Sie sieht aus wie ein überdimensioniertes Insekt. Ihr schwarzer Körper steht auf dünnen Beinen und soll von filigranen, schwirrenden Flügeln getragen werden. Die Drohne, die künftig autonom Waren durch die Luft transportieren soll, wartet auf einem Parkplatz in Amsteg im Kanton Uri auf ihren Testflug. Journalistinnen, Geschäftsleute und Politiker haben sich versammelt, um diesem beizuwohnen.
Die Drohne gehört der Firma EBIRD Logistics, die den Sitz in den Kanton Uri verlegen und dort ihr Geschäft aufbauen will. «Hier können wir etwa Inspektionsflüge für Stromleitungen oder Lieferungen für Alphütten anbieten», sagt Direktor Martin Büsser. Die schwarze Drohne könne zwar erst zehn Kilogramm tragen, es gebe aber bereits andere mit einer Traglast bis 80 Kilogramm.
Flug ohne Sichtkontakt
Dann startet die Drohne: Innert kürzester Zeit hebt sie ab, steigt in die Höhe und verschwindet hinter den Bergen. Ihr Ziel: Das Dorf Bristen, 350 Meter weiter oben. Die Drohne bewegt sich auf einer fest programmierten Flugbahn und wird per Satellitensignal gelenkt.
Der Pilot, welcher den Flug überwacht, hat schon bald keinen Sichtkontakt mehr. Dies ist in der Schweiz eigentlich nicht erlaubt. Der Flug musste deshalb vom Bundesamt für Zivilluftfahrt abgesegnet werden. Es ist der erste solche autonome und langstreckige Flug in den Alpen. Er habe mehrere Monate auf grünes Licht gewartet, sagt Martin Büsser.
Uri als designiertes Drohnenparadies
Das ist ein weiterer Grund, weshalb er mit seiner Firma nach Uri zieht. Hier wurde kürzlich das sogenannte «Alpine Drone Consortium» gegründet. Dessen erklärtes Ziel: In den Bergen von Uri, Graubünden und dem Tessin ein Testgebiet für Drohnen zu errichten. Hier sollen solche Drohnenflüge einfacher möglich sein.
Der Testflug von heute gebe diesem Anliegen Rückenwind, sagt Silvan Küng, der das Projekt angestossen hat. «Das ist eine Pionierleistung und der Beweis, dass dies in den Alpen möglich ist.»
Unternehmer sieht viele Einsatzgebiete
Mittlerweile ist die Drohne in Bristen angekommen – zu sehen auf dem Bildschirm, der vom Piloten überwacht wird. Ausserdem zeigt die Drohnenkamera, wie Mitarbeiter das schwarze Köfferchen abnehmen, das der Drohne als Test-Transportgut angehängt wurde. Knapp sieben Minuten dauerte der Flug – einiges schneller als jedes Auto, dass die kurvige Strasse hochschlängeln muss.
Wegen dieser Geschwindigkeit ist Martin Büsser überzeugt, dass solche Drohnen in den Alpen diverse Bedürfnisse decken würden: Transport, Inspektionen, Forschung und Wartung von Infrastruktur. «Sobald wir weitere Missionen geflogen sind, kommen uns sicher noch weitere Einsatzmöglichkeiten in den Sinn.»
Für ein kommerziell rentables Unterfangen müssten die Hürden für solche Drohnenflüge jedoch kleiner werden – das geplante Testgebiet in den Urner Alpen soll dabei helfen.