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Hitzewelle und warme Gewässer «Nie stand es so früh so kritisch um viele Gewässer und Fische»

Die hohen Temperaturen machen nicht nur uns Menschen zu schaffen. Auch die Fische leiden. Viele Schweizer Gewässer sind ungewöhnlich warm. Kleinere Bäche und Flüsse führen wenig Wasser. Für Fische und Wassertiere ist das äusserst kritisch, erklärt Alexander Roschi, Kommunikations­verantwortlicher beim Schweizerischen Fischereiverband (SFV).

Alexander Roschi

Kommunikationsverantwortlicher, Schweizerischer Fischereiverband

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Roschi ist Projektleiter Marketing, Kommunikation und BD beim Schweizerischen Fischereiverband (SFV). Der SFV setzt sich für lebenswerte Gewässer und vielfältige Lebensräume ein. Er engagiert sich für den Schutz der Artenvielfalt, für die Interessen der Fischerinnen und Fischer und für die Bevölkerung.

SRF News: Kämpfen die Fische in unseren Gewässern gerade ums Überleben?

Alexander Roschi: Ja, das kann man leider definitiv so sagen. Vielen Fischen, aber auch Wassertieren wie Krebsen oder Insekten, geht es sehr schlecht. Noch nie stand es so früh im Jahr so kritisch um viele Gewässer und ihre Bewohner.

Besonders kritisch ist die Lage in kleinen und mittleren Bächen mit wenig Wasser.

Es gab auch schon früher Trocken- und Hitzejahre. Was ist dieses Jahr anders?

Im Vergleich zu Hitzejahren wie 2003 oder 2018 ist die Vorgeschichte anders. Seit Monaten fällt wenig Regen. Die Landschaft ist ausgetrocknet, die Grundwasserspiegel sind tief.

Nahaufnahme eines grossen toten Fisches inmitten vieler kleiner Fische auf trockenem Flussbett.
Legende: 2003, 2018 und 2022: Auch in früheren Jahren kam es in der Schweiz schon zu Massensterben von Fischen. Foto von der Sissle im Kanton Aargau. (Juni 2026) ZVG / SFV / Jonas Steiner

Warum ist das warme Wasser für Fische so gefährlich?

Fische benötigen wie wir Menschen Sauerstoff. Je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff ist darin gelöst. Besonders kältebedürftige Fische wie Äschen und Forellen leiden darunter. Bereits Wassertemperaturen ab rund 20 Grad bedeuten Stress. Oberhalb von 23 Grad wird die Lage kritisch. Halten 25 Grad oder mehr länger an, drohen Fischsterben.

Wie warm sind die Schweizer Gewässer?

Welche Gewässer sind besonders betroffen?

Viele Gewässer im Mittelland und in den Voralpen sind betroffen. Besonders kritisch ist die Lage in kleinen und mittleren Bächen mit wenig Wasser. Aber auch grosse Flüsse werden heiss. In Seen ist die Situation aktuell noch weniger problematisch. Es gibt aber auch dort warme Flachwasserzonen, wo Fische verenden können.

Wegen über 100'000 Querverbauungen [...] haben die Fische oft gar keine Möglichkeit, kühlere Gewässer aufzusuchen.

Hilft der angekündigte Regen?

Leider nein. Wenige Tage Niederschlag wird das Regendefizit nicht ausgleichen können. Durch einige Regentage entspannt sich zwar die Temperatursituation. Das Defizit mit den Wassermengen lässt sich aber nicht entschärfen. Dafür müsste es über mehrere Wochen regnen.

Was können die Behörden tun?

Die Behörden haben zusammen mit Fischereivereinen bereits Fische mittels Abfischungen gerettet. Sie haben auch die Bevölkerung sensibilisiert. Doch man muss ehrlich sein: Kurzfristig lässt sich dieses Problem nicht lösen. Langfristig müssten unsere Gewässer wieder besser vernetzt und beschattet werden. Wegen über 100'000 Querverbauungen wie Schwellen aus Beton, Wehre oder Wasserkraftwerken haben die Fische oft gar keine Möglichkeit, kühlere Gewässer aufzusuchen. Natürliche, frei fliessende Gewässer sind entscheidend, um der Austrocknung der Landschaft künftig entgegenzuwirken.

Die Sissle (AG) kämpft mit der Hitze und Trockenheit

Auch die Menschen suchen in der Hitze das Wasser. Sind denn Baden, Böötle und Fischen noch okay?

Vom Baden in kleinen Fliessgewässern rät der Fischereiverband ab. Das gilt auch für Hunde. Fische und andere Wasserlebewesen werden dadurch gestört. Sie verbrauchen durch den Stress noch mehr Sauerstoff und verenden dann. Beim Böötle gilt, die Vorgaben und Empfehlungen von Gemeinden und Kantonen einzuhalten. Die meisten Fischerinnen und Fischer wissen, dass es jetzt in Fliessgewässern keine gute Idee ist, Fische zusätzlich zu stressen.

Das Gespräch führte Marisa Jill Haring.

Was die Bevölkerung tun kann

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Auch die Bevölkerung kann helfen, belastete Gewässer nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Der Schweizerische Fischereiverband (SFV) gibt Tipps:

  • Badeverbote und gesperrte Gewässerbereiche respektieren
  • Keine Staudämme in Bächen bauen
  • Hunde nicht in Bächen baden lassen
  • Flache Gewässerabschnitte möglichst meiden
  • Wasser sparsam verwenden und kantonale Einschränkungen beachten
  • Austrocknende Gewässer oder Fischsterben den zuständigen Behörden melden (Kantonale Jagd- und Fischereibehörden und Polizei)

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 26.6.2026, 6:31 Uhr ; 

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