Die bäuerliche Grundausbildung ist frisch umgekrempelt. Die dreijährige Lehre mit EFZ-Abschluss ist für Lernende ab Sommer 2026 nach dieser Totalrevision neu. Im Jahr 2029 schliessen die ersten Landwirtinnen, Winzer, Geflügelfachmänner oder Gemüsegärtnerinnen unter diesen Bedingungen mit dem EFZ ab. Im Anschluss hängen sie vielleicht ein Jahr höhere Fachausbildung an und steigen dann in die Landwirtschaft ein, wenn die Agrarpolitik 2030+ des Bundes gelten wird.
Die Agrarpolitik 2030+ richtet die gesamte Branche strategisch neu aus. Deshalb muss diese neueste Bildungsrevision bereits die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft der Zukunft berücksichtigen. «Diese Revision muss für die AP2030+ greifen», sagt Petra Sieghart von Agriprof. Agriprof ist verantwortlich für die bäuerliche Ausbildung. Petra Sieghart hat die Bildungsrevision zusammen mit verschiedenen Partnern aus der Landwirtschaft, mit den landwirtschaftlichen Schulen sowie Branchenvertretern organisiert und durchgeführt.
Bereits bei Beginn der Totalrevision der landwirtschaftlichen Grundausbildung 2018 musste Petra Sieghart antizipieren, was die Bauern im Jahr 2030 können sollen. Das sei schwierig, sagt sie. Denn die Veränderungen in der Berufswelt – nicht nur in der Landwirtschaft – würden schnell, zu schnell.
André Stettler, Leiter Ausbildung am Landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg, Grangeneuve, erklärt: «Vor 40 Jahren hatten wir eine Revision und dann war 15 bis 20 Jahre Ruhe.» Heute überprüft man die Grundausbildung alle fünf Jahre.
Gleiche Tiere, neue Technik
Riesige Fortschritte in der Landwirtschaft würde beispielsweise die Digitalisierung machen, so Sieghart. Smart-Farming-Instrumente oder die Administration der landwirtschaftlichen Daten würden an Bedeutung gewinnen. Aber auch die Wichtigkeit der beschränkten Ressource Boden, der Klimawandel, die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit oder die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft seien wichtiger geworden in der Ausbildung.
Doch bei all der temporeichen Entwicklung gebe es auch agronomische Grundkompetenzen, die sich kaum verändern würden. Eine Kuh bleibe eine Kuh und die müsse gemolken werden. Und auch beim Ackerbau ist nicht alles neu: «Man muss immer zuerst säen, bevor man ernten kann», sagt Petra Sieghart. Das Handwerk bleibe wichtig, sagt auch André Stettler vom landwirtschaftlichen Bildungszentrum im Kanton Freiburg.
Überfachliche Kompetenzen
Eine der wichtigsten Aufgaben, welche Schulen und Bildungspläne verstärkt hätten, sei die Vermittlung von Offenheit für Veränderungen. Die jungen Bauern und Bäuerinnen müssten sich auf Neues einstellen können, so Stettler. Früher sei das weniger notwendig gewesen, heute gehe es in der Landwirtschaft ohne Weiterbildung nicht, ergänzt Petra Sieghart.
Die Landwirte der Zukunft werden flexibel sein müssen. Denn auf die neuen politischen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft der Agrarpolitik 2030+ werde die Ausbildung reagieren müssen, so André Stettler. Ändere sich zum Beispiel das Subventionssystem, dann müsse das auch rasch gehen. Vorgesehen sind unter anderem einfachere Direktzahlungen für besonders tierfreundliche Ställe. Darauf würde die Ausbildung reagieren. Denn, so Stettler, auf eine nächste Totalrevision der bäuerlichen Grundausbildung könne man nicht warten.