Einige Mitglieder des Ständerats tun sich schwer mit der Vorlage. Man spürt bei vielen ein Unbehagen, vor allem wegen der Ungleichbehandlung der Brandopfer gegenüber anderen Betroffenen von Katastrophen.
Sie mögen diese Gedanken als falsch oder gar als Gedanken eines Irrläufers abtun. Damit könnte ich sicher leben.
Auch von Willkür war die Rede. Weshalb sollen die Betroffenen der Tragödie im Wallis spezielle Solidaritätsbeiträge erhalten und andere nicht? Benedikt Würth von der Mitte-Fraktion sagt, er tue sich schwer damit, dass man relativ grobschlächtig unabhängig vom Schweregrad einen Pauschalbetrag ausrichte.
Solidarität unter Zeitdruck
Aus der SVP kommen Stimmen, auf die Bremse zu drücken und die Vorlage zurückzuweisen, zu präzisieren. Zu viele Fragen seien offen, etwa, wer genau beitragsberechtigt sei. Esther Friedli erinnert deshalb an die Grundsätze der kleinen Kammer: «Wir nehmen uns Zeit, wir wollen keine Schnellschüsse, wir sollten diesen Grundsatz ernst nehmen.»
Ihr Fraktionskollege Pirmin Schwander will gar nicht über die Vorlage diskutieren. Sie setze ein falsches Zeichen: «Sie mögen diese Gedanken als falsch oder gar als Gedanken eines Irrläufers abtun. Damit könnte ich sicher leben.»
Andere Ratsmitglieder reden ihren Kolleginnen und Kollegen ins Gewissen. Hier dürfe das Parlament nicht kleinlich sein, sondern müsse solidarisch denken. Der Walliser Mitte-Ständerat Beat Rieder konnte die Skepsis einiger Kollegen kaum fassen: «Ich stolpere von einer Katastrophe in die andere.»
Die Urner Parteikollegin Heidi Z'graggen zitiert aus der Bundesverfassung, um die Kritischen zur Raison zu bringen: «Bund und Kantone unterstützen einander in der Erfüllung ihrer Aufgaben. Sie arbeiten zusammen. Sie schulden einander Rücksicht und Beistand.»
Ständerat will Regressforderungen ermöglichen
Auch Bundesrat Beat Jans redet den Räten ins Gewissen, würdigt die grosse Leistung der Rettungskräfte, der Spitalangestellten. Hörbar bewegt schloss er mit diesem Satz: «Sie haben ihren Teil geleistet. Jetzt sind wir dran.»
Die Mehrheit des Ständerats folgte dem Votum von Bundesrat Jans und bewilligte die Solidaritätsbeiträge deutlich. Er will aber Regressforderungen gegenüber den Verursachern des Schadens ermöglichen.
Nicht infrage gestellt wird die Organisation eines runden Tisches. Dort sollten alle Beteiligten freiwillig zusammenkommen und über aussergerichtliche Vergleichslösungen verhandeln. Anreiz dafür soll die Beteiligung des Bundes mit maximal 20 Millionen sein.
Dieser Betrag und die genaue Ausgestaltung des runden Tisches werden aber auf später vertagt. Später soll dazu eine separate Gesetzesvorlage ausgearbeitet werden. Die Vorlage wird nächste Woche im Nationalrat diskutiert.