere.
Trockenheit gefährdet Quellen nicht
Wer braucht so viel Wasser? Unternehmen bestellten derzeit mehr, sagt Stefan Suter: «Auf Baustellen etwa steigt der Absatz massiv.»
Mit der Hitze kommt auch die Trockenheit. Weil Niederschläge ausbleiben, sinkt der Grundwasserspiegel. Auch Bäche, Flüsse und Seen führen wenig Wasser. Der Kanton Luzern mahnt deshalb die Bevölkerung, sparsam mit dem Trinkwasser aus den Wasserhähnen umzugehen.
Es kommt immer in derselben Qualität genau gleich viel Wasser raus.
Beim Quellwasser ist die Situation anders. Seit mindestens 560 Jahren sprudelt die Knutwiler Quelle ohne Unterbruch, sagt Co-Geschäftsführerin Linda Schwenk: «Wir spüren keine Saisonalität. Es kommt immer in derselben Qualität genau gleich viel Wasser raus. Egal, ob die Temperatur 30 Grad oder minus 10 Grad beträgt.»
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Bild 1 von 3. Linda Schwenk und Stefan Suter stehen vor dem Herzstück des Unternehmens: der Knutwiler Quelle. Bildquelle: SRF/Barbara Anderhub.
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Bild 2 von 3. Stapelweise türmen sich die Getränke …. Bildquelle: SRF/Barbara Anderhub.
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Bild 3 von 3. … diese erst abzufüllen und dann zu liefern, erfordert eine ziemlich grosse Logistik. Bildquelle: SRF/Barbara Anderhub.
Die Quelle ist gleich neben der Fabrik. Von einer silberfarbenen Abdeckung geschützt, wirkt sie unscheinbar. Aber sie hat es in sich: Etwa 150 Liter Mineralwasser pro Minute kommen hier mit hohem Druck direkt aus dem Boden.
Branche fährt Sonderschichten
Es gibt also genug Knutwiler Wasser für die grosse Nachfrage. Das Abfüllen und die Logistik drumherum seien aber eine Herausforderung, sagt Linda Schwenk. Die 52 Mitarbeitenden arbeiten teilweise im Dreischichtbetrieb, um den Ansturm zu bewältigen.
Viel zu tun haben auch andere Getränkeunternehmen. Beim Baselbieter Getränkehersteller Eptinger arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund der hohen Nachfrage mit versetzten Arbeitszeiten, sowie teilweise an Samstagen und in der Nacht. Die grösste Herausforderung bestehe darin, alle Kundinnen und Kunden zuverlässig zu beliefern. Die Kundschaft zeige jedoch Verständnis, wenn es vorübergehend zu Engpässen komme, heisst es bei Eptinger.
Vorgesorgt hat die Appenzeller Goba AG. Dank früher Planung hätten sie Reserven aufbauen können, schreibt das Unternehmen auf Anfrage, und konnte nun darauf zurückgreifen.
Quellen reagieren Jahrzehnte später
Dass die Quelle versiegt, diese Angst kennen auch Eptinger und Goba nicht. Im Gegenteil: Gut Ding will Weile haben – heisst es da bei Goba. Bis ein Regentropfen, der im Alpsteinmassiv zu Boden fällt, als Mineralwasser aus der Quelle sprudelt, würden mindestens 25 Jahre vergehen, schreibt das Unternehmen. Das heisst, dass sie die Auswirkungen eines heissen Sommers erst in 25 Jahren spüren werden.
Das bestätigt auch Eptinger: Solche Schwankungen gleichen sich über die Jahre wieder aus. Gleichzeitig betont das Unternehmen: Die aktuelle Situation sei ungewöhnlich und führe vor Augen, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit den natürlichen Wasserressourcen sei.