- Die Jungfrauregion ist bei Touristinnen und Tagesgästen sehr beliebt – was mitunter für Probleme sorgt.
- Die Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen wollen mit Push-Nachrichten die Menschenmassen besser steuern.
- Technisch ist vieles möglich, rechtlich stellen sich jedoch Fragen.
Verstopfte Strassen, überfüllte Parkplätze, Autos auf den Feldern von Bäuerinnen und Bauern: Der Ansturm auf die Jungfrauregion ist das ganze Jahr über gross. Damit sich die vielen Leute in der Region besser verteilen, arbeitet die Gemeinde Grindelwald zusammen mit Lauterbrunnen an einem neuen Leitsystem.
Direkter Draht zu Gästen
Es werden verschiedene Daten erhoben. So soll künftig rasch klar sein, wo welcher Parkplatz bald besetzt ist oder wie lange die Wartezeiten bei den Bergbahnen sind. Doch wie bringt man diese Informationen an die Gäste?
Wir müssen die Gäste direkt und unkompliziert informieren.
Bis jetzt versucht es die Region mit Informationen am Strassenrand – doch das reiche nicht, meint Beat Bucher, Gemeindepräsident von Grindelwald. «Wir müssen den Leuten die Informationen direkt und ungefragt aufs Handy schicken.» So könne man die Menschen am besten erreichen, sagt er auf Anfrage von SRF.
Dabei geht es Gemeindepräsident Beat Bucher nicht nur um Informationen zu Parkplätzen und Strassensituationen, sondern auch um konkrete Verhaltensanweisungen und Regeln. «Wir haben viele Tagestouristen: Es nützt nichts, denen etwas zu erklären – am nächsten Tag kommen ja schon die nächsten.» Deshalb sei eine Information aufs Handy am effektivsten.
Dabei will die Gemeinde nicht auf eine App setzen – sondern die Mitteilungen ungefragt versenden. Nur so könne man die grosse Anzahl an Tagesgästen erreichen. Das Versenden von Push-Mitteilungen wäre in der Schweiz ein Novum. Technisch ist es jedoch machbar.
Nachrichten auf das Handy ohne Einwilligung schicken heisst Cell Broadcast. Rechtlich und politisch sind die Hürden hoch. «Solche Formen der direkten Information sind eigentlich nur für Katastrophensituationen denkbar, nicht aber für die Regelung eines Alltagsproblems in einer Tourismusregion», sagt Matthias Hürlimann, der beim Bundesamt für Kommunikation Bakom für die Telecomdienste zuständig ist.
Für das Senden von Informationen aufs Handy braucht es eine Einwilligung.
Knackpunkt ist der Datenschutz. Derzeit läuft auf nationaler Ebene ein Projekt, um die Alarmierung im Katastrophenfall zu verbessern. Hier will der Bund auf die Handytechnologie zurückgreifen.
Der Vizedirektor, Leiter Abteilung Telecomdienste und Post betont, dass beim von Grindelwald angedachten Projekt eine Einwilligung der Nutzer in irgendeiner Form vorliegen muss, sei es durch eine App, die runtergeladen wird, sei es durch einen gescannten QR-Code, sei es durch ein SMS-Abo.
Datenschutz? Für Grindelwald kein Problem
Doch das ist explizit nicht das, was sich Grindelwald wünscht. Da man vor allem Tagesgäste ansprechen will, muss die Kontaktaufnahme so einfach wie möglich sein. Bezüglich Datenschutz sieht man keine Probleme. «Wir gehen ja nicht davon aus, dass wir die Daten einzelner Leute aufnehmen», sagt Gemeindepräsident Beat Bucher.
Von rechtlichen Hürden will sich die Gemeinde vorerst nicht abhalten lassen und ausloten, was möglich ist. Die Probleme nähmen zu, es brauche jetzt neue Lösungen. Er sieht die aktuellen Bemühungen als «Pionierarbeit», da neue Situationen neue Lösungsansätze erfordern.