Darum geht es: Es ist genau vierzig Jahre her, dass in der Schweiz die ersten Angebote eröffnet wurden, wo Drogenabhängige ihre Drogen geschützt, ohne Stress und gesundheitlich überwacht konsumieren konnten. «Fixerstübli» hiessen die Räume, die damals vor allem von Heroinabhängigen genutzt wurden. Inzwischen heissen sie Konsumräume, und auch die Art der Drogen hat sich geändert. Je nach Region werde in den schweizweit derzeit 16 Konsumräumen in bis zu 90 Prozent der Fälle Crack konsumiert, sagt Marc Marthaler, wissenschaftlicher Mitarbeiter von InfoDrog, der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht.
Die Vorteile für die Abhängigen: Dank des geschützten Konsumraums soll abhängigen Menschen trotz ihrer Sucht ein möglichst beschwerdefreies und selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Ausserdem gibt es dort Ansprechpersonen bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen sowie Zugang zu therapeutischen Angeboten. Nicht zuletzt kommt es dank Erster Hilfe vor Ort zu weniger Todesfällen infolge von Überdosierungen. Und das abgegebene sterile Drogenbesteck verhindert die Verbreitung von Infektionskrankheiten. «Abhängige konsumieren unter hygienischen Bedingungen und fachlicher Aufsicht ihre Substanz», fasst Marc Marthaler zusammen.
Ohne Konsumräume hätten wir in der Schweiz ganz sicher offene Drogenszenen.
Vorteile für die Gesellschaft: Die Konsumräume werden im Rahmen der Vier-Säulen-Drogenpolitik der Schadensminderung zugerechnet. Durch den kontrollierten Konsum der Drogen im Konsumraum soll der öffentliche Raum entlastet werden, weil Abhängige weniger an öffentlichen Orten Drogen konsumieren. Folge: Es liegen weniger Spritzen und andere Konsummaterialien herum, es gibt weniger Littering. Die Bevölkerung soll sich durch Drogen konsumierende Personen nicht bedroht fühlen. Das betrifft vor allem auch Kinder. «Ohne Konsumräume hätten wir in der Schweiz ganz sicher offene Drogenszenen», ist Marthaler überzeugt.
So funktioniert der Konsumraum: Wer dort Drogen konsumieren will, muss volljährig sein, sich ausweisen und darlegen, dass er oder sie bereits Drogen konsumiert hat. Sodann können die selbst mitgebrachten Drogen konsumiert werden. «In manchen Konsumräumen wird auch der Mikro-Handel von Drogen toleriert», sagt Marc Marthaler. So finde der Drogenhandel nicht in der Öffentlichkeit oder rund um die Örtlichkeit des Konsumraums statt. In den Konsumräumen gibt es zudem sanitäre Einrichtungen, ein kleines Verpflegungsangebot und manchmal ein niederschwelliges Arbeitsangebot gegen einen kleinen Lohn.
Im Gegensatz zu früher ist alles viel hektischer geworden.
Sicher, es gibt auch Probleme: Im Gegensatz zu den 1990er-Jahren wird in den letzten Jahren vermehrt Crack konsumiert. Die Wirkung der Droge, die aus Kokain hergestellt wird, ist ganz anders als jene von Heroin: «Die Wirkung von Crack hält nur kurz an, und immer wieder werden Crack-Konsumierende psychotisch», sagt Marthaler. Und so ist in den Konsumräumen heutzutage jeweils auch Sicherheitspersonal vor Ort. Es ist verantwortlich für die Eingangskontrolle, schreitet aber auch ein, wenn es zum Streit unter den Abhängigen kommt. «Im Gegensatz zu früher ist alles viel hektischer geworden», stellt der wissenschaftliche Mitarbeiter von InfoDrog fest.