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Kein freiwilliger Zivildienst Neuer Sicherheitsdienst – Chance für mehr Gleichstellung?

Frauen müssen sich heute in den Zivildienst mogeln. Dieses Problem liesse sich mit dem neuen Sicherheitsdienst beheben.

Der heutige Zivildienst gilt als attraktiv – ähnlich einem bezahlten Hochschulpraktikum. Da liegt es nahe, dass auch Frauen das wollen. Doch sie dürfen nicht. 2017 entschied der Bundesrat, dass es weiterhin keinen freiwilligen Zivildienst für Frauen und Ausländer geben soll, weil das mehr Nachteile als Vorteile habe.

Frauen müssen tricksen – Anzahl der Fälle unbekannt

Frauen dürfen zwar offiziell nicht zum Zivildienst. Sie können sich aber hineinmogeln: Sie können sich freiwillig zum Militärdienst melden und nach erfolgreicher Musterung sagen: «Hoppla, jetzt habe ich plötzlich einen Gewissenskonflikt mit dem Militär, pardon, das ist mir erst jetzt eingefallen» – und dann in den Zivildienst wechseln. Das ist allerdings unangenehm, weil es eine Art Lügen erfordert.

Gruppe von Personen in Schutzkleidung bei einem Feuer.
Legende: Eine Übung des Zivilschutzes – hier dürfen Frauen mitmachen. Beim zivilen Ersatzdienst in Gesundheit, Soziales und Umwelt hingegen offiziell (noch) nicht. KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi

Wie viele Frauen das gemacht haben, wissen die Behörden nicht.

Das Bundesamt für Zivildienst wertet den Frauenanteil nicht aus, sondern zählt nur die Diensttage. Der Anteil der von Frauen geleisteten Diensttage liegt zwischen 0.01 und 0.2 Prozent. Es dürften also nur eine Handvoll Frauen Zivildienst geleistet haben.

Spezialregel Wehrpflicht kontra Diskriminierungsverbot

Beim Zivilschutz gestaltet sich die Situation anders. Dort ist der Anteil an Frauen etwas höher. Frauen dürfen nämlich freiwillig einen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung leisten und sich unter anderem zur Führungsunterstützerin, Pionierin oder Infrastruktur-Wartin ausbilden lassen. Der Bundesrat möchte den Anteil an Frauen gerne steigern, denn er ist auch beim Zivilschutz immer noch sehr niedrig (unter 1.6 Prozent).

Frau geht auf einem Bürgersteig mit Einkaufstüten.
Legende: Im Unterschied zum Zivildienst ist der Zivilschutz schon lange offen für Frauen, die freiwillig Dienst leisten wollen. 1971 wird auf Plastiksäcken für Frauen im Zivilschutz geworben. (KEYSTONE/Str)

«Die Ungleichbehandlung der Frauen beim Zivildienst ist eine Konsequenz der Ungleichbehandlung der Männer bei der Militärdienstpflicht», sagt Bernhard Waldmann, Rechtsprofessor an der Universität Freiburg.

Rechtlich gesehen ist es keine Diskriminierung, auch wenn sie so empfunden wird.
Autor: Bernhard Waldmann Rechtsprofessor an der Universität Freiburg

Das Bundesgericht geht davon aus, der Verfassungsartikel zur Wehrpflicht (inklusive zivilem Ersatzdienst) sei eine Spezialbestimmung, die dem Diskriminierungsverbot vorgehe. «Rechtlich gesehen ist es also keine Diskriminierung, auch wenn sie so empfunden wird», so Waldmann. Wie das Bundesgericht ist er aber der Meinung, dass ein inhaltlicher Widerspruch besteht zwischen der auf Männer beschränkten Wehrpflicht und dem Gleichstellungsgebot.

Neuer Sicherheitsdienst löst vielleicht das Problem

Am Mittwoch hat der Bundesrat Pläne zur Fusion von Zivilschutz und Zivildienst präsentiert.

Fusion Zivilschutz und Zivildienst

Box aufklappen Box zuklappen

Im Auftrag des Parlaments will der Bundesrat den Zivilschutz mit dem Zivildienst zu einem Katastrophenschutz fusionieren. Dieses neue Modell soll den Bevölkerungsschutz in militärischen Konflikten und Katastrophen stärken sowie Abgänge aus der Armee in den Zivildienst reduzieren.

Angehörige des Katastrophenschutzes sollen auch Leistungen für Gesundheit, Soziales und Umwelt erbringen, so wie heute die Zivis. Dienstpflichtig sollen wie heute nur Schweizer Männer sein. Wer untauglich ist oder Gewissensgründe hat, soll in den neuen Sicherheitsdienst eingeteilt werden. Eine freie Wahl soll es nicht geben.

Weil es für die neue Katastrophendienstpflicht eine Verfassungsänderung braucht, werden Volk und Stände das letzte Wort haben.

Laut Waldmann könnte der neue Sicherheitsdienst eine gute Gelegenheit sein, den Widerspruch zwischen Wehrpflicht und Gleichstellung aufzulösen. «Wenn die Verfassung ohnehin neu geschrieben werden muss – und das muss sie für den neuen Sicherheitsdienst –, dann sollte der Verfassungsgeber meiner Meinung nach versuchen, bestehende Diskriminierungen in der Verfassung aufzuheben.»

Person in brauner Jacke arbeitet mit Heu.
Legende: Der Zivildienst ist beliebt: Müssen Frauen bald nicht mehr tricksen, um mitzumachen? KEYSTONE/Christian Beutler

Die Regelung sei nicht mehr zeitgemäss. Waldmann würde es begrüssen, wenn im Mindesten ein freiwilliger Sicherheitsdienst für alle Geschlechter möglich wäre – damit Frauen nicht mehr mogeln müssen.

«Frauen können analog zum heutigen Zivilschutz im Katastrophenschutz freiwillig Dienst leisten», schreibt das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (Sepos) auf Anfrage. «Entsprechend würden Frauen neu sowohl Tätigkeiten im Bereich des heutigen Zivilschutzes als auch des heutigen Zivildienstes erbringen.» Diensttage zur Erfüllung von Zivilschutz-Aufgaben hätten jedoch Priorität.

SRF 4 News, 24.6.2026, 11 Uhr;liea

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