«Es geht um Mitsprache. Damals und heute.» Hansruedi Moor leitet das Alterszentrum Wengistein in Solothurn. Vor knapp drei Jahrzehnten entschied er sich, einen Rat für Bewohnerinnen und Bewohner einzuführen.
«Wengistein» hält Rat
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Bild 1 von 4. Das Alterszentrum Wengistein in Solothurn. Rund 90 Menschen wohnen im Alters- und Pflegeheim, ihr Durchschnittsalter beträgt 93 Jahre. Hinter dem Eingang liegen einladende Räume, ein Restaurant mit Garten und ein neuer Garten zum Verweilen oder Spazieren für Menschen von der Pflege- und Demenzabteilung. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Hansruedi Moor und Esther Ludwig. Für die Zentrumsleitung verantwortlich, haben sie vor fast drei Jahrzehnten die Grundlagen geschaffen für den Bewohnerrat im Alterszentrum. Heute leitet Moor das Zentrum und Ludwig moderiert den Rat und trägt dessen Anliegen weiter – inzwischen als externe Expertin. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Der Rat der Bewohnerinnen und Bewohner. Christine Mattenberger und Hans Christen engagieren sich seit drei Jahren im Bewohnerrat. Das nächste Treffen der rund zehn Personen findet im Herbst statt. Deshalb stehe die Traktandenliste noch nicht, erzählen sie. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Der Rat der Angehörigen. Am Abend kommt der Rat der Angehörigen zusammen; auch hier sind es rund zehn Personen, die sich sechsmal jährlich treffen. Hansruedi Moor und Esther Ludwig informieren den Rat über Aktuelles und die Arbeit des Bewohnerrats und nehmen Anregungen und Fragen entgegen. Bildquelle: SRF.
Das Alterszentrum sei das Zuhause dieser Menschen, deshalb sollen sie sich einbringen können – Kritik, Anregungen, Wünsche. Es gehe um Wohn- und Lebensqualität, so Hansruedi Moor. Sie seien schliesslich «zahlende Gäste». Esther Ludwig kam dazu, in die Leitung. Zusammen schufen sie Leitlinien, und ihre Grundlagenarbeit kommt nun auch anderen interessierten Institutionen zugute.
Wengistein als gelungenes Beispiel
Das Alters- und Pflegeheim gilt als gelungenes Beispiel für Mitsprache und Partizipation. Auch deshalb, weil Hansruedi Moor und Esther Ludwig ein paar Jahre später einen weiteren Rat ins Leben riefen – einen für Angehörige.
«Im Bewohnerrat sind nicht alle Bewohnenden vertreten – Menschen, die stark pflegebedürftig oder dement sind, fehlen», erklärt Esther Ludwig. «Für sie können die Angehörigen sprechen, sie sind hier die Experten, quasi ihre Anwältinnen.» Moor ergänzt, der Austausch mit den Angehörigen sei wichtig. Er vergleicht das Zusammenspiel beider Räte mit der Zentrumsleitung mit einem demokratischen Prozess.
Nach der Pandemie empfiehlt der Bund solche Räte
Um Menschen in Alters- und Pflegeheimen besser einzubeziehen, empfiehlt der Bund, solche Räte ins Leben zu rufen. Dies nach der Aufarbeitung der Corona-Pandemie, die ergab, dass Schutzmassnahmen wie Kontaktverbote oder eingeschränkte Bewegungsfreiheit gerade für ältere Menschen in Institutionen negative Folgen hatten.
Im Alterszentrum Wengistein konnten die Bewohnenden- und Angehörigenräte während des Kontaktverbots zwar nicht tagen. Doch für die Zentrumsleitung bestand ein konstruktiver Dialog und das nötige Vertrauen zwischen Bewohnenden, Angehörigen und Leitung. «Wer nicht an Corona erkrankt war, war bei uns nicht isoliert», erinnert sich Hansruedi Moor. Die Empfehlung des Bundes begrüsst er, fügt aber an: «Damit diese Form von Dialog und Mitsprache funktioniert, muss sie sich vor der Krise schon eingespielt haben können. In der Krise lässt sie sich nicht noch rasch hochfahren.»