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Zu hoher PFAS-Wert Hecht-Fangverbot für Profi-Fischer im Hallwilersee

Wegen PFAS: Hechte aus dem Hallwilersee dürfen nicht mehr kommerziell gefischt werden. Doch das ist erst der Anfang.

Berufsfischerinnen und -fischer dürfen den Hecht im Hallwilersee nicht mehr fangen. Am Donnerstag verhängte das Aargauer Amt für Verbraucherschutz ein entsprechendes Verbot.

Betroffen sind nicht nur die Fischer, sondern auch die Restaurants: Sie müssen den Hecht aus dem Hallwilersee von ihrer Speisekarte streichen. Dieses Verbot gilt «ab sofort und bis auf Weiteres».

Ein Hecht
Legende: Im Hallwilersee gilt ab sofort und bis auf Weiteres ein Hechtfangverbot für Profifischer. Keystone / Gaetan Bally

Der Grund für das Verbot sind zu hohe PFAS-Werte. Bei Kontrollen wurden die Grenzwerte beim Hecht teilweise um das Doppelte überschritten. Dennoch: Für Hobbyfischer sind der Fang und der Verzehr des Hechts weiterhin erlaubt. Allerdings mahnt das kantonale Amt für Verbraucherschutz zur Zurückhaltung und empfiehlt, maximal 120 Gramm Hallwilersee-Hecht pro Monat zu konsumieren.

Was sind PFAS?

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PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, wie das Bundesamt für Umwelt auf seiner Website erklärt. Es handle sich um eine Gruppe von mehreren tausend synthetischen Industriechemikalien, die äusserst stabil seien. PFAS seien problematisch für die Umwelt und die Gesundheit. Umgangssprachlich werden PFAS auch Ewigkeitschemikalien genannt.

Das Verbot des kommerziellen Hechtfangs ist für Claude Fischer eine schlechte Nachricht. Er führt in Meisterschwanden AG am Hallwilersee das Fischrestaurant und Seehotel «Delphin». Er betreibt zudem eine eigene Fischerei mit dazugehörigem Laden. «Im Frühling bieten wir unseren Gästen vor allem den Hecht an. Wenn wir keinen Fisch vom Hallwilersee im Angebot haben, ist das für uns einschneidend.»

Angst ums Geschäft am Hallwilersee

Wenn man den Gästen erklären müsse, dass man zwar eine eigene Fischerei beim Restaurant habe, aber doch keinen Hecht aus dem Hallwilersee anbieten könne, sei das irritierend. Ausserdem habe er zwei Fischer angestellt, die im Frühling praktisch nur den Hecht gefischt hätten – diese seien nun arbeitslos.

Im Zugersee wurde der Hechtfang ja bereits verboten, da war es nur eine Frage der Zeit, bis dies auch beim Hallwilersee passiert.
Autor: Claude Fischer Fischer und Wirt am Hallwilersee

Völlig überrascht ist Claude Fischer vom Verbot allerdings nicht. «Im Zugersee wurde der Hechtfang ja bereits verboten, da war es nur eine Frage der Zeit, bis dies auch beim Hallwilersee passiert.» Fischer macht sich Sorgen darüber, was die Gäste denken. Er rechnet damit, dass ein solches Verbot bald in weiteren Schweizer Seen gelten wird. «Vielleicht wollen manche dann gar keinen einheimischen Fisch mehr.»

Hallwilersee
Legende: Kein Hecht – doch bei vielen anderen Speisefischen aus dem Hallwilersee gibt der Kanton Entwarnung. Keystone / Urs Flüeler

Immerhin: Andere Speisefische aus dem Hallwilersee – zum Beispiel Felchen – könne man weiterhin bedenkenlos essen, heisst es beim kantonalen Amt für Verbraucherschutz.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Doch der Hecht ist nicht der einzige Fisch, bei dem hohe PFAS-Werte gemessen wurden. Auch beim Egli aus dem Hallwilersee ist der Wert hoch – jedoch nicht zu hoch. Gemäss Kanton solle man nur alle zwei Monate eine Portion Egli verzehren.

Ein Hecht
Legende: Nicht nur der Hecht ist betroffen von zu hohen PFAS-Werten. Keystone / Gaetan Bally

Das Amt für Verbraucherschutz hat nicht nur im Hallwilersee Proben genommen, sondern wild lebende Fische in acht Gewässern im Aargau untersucht. Bei 30 von 107 Proben wurden die gesetzlichen PFAS-Höchstwerte überschritten. Also bei 28 Prozent. Das Amt plant nach eigenen Angaben weitere PFAS-Untersuchungen. Dieses Jahr habe es mit einem Monitoring von Milchproben aus Tanklastwagen begonnen. Erste Ergebnisse würden in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

Wie lange der Hechtfang im Hallwilersee verboten bleibt, dazu sagt Olga Miller vom aargauischen Amt für Verbraucherschutz: «‹Bis auf Weiteres› bedeutet in diesem Fall vermutlich eine recht lange Zeit.» Etwas präziser: «Es wird vermutlich viele Jahre dauern, bis wir eine andere Entscheidung treffen können.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 6.3.2026, 6:30 Uhr ; 

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