Er hat seine Frau erdrosselt und danach zerstückelt. Für diese besonders grausame Tat hat das Baselbieter Strafgericht den 43-Jährigen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Opferberaterin Pia Allemann sagt, die Schweiz müsse Frauen besser vor Gewalt schützen.
SRF News: Was denken Sie zu diesem Urteil?
Pia Allemann: Ein anderes Urteil als lebenslänglich wäre für mich stossend gewesen. Wer so berechnend und grausam seine Partnerin tötet, muss nach der abgesessenen Strafe nochmals begutachtet werden, da es in einer anderen Konstellation wieder passieren könnte. Daher begrüssen wir dieses Urteil und denken, dass vor der Entlassung nochmals gut hingeschaut werden muss.
Generell finde ich, dass Femizide in der Schweiz oft eher Randnotizen sind.
Laut dem Richter hat dieser Fall neue Massstäbe gesetzt im Kanton Baselland, vermutlich auch in der Schweiz. Inwiefern?
Wahrscheinlich, weil es so berechnend wirkt. Was ich aus den Medien mitbekommen habe, hat er sich extra ein Gerät gekauft, um sie anschliessend zu zerstückeln. Diese Gefühlskälte ist eher selten. Aber wir erleben es teilweise auch bei unseren Beratungen: Es gibt Männer, die ganz gezielt Abhängigkeiten aufbauen und diese Macht mit solcher Gefühlskälte ausleben.
Das Opfer ist ehemalige Miss-Schweiz-Kandidatin. Erhalten Femizide mehr mediale Aufmerksamkeit, wenn bekannte Persönlichkeiten involviert sind?
Generell finde ich, dass Femizide in der Schweiz oft eher Randnotizen sind. Ich kann mir vorstellen, dass der Fall mehr Aufmerksamkeit erhalten hat, weil sie bekannt war, und die Art und Weise, wie er die Tat umsetzte, zu mehr Aufmerksamkeit geführt hat. Aber ich wünsche mir generell, dass ein grösserer Aufschrei durch die Gesellschaft geht, dass es mehr Aufmerksamkeit gibt für dieses Thema. Dass etwa demonstriert wird, so wie das in Spanien nach einem Femizid der Fall ist.
Es gibt keine offiziellen Statistiken zu Femiziden in der Schweiz. Warum?
In der Schweiz brauchen gesellschaftliche Veränderungen immer mehr Zeit. Wir sind auch konsensorientiert. Ich glaube, es gab auch Fragen dazu, wie man es statistisch erfasst, wenn der Täter beispielsweise auch die Kinder tötet, nachdem er die Frau getötet hat. Aber das sind alles Fragen, die andere Länder bereits beantwortet haben und an denen man sich orientieren könnte. Ich finde es stossend, dass Femizide nicht statistisch erfasst werden. Was man nicht erfasst und nicht sieht, kann man auch nicht bekämpfen.
Was würde eine offizielle Statistik bringen?
Dann hat man es schwarz auf weiss, dass der gefährlichste Ort für Frauen tatsächlich das eigene Zuhause ist, und man könnte mit mehr Nachdruck mehr finanzielle Ressourcen und Massnahmen zur Bekämpfung einsetzen.
Was muss die Schweiz tun, damit Frauen in den eigenen vier Wänden sicherer sind?
Es braucht ein nationales Gewaltschutzgesetz. Bei Hochrisikofällen muss eine Person 24 Stunden überwacht und das Opfer rechtzeitig gewarnt werden können, wenn er sich ihr annähert, wie das auch in Spanien der Fall ist. Dazu braucht es eine nationale Überwachungszentrale. Das hat die Schweiz noch nicht.
Bei vielen Opfern scheitert es an dieser fehlenden Unterstützung, dass sie sich nicht trauen, sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen.
Wenn eine Frau über längere Zeit in einer gewalttätigen Beziehung gelebt hat, ist das wie ein Gefängnis. Wenn sie sich trennt, braucht sie auch soziale Unterstützung, um zurück ins Leben zu finden. Sie braucht Therapie. Sie braucht Unterstützung bei der Arbeitssuche, bei der Wohnungssuche. Bei vielen Opfern scheitert es an dieser fehlenden Unterstützung, dass sie sich nicht trauen, sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen.
Das Gespräch führte Dominik Rolli.