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Neue Flugzonen für Testdrohnen Uri will Testlabor für Schweizer Drohnen-Industrie werden

Das Alpine Drone Consortium will in den Alpen Flugzonen schaffen, um neue Drohnen im realen Gelände zu testen.

Sie rasen auf der Piste Marco Odermatt hinterher, kommen bei der Lawinenrettung zum Einsatz oder beim Unterhalt von Stromleitungen: Drohnen.

Neue Fluggeräte zu entwickeln und zu testen, ist allerdings gar nicht so einfach. Ein neuer Verein will hier Gegensteuer geben: das Alpine Drone Consortium mit Hauptsitz in Altdorf UR.

Drohne fliegt vor zwei Personen über grünem Feld.
Legende: Für unbemannte Luftfahrzeuge wie Drohnen gelten in der Schweiz spezielle Vorschriften. Keystone/Christian Beutler

Beteiligt daran sind die Kantone Uri, Graubünden und Tessin, aber auch Drohnenhersteller, Hochschulen und Wirtschaftsvertreter.

Flugzonen in den Alpen geplant

Der Verein geht auf eine Initiative des Netzwerks Innovationstransfer Zentralschweiz (ITZ) zurück. Das Alpine Drone Consortium will Brücken schlagen. Zwischen Drohnentests unter Laborbedingungen – und dem Einsatz in der realen Welt. Von Uri aus wollen die Verantwortlichen die konkrete Anwendung testen. Im alpinen Gebiet unter teils rauen Bedingungen.

Wenn man es im alpinen Gelände schafft, sicher zu fliegen, dann schafft man das überall.
Autor: Silvan Küng Innovationstransfer Zentralschweiz ITZ

Der Kanton eigne sich vor allem aus zwei Gründen gut für solche Flugzonen, sagt Silvan Küng, Co-Geschäftsführer des ITZ. Uri sei gut erschlossen, aber dünn besiedelt – und topografisch herausfordernd. «Wenn man es im alpinen Gelände schafft, sicher zu fliegen, dann schafft man es überall.»

Das Alpine Drone Consortium will dabei Hilfe zur Selbsthilfe bieten: Der Verein selbst wird keine Drohnentestflüge durchführen. «Wir wollen Testzonen entwickeln und dafür sorgen, dass diese für die Wirtschaft zugänglich werden.»

Gerade im alpinen Gebiet sieht Silvan Küng viele Einsatzmöglichkeiten für Drohnen. Sei es zur Überwachung von grossen Infrastrukturen wie Strommasten oder Wasserkraftwerken, sei es zur Beurteilung von Murgang-Risiken.

Lawineninstitut ist mit an Bord

Beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF – ebenfalls Mitglied beim Alpine Drone Consortium – ist der Einsatz von Drohnen bereits gang und gäbe. «Für uns haben Drohnen die Arbeit revolutioniert», sagt Yves Bühler, Leiter der Gruppe alpine Fernerkundung beim SLF. «Wir können nun beispielsweise Daten erheben von Bergstürzen in steilen Felswänden. Das konnten wir früher nicht.»

Person steht in schneebedeckten Bergen, Drachen fliegt.
Legende: Die alpine Fernerkundung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF misst mithilfe von Drohnen die Schneehöhen. SLF/Yves Bühler

Der vom Konsortium angestrebte Testbetrieb sieht Bühler als grosse Chance. «Wenn man beispielsweise an die künstliche Lawinenauslösung denkt, muss man sehr viel testen können. Dafür braucht es ein spezielles Gebiet. Das versuchen wir nun aufzubauen.»

Hürden für Testflüge sind hoch

Ein grosser Knackpunkt in diesem Prozess: Die Vorgaben für Testflüge sind heute sehr restriktiv. Aus Sicherheitsgründen ist es für Drohnenhersteller schwierig, Fluggenehmigungen zu erhalten.

«Das stellt uns vor grosse Probleme», sagt Yves Bühler vom SLF. Deshalb wolle das breit abgestützte Konsortium mit dem zuständigen Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl möglichen Handlungsspielraum erörtern. «Wir wollen Regionen finden, wo wir effizienter und schneller testen können, damit es die Industrie vorwärtsbringt.»

So beurteilt das Bazl das Projekt

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Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) begrüsst die Initiative, sieht aber auch Herausforderungen, wie es auf Anfrage heisst. Das Projekt sei «ambitioniert», sagt Mediensprecher Christian Schubert. Grundsätzlich seien solche Testgebiete möglich. «Schwierig ist jedoch, eine Bewilligung zu erhalten, insbesondere wenn dort viele Betreiber mit unterschiedlichen Bedürfnissen fliegen möchten.»

Der Grund dafür: Die heutigen rechtlichen Grundlagen für die Bewilligung solcher Testgebiete seien eher spezifisch auf ein Bedürfnis ausgerichtet. «Man beurteilt den Betrieb und die damit einhergehenden Risiken und trifft Massnahmen, um die Risiken zu minimieren», sagt Christian Schubert. «Je höher die Anforderungen und je breiter die Anwendung, desto schwieriger ist es, die Risiken zu minimieren.»

Letztlich will der neue Urner Verein dazu beitragen, dass die Entwicklung kommerzieller Lösungen – für Unternehmen, aber auch für die öffentliche Hand – beschleunigt werden kann.

Es ist ein gutes Zeichen für die Innovationsfähigkeit des Kantons Uri.
Autor: Urban Camenzind Volkswirtschaftsdirektor Kanton Uri

Uri als Innovationsbiotop für Drohnentechnologie – diese Idee gefällt dem Urner Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. «Es ist ein gutes Zeichen für die Innovationsfähigkeit des Kantons Uri.» Zwar seien durch den Verein derzeit noch keine zusätzlichen Arbeitsplätze entstanden. «Längerfristig hoffe ich aber, dass hier dereinst eine Firma Drohnen produziert oder betreibt.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 10.2.2026, 6:31 Uhr ; 

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