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Offene Drogenszene Chur: Konsumraum entlastet Strassen – aber nicht den Park

Rund 90 Personen konsumieren im neuen Churer Drogenraum, doch der Stadtpark bleibt Treffpunkt der Szene.

Der Konsumraum sollte den Drogenkonsum aus dem Stadtpark holen, den Kleinhandel eindämmen und für mehr Sicherheit sorgen. Die erste Bilanz von Stadt, Polizei und Betreiber fällt gemischt aus: Der Kleinhandel im öffentlichen Raum ist spürbar zurückgegangen, die offene Drogenszene aber nicht verschwunden.

Der Konsumraum ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, die fast vierzig Jahre zurückreicht. Mit der Räumung der offenen Drogenszenen auf dem Platzspitz und später am Letten in Zürich in den 1990er-Jahren verteilten sich viele drogenabhängige Menschen auf andere Städte der Schweiz. Auch Chur entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Szene stark verändert. An die Stelle von Heroin traten Crack und Base – rauchbare Formen von Kokain. Weil deren Wirkung deutlich kürzer anhält, wird häufiger konsumiert. Fachleute berichten von mehr Unruhe und aggressiverem Verhalten.

Polizist steht vor mehreren Menschen, die auf Matten unter einer Brücke liegen.
Legende: Die Drogenszene am Zürcher Letten im August 1994. Zu Spitzenzeiten hielten sich dort über tausend Drogenkonsumierende auf. Heute setzt die Schweiz im Umgang mit Suchterkrankungen unter anderem auf Konsumräume. Keystone/MARTIN RUETSCHI

Gleichzeitig nahmen Beschaffungskriminalität und Obdachlosigkeit zu. Die offene Drogenszene wuchs in den vergangenen Jahren durchschnittlich um fünf Personen pro Jahr.

«Die Szene wurde sichtbarer und damit auch das Problem für die Bevölkerung», sagt der Churer Stadtrat Patrik Degiacomi. Der Wandel des Konsumverhaltens habe den politischen Handlungsdruck deutlich erhöht.

Acht Jahre bis zum Konsumraum

2018 wurde im Kantonsparlament erstmals ein Konsumraum gefordert. Es folgten jahrelange Diskussionen über Notwendigkeit, Standort und Finanzierung. Erst Ende März 2026 konnte die Kontakt- und Anlaufstelle eröffnet werden.

Rund 90 Personen haben sich seither registriert, mehr als von der Stadt erwartet. An Spitzentagen wird bis zu hundert Mal konsumiert, im Schnitt suchen täglich rund dreissig Personen den Raum auf, überwiegend um Crack und Base zu rauchen, vereinzelt wird auch Heroin gespritzt.

Gruppe von Menschen an einem Tisch im Park mit Bäumen im Hintergrund.
Legende: Der Churer Stadtpark im Zentrum: An schönen Tagen treffen sich hier bis zu fünfzig Drogenkonsumierende. Keystone/Gian Ehrenzeller

Laut Stadtpolizeikommandant Andrea Deflorin sind rund um den Konsumraum keine neuen Brennpunkte entstanden; die Sicherheitslage im Quartier sei stabil.

Tagsüber verzeichnet die Polizei Verbesserungen am Bahnhof und in der Innenstadt: Der Kleinhandel, oft mit Aggressionen verbunden, verlagert sich zunehmend in die neuen Räumlichkeiten. Am frühen Morgen, vor Öffnung, betteln Suchtkranke aber weiterhin um Geld zur Drogenbeschaffung. Die Beschaffungskriminalität insgesamt hat sich laut Deflorin nicht verändert.

Szene soll nicht weiter wachsen

Chur habe wegen des bisher liberaleren Umgangs eine Sogwirkung entwickelt, so Deflorin. Das ändere sich nun: Die Polizei toleriert öffentlichen Konsum während der Öffnungszeiten nicht mehr und weist Betroffene konsequent an den Konsumraum.

Ziel der Stadt ist nicht, die Szene rasch aufzulösen, sondern ihr Wachstum zu stoppen. Auch für Carlo Schneiter, Leiter der Überlebenshilfe Graubünden, wäre alles andere unrealistisch: Einzelne Personen im Stadtpark konsumierten bereits auf dem Zürcher Platzspitz. Menschen nach jahrzehntelanger Sucht herauszuholen, sei äusserst schwierig.

«Veränderungen brauchen Zeit, verschiedene Herausforderungen bleiben bestehen», sagt Stadtrat Patrik Degiacomi. Der Konsumraum sei eine Verbesserung, aber kein schnelles Mittel gegen die offene Szene im Stadtpark.

Regionaljournal Ostschweiz, 1.7.2026, 12:03 Uhr ; 

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