Die Schulzeit ist vorbei, der Ernst der Arbeitswelt noch nicht da: Klar feiern junge Leute das gern und der eine oder andere Streich gehört dazu. Was sich nun aber im Kanton Aargau abgespielt hat, geht weit über einen Schülerstreich hinaus. Die Kantonsschule Wettingen wurde arg ramponiert.
Rektor traut seinen Augen nicht
Als Rektor Paul Zübli am Dienstag sein Gymnasium in Wettingen betritt, traut er seinen Augen nicht: Über Nacht sind Unbekannte in die Schule eingedrungen und haben gewütet: Bücher auf dem Boden und auf dem Ziegeldach des ehemaligen Klostergangs, ein Wandkunstwerk der Schweizer Künstlerin Klodin Erb verschmiert.
«Diese Bilder stechen ins Herz. Solche Schmierereien auf einem Kunstwerk einer namhaften Künstlerin sind heftig. Die Bilder mit den verstreuten Büchern sind nicht viel besser», sagt Zübli.
Schon Mitte Mai wurde die Kantonsschule Wettingen «angegriffen», wie es der Rektor formuliert. Rund 50 zum Teil vermummte Personen stürmten das Schulgelände während der Schulabschlussfeier, der sogenannten «Uslütete».
Das ist komplett ausgeartet.
«Sie haben wüste Parolen gerufen, unsere Schülerinnen und Schüler mit Essig übergossen, mit Mehlsäcken und Wasser. Es wurde auch Feuerwerk eingesetzt, das bei einer Schülerin in der Nähe des Gehörs explodiert ist. Das ist komplett ausgeartet», schildert Zübli.
Inzwischen weiss man: Beim Vorfall Mitte Mai waren es vor allem Schüler der benachbarten Kantonsschule Baden. Das bestätigt auch deren Rektor Daniel Franz: «Wir haben einen grossen Teil der Schüler und Schülerinnen identifizieren können und das Gros ist von der Kanti Baden.»
Wegweisungen beantragt
Für einige dürfte der Vorfall Konsequenzen haben. «Wir werden gegen eine Person eine Wegweisung beantragen beim Kanton – die Wegweisung können wir nicht selber machen. Bei zwei weiteren sind wir daran, das zu prüfen», sagt Franz.
50 Vermummte an der Abschlussfeier vor zwei Wochen und nun verschmierte Kunst und verstreute Bücher. Die Kantonspolizei Aargau geht von einem Zusammenhang aus.
«Kriminelle Energie» statt jugendlicher Leichtsinn
«Es ist sicherlich denkbar, dass da jugendlicher Leichtsinn mitgespielt hat, namentlich beim ersten Vorfall, wo der vermummte Mob aufgetaucht ist. Das kann man noch ein bisschen abtun als ausgelassene Situation am Ende der Kantonsschule», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau.
«Was aber danach passiert ist, da sieht man eine gewisse kriminelle Energie.» Etwas sei gewaltig aus dem Ruder gelaufen. Da müsse die Polizei ermitteln und wenn sie Leute ermitteln könne, würden diese auch die strafrechtlichen Konsequenzen tragen, sagt Graser.
Das ist eine Ausnahmesituation und passiert zum Glück wirklich sehr selten.
Das sieht auch Lucius Hartmann vom Verein Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer so: «Als ich davon gehört habe, bin ich mal zuerst schockiert gewesen. Das ist eine Ausnahmesituation und passiert zum Glück wirklich sehr selten.»
Natürlich sei der letzte Schultag für die Maturandinnen und Maturanden etwas Spezielles, so Hartmann. «Dort gehört auch dazu, dass man gewisse Regeln nicht ganz korrekt einhält, aber nicht in dieser Form, wie wir das in Wettingen erlebt haben.»