Die Lohngleichheit ist im Kanton Schwyz noch nicht erreicht. Bei der Gewaltprävention gibt es Luft nach oben. Und bei der Kinderbetreuung fehlt es an Angeboten. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage von GFS Bern.
Wir wollten herausfinden, wo der Schuh drückt, wo wir aktiv werden müssen.
In Auftrag gegeben hat sie die Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz. «Wir wollten eine verlässliche Datengrundlage für unsere Arbeit», sagt Ruth von Euw, Mitglied der Kommission. «Um herauszufinden, wo der Schuh drückt und wo wir aktiv werden müssen.»
Dass ein Kanton seinen Status der Gleichstellung analysieren lässt, ist laut Auftraggeberin schweizweit eine Premiere.
Als «überraschend» bezeichnet Ruth von Euw vor allem eine Erkenntnis: «79 Prozent der Befragten halten Gleichstellung für sehr wichtig, 70 Prozent erleben im Alltag aber immer noch Situationen, in denen Gleichstellung nicht erreicht ist.»
Baustelle 1: Die Lohngleichheit
Gefragt nach spontanen Assoziationen mit Gleichstellung, schwingt bei den Befragten ein Thema oben aus: die Ungleichbehandlung beim Gehalt. Ein Drittel sieht hier grosses Verbesserungspotenzial.
Die Umfrage zeigt allerdings Geschlechterunterschiede: Fast vier von zehn Frauen sehen beim Lohn den dringendsten Handlungsbedarf. Bei den Männern ist dieser Anteil mit 24 Prozent deutlich tiefer.
Ruth von Euw von der Gleichstellungskommission sagt: Beim Kanton gebe es Instrumente, um Ungleichheit bei der Entlöhnung zu verhindern. «Und auch grosse Unternehmen betonen, die Lohngleichheit zu beachten.» Es würde sie daher umso mehr interessieren, bei welchen beruflichen Tätigkeiten die Ungleichheit konkret zutage trete. «Und wie sich das korrigieren lasse.»
Baustelle 2: Gewaltprävention
Gemäss der Umfrage hat jede vierte befragte Person im letzten Jahr eine Situation erlebt, in der sie sich aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt oder diskriminiert gefühlt hat. Meist betrifft es Situationen im Berufsleben. Aber auch sexuelle Belästigungen sind häufig genannt worden.
Wie soll bei sexualisierter Gewalt Gegensteuer gegeben werden? «Am ehesten sehen die Befragten in einer härteren Bestrafung der Täter und Täterinnen eine Lösung», heisst es dazu in der Umfrage. Aber auch Prävention, Aufklärung und bessere Anlaufstellen werden gefordert. Das Fazit der Verantwortlichen: «Die Bevölkerung erwartet, dass Politik und Gesellschaft das Thema entschlossener anpacken.»
Sexuelle Belästigung komme weit häufiger vor, als man denke, so Ruth von Euw. «Ich bin froh, haben wir den Beleg nun schwarz auf weiss und können mit diesen Zahlen weiterarbeiten.»
Baustelle 3: Kinderbetreuung
Während Frauen und Männer den Stand der Lohngleichheit unterschiedlich beurteilen, schätzen sie den Handlungsbedarf bei Gewaltprävention, Kinderbetreuung oder Elternzeit gleich gross ein.
Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheide «weniger das Geschlecht als vielmehr das Alter über die Wahrnehmung», heisst es in der Umfrage. Es sei ein Thema, das «vor allem die jüngere Generation» beschäftige.
«Hier geht es nicht nur um Kita-Plätze und finanzielle Unterstützung, sondern auch um die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten», sagt Ruth von Euw.
Unter anderem auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möchte die Schwyzer Gleichstellungskommission denn auch ihr Augenmerk legen. «Es geht um Aufklärungsarbeit», so von Euw. «Durch Information und Kommunikation wollen wir den Stein ins Rollen bringen.»