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Kehrtwende bei Energiepolitik AKW-Neubauverbot auf der Kippe – die wichtigsten Antworten

Der Ständerat will den Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz grundsätzlich wieder zulassen. Er hat den indirekten Gegenvorschlag zur sogenannten «Blackout-Initiative» angenommen. Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann mit den wichtigsten Antworten.

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Warum gibt es nun ein Umdenken?

Einerseits ist die Klimapolitik wichtiger geworden. Auch die Schweiz will bis 2050 klimaneutral werden und deshalb fossile Heizungen und Autos durch elektrische ersetzen. Dazu braucht es voraussichtlich mehr Strom. Hinzu kommt, dass die bestehenden vier AKW in der Schweiz altershalber wohl bald vom Netz gehen. Es ist umstritten, ob Wasser-, Sonnen- und Windkraftwerke diese Lücke füllen können.

Neue AKW könnten das – und sie könnten es klimafreundlich. Zudem spielt insbesondere seit dem Ukraine-Krieg die Versorgungssicherheit eine grössere Rolle. Man will verhindern, im Winter von ausländischem Gas oder Strom abhängig zu sein. Kurz gesagt: Die Angst vor einem Blackout und der Klimaschutz wiegen für viele derzeit schwerer als die Angst beziehungsweise die Sicherheitsbedenken, die nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima dominierten. Kommt dazu: Neue Generationen von AKW versprechen günstiger und weniger gefährlich zu sein.

Wie ist der Stand der neusten AKW-Technologie?

Es gibt einen Kontrast zwischen dem Optimismus aus Teilen der Politik und Wirtschaft und der technischen Realität. Die Hoffnungen stützen sich vor allem auf neuartige kleine Reaktoren, die in Serie gefertigt und modular zusammengesetzt werden könnten, sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Davon gibt es derzeit weltweit zwei – einen in Russland, einen in China. Die EU will SMR in den frühen 2030er Jahren in Betrieb nehmen. Projekte in den USA mussten aber jüngst Rückschläge hinnehmen.

Ein zweiter Hoffnungsträger sind grosse AKW der sogenannt vierten Generation. Von ihnen verspricht man sich insbesondere, dass der Abfall, den sie produzieren, kurzlebiger ist als heute. Laut Optimisten funktionieren solche Kraftwerke frühestens Mitte der 2030er Jahre. Hierzulande dauern solche Prozesse gewöhnlich noch länger.

Sind neue AKW finanzierbar?

Das Geld ist wohl auch in der Schweiz die grösste Hürde. Schätzungen gehen von 15 bis 25 Milliarden Franken aus. Eine Finanzierung ausschliesslich durch Private ist laut Experten unrealistisch. Es braucht staatliche Fördergelder und Garantien. Denkbar sind verschiedene Modelle. Entweder finanzieren es Konsumenten über eine kleine Abgabe auf ihren Stromkonsum mit – wie heute bei den Erneuerbaren und/oder der Bund beteiligt sich als Miteigentümer, wie das manche Kantone bei bestehenden AKW machten.

Was bedeutet der jüngste EU-Entscheid für die Energiewende?

Die EU will wieder stärker auf Atomenergie setzen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag ankündigte. Das ist höchst umstritten. Die einen sehen die Versorgungssicherheit gestärkt und dass die fossilen Energieträger – Öl, Gas, Kohle – durch die klimafreundliche Kernkraft ersetzt werden könnte. Andere warnen, dass die Investitionssicherheit für neue Wasser-, Wind- und Sonnenkraftwerke darunter leiden würde.

In der Schweiz betont der Bundesrat, dass neue AKW die Erneuerbaren ergänzen könnten. Klar ist aber auch: Laut neusten Umfragen spalten AKW die Gesellschaft. Ein neues KKW-Projekt müsste also mit Sicherheit grossen politischen Widerstand überwinden und anschliessend wohl Rechtsstreitigkeiten überleben. All das würde den Umbau des Energiesystems massiv verlangsamen.

Echo der Zeit, 11.03.2026, 18:00 Uhr ; 

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