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Hotspot Berner Oberland Jungfrauregion plant Push-Nachrichten zur Besucherlenkung

  • Die Jungfrauregion ist bei Touristinnen und Tagesgästen sehr beliebt – was mitunter für Probleme sorgt.
  • Die Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen wollen mit Push-Nachrichten die Menschenmassen besser steuern.
  • Technisch ist vieles möglich, rechtlich stellen sich jedoch Fragen.

Verstopfte Strassen, überfüllte Parkplätze, Autos auf den Feldern von Bäuerinnen und Bauern: Der Ansturm auf die Jungfrauregion ist das ganze Jahr über gross. Damit sich die vielen Leute in der Region besser verteilen, arbeitet die Gemeinde Grindelwald zusammen mit Lauterbrunnen an einem neuen Leitsystem.

Direkter Draht zu Gästen

Es werden verschiedene Daten erhoben. So soll künftig rasch klar sein, wo welcher Parkplatz bald besetzt ist oder wie lange die Wartezeiten bei den Bergbahnen sind. Doch wie bringt man diese Informationen an die Gäste?

Wir müssen die Gäste direkt und unkompliziert informieren.
Autor: Beat Bucher Gemeindepräsident Grindelwald

Bis jetzt versucht es die Region mit Informationen am Strassenrand – doch das reiche nicht, meint Beat Bucher, Gemeindepräsident von Grindelwald. «Wir müssen den Leuten die Informationen direkt und ungefragt aufs Handy schicken.» So könne man die Menschen am besten erreichen, sagt er auf Anfrage von SRF.

Menschen mit Handy
Legende: Praktisch alle Touristen haben eines dabei: ein Smartphone. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Dabei geht es Gemeindepräsident Beat Bucher nicht nur um Informationen zu Parkplätzen und Strassensituationen, sondern auch um konkrete Verhaltensanweisungen und Regeln. «Wir haben viele Tagestouristen: Es nützt nichts, denen etwas zu erklären – am nächsten Tag kommen ja schon die nächsten.» Deshalb sei eine Information aufs Handy am effektivsten.

Forschungsprojekt mit der Uni

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Die Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen wünschen sich, die Besucherströme besser zu lenken. Um solche Push-Meldungen umsetzen zu können, ist die Erhebung und Analyse von Daten entscheidend. Grindelwald arbeitet hierfür mit der Universität Bern zusammen an einem dreijährigen Projekt zur Datenerfassung.

Im letzten Dezember hat die Gemeindeversammlung von Grindelwald beispielsweise 150'000 Franken für Kameras für ein Verkehrsleitsystem bewilligt. Bucher räumt ein, dass man derzeit oft noch auf das «Bauchgefühl» angewiesen sei, aber die gesammelten Daten sollen fundierte Entscheidungen ermöglichen.

Dino Collalti von der Universität Bern ist überzeugt, dass eine Lenkung der Touristen möglich ist. So liessen sich zum Beispiel «Slots» auf Strasse und Schiene für die einheimische Bevölkerung freihalten. Die Kommunikation via digitale Tools sei dabei «zentral». «Dort ist der Erfolgsfaktor – gerade für kurzfristige Informationen – am grössten.»

Dabei will die Gemeinde nicht auf eine App setzen – sondern die Mitteilungen ungefragt versenden. Nur so könne man die grosse Anzahl an Tagesgästen erreichen. Das Versenden von Push-Mitteilungen wäre in der Schweiz ein Novum. Technisch ist es jedoch machbar.

Nachrichten auf das Handy ohne Einwilligung schicken heisst Cell Broadcast. Rechtlich und politisch sind die Hürden hoch. «Solche Formen der direkten Information sind eigentlich nur für Katastrophensituationen denkbar, nicht aber für die Regelung eines Alltagsproblems in einer Tourismusregion», sagt Matthias Hürlimann, der beim Bundesamt für Kommunikation Bakom für die Telecomdienste zuständig ist.

Für das Senden von Informationen aufs Handy braucht es eine Einwilligung.
Autor: Matthias Hürlimann Vizedirektor Bundesamt für Kommunikation

Knackpunkt ist der Datenschutz. Derzeit läuft auf nationaler Ebene ein Projekt, um die Alarmierung im Katastrophenfall zu verbessern. Hier will der Bund auf die Handytechnologie zurückgreifen.

Menschen in den Bergen
Legende: Beliebt bei vielen Tagesgästen: das Jungfraujoch oberhalb von Grindelwald. KEYSTONE / Christian Beutler

Der Vizedirektor, Leiter Abteilung Telecomdienste und Post betont, dass beim von Grindelwald angedachten Projekt eine Einwilligung der Nutzer in irgendeiner Form vorliegen muss, sei es durch eine App, die runtergeladen wird, sei es durch einen gescannten QR-Code, sei es durch ein SMS-Abo.

Datenschutz? Für Grindelwald kein Problem

Doch das ist explizit nicht das, was sich Grindelwald wünscht. Da man vor allem Tagesgäste ansprechen will, muss die Kontaktaufnahme so einfach wie möglich sein. Bezüglich Datenschutz sieht man keine Probleme. «Wir gehen ja nicht davon aus, dass wir die Daten einzelner Leute aufnehmen», sagt Gemeindepräsident Beat Bucher.

Das sagt die Swisscom

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Die Swisscom ist die grösste Mobilfunkanbieterin der Schweiz. Bis jetzt habe man keine Kenntnisse vom Projekt in der Jungfrauregion, sagt Sprecherin Annina Merk.

«Wir bieten keinen Service an, wo wir herausfiltern, wer sich wo aufhält, und dann gezielt Informationen verschicken.» Es würden sich rechtlich sehr viele Fragen stellen.

Von rechtlichen Hürden will sich die Gemeinde vorerst nicht abhalten lassen und ausloten, was möglich ist. Die Probleme nähmen zu, es brauche jetzt neue Lösungen. Er sieht die aktuellen Bemühungen als «Pionierarbeit», da neue Situationen neue Lösungsansätze erfordern.

HeuteMorgen, 30.1.2026, 6 Uhr; stes;herb

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