Die Egli und Hechte, die Hans-Ueli Zwimpfer aktuell im Zugersee ins Netz gehen, darf der Berufsfischer nicht verkaufen. Sie sind mit PFAS belastet, den sogenannten Ewigkeitschemikalien.
«Da blutet mir das Herz», sagt Hans-Ueli Zwimpfer. Der Luzerner führt das Familienunternehmen in 13. Generation. Seit 1502 verkaufen die Zwimpfers Fisch.
An Zwimpfers Berufsalltag hat sich durch diese Einschränkung jedoch nichts geändert. An diesem Morgen fährt er zusammen mit Marcel Wismer auf den Zugersee. Er ist als Hilfe für den Berufskollegen an Bord. Um 6 Uhr machen sie das Fischerboot im Bootshaus in Risch klar, dann fahren sie hinaus in die Dämmerung.
«Heute gehen wir auf Felchen», sagt Hans-Ueli Zwimpfer. Beim Einholen der Netze zeigt sich: Es ist ein erfolgreicher Fang. Neben Felchen und Rotaugen sind als Beifang auch Egli dabei. Dieser Fisch darf seit letztem November nicht mehr verkauft werden, wenn er aus dem Zugersee stammt. In dieser Art wurden zu hohe PFAS-Werte gemessen. Die Fische müssen entsorgt werden – oder landen auf dem Teller der Fischer.
«Diesen Egli darf ich nicht mehr verkaufen», sagt Hans-Ueli Zwimpfer, während er ein Exemplar vom Netz befreit, «darum wird das mein Zmittag». Dass er Egli nicht verkaufen darf, bedauert er: «Es ist etwas vom Besten aus den Schweizer Seen. Egli ist einer der beliebtesten Speisefische.»
Würde Hans-Ueli Zwimpfer den Egli entsorgen, würde er dafür vom Kanton Zug entschädigt werden, je nach gefangener Menge. Wie viel genau pro Kilogramm ausgezahlt wird, ist noch nicht klar. Ende März wird das erste Mal abgerechnet.
Insgesamt hat der Kanton einen Betrag von 105’000 Franken als Unterstützung gesprochen. Geld, das für alle acht Berufsfischer auf dem Zugersee reichen muss.
Es ist ja nur ein kleiner Teil des Fangs, der wegfällt.
Ein Betrag, der auf den ersten Blick klein erscheint. Beda Schlumpf, Abteilungsleiter Fischerei und Jagd beim Kanton Zug, relativiert aber: «Es ist ja nur ein kleiner Teil des Fangs, der wegfällt», sagt er. 5.2 Prozent der Gesamtmenge, welche die Zuger Fischer aus dem See holen, hat der Kanton errechnet. «Positiv formuliert können also 95 Prozent der Fische immer noch gefangen und verkauft werden», sagt Beda Schlumpf.
Alexandra Kroll ist Spezialistin für die Erforschung von PFAS. Die Wissenschaftlerin arbeitet am Oekotoxzentrum, dem schweizerischen Kompetenzzentrum, wenn es darum geht, Effekte von Chemikalien auf die Umwelt zu erkennen und zu beurteilen.
Für sie ist klar, dass sich das Problem weiter verschärfen wird: «Die Berufsfischerei muss sich darauf einstellen, dass es weitere Massnahmen geben wird, an weiteren Seen», sagt sie. Tatsächlich dürfen seit Kurzem auch Hechte aus dem Hallwilersee nicht mehr verkauft werden.
Um die PFAS-Menge in der Umwelt zu senken, müsste die Verwendung der Chemikalien strenger geregelt werden. Sie werden unter anderem für Verpackungsmaterialien verwendet, in Löschschaum oder auch in Funktionskleidung. Wie schnell sich etwas ändert, wird sich zeigen; im Bundesparlament sind mehrere Geschäfte dazu hängig.