- Letzte Woche wurde ein Fedpol-Mitarbeiter verhaftet. Er soll Informationen an die Drogenmafia verkauft haben.
- SRF-Recherchen zeigen: Der Beschuldigte hatte bei all seinen Funktionen Zugang zu sensiblen Bereichen.
- Das Fedpol hat Aufgaben inzwischen neu verteilt und überwacht die Zugriffe auf Polizeidaten strenger.
Der Mann ist im Alter zwischen 40 und 50 Jahren und hat eine für die Bundespolizei klassische Karriere gemacht: Er startete als Kantonspolizist. Vor wenigen Jahren erst wechselte er zum Bundesamt für Polizei (Fedpol). Dort soll er Informationen an die Drogenmafia verkauft haben.
SRF kennt die Identität des Mannes. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Beim Fedpol arbeitete er zuerst im Bereich internationale Polizeikooperation. Das ist die Drehscheibe für sensible, auch internationale Polizeidaten. Vor weniger als zwei Jahren wechselte der Beschuldigte als Personenschützer zum Bundessicherheitsdienst. Zum Kader gehörte er nicht.
Es ging um Ermittlungsinformationen
Brisant ist: In beiden Funktionen hatte der Beschuldigte Möglichkeiten, auf vertrauliche Daten zuzugreifen. Das Fedpol bestätigt das gegenüber SRF. Informationen zu Gruppierungen der organisierten Kriminalität könnten im Rahmen verschiedener Funktionen eingesehen werden, schreibt das Fedpol: «Darunter fallen neben Funktionen in der Bundeskriminalpolizei und der internationalen Polizeikooperation unter anderem auch solche beim Bundessicherheitsdienst.»
Erstmals gibt das Fedpol bekannt, dass es bei den mutmasslich an die Mafia verkauften Daten auch um Ermittlungsinformationen geht. Mitarbeitende – auch des Bundessicherheitsdienstes – können je nach Funktion darauf zugreifen, «beispielsweise, um eine Bedrohung für die innere Sicherheit oder für eine Schutzperson einzuschätzen», so das Fedpol. Auch als Personenschützer kann der Beschuldigte also Zugriff auf Daten zu Ermittlungen gehabt haben.
Rosa Maria Cappa ermittelte bis vor elf Jahren als Staatsanwältin des Bundes gegen die Mafia. Heute arbeitet sie für eine Anwaltskanzlei und kennt den konkreten Fall nicht. Generell aber seien für Mafiagruppen alle Arten von Informationen interessant, so Cappa – zum Beispiel, welche Art von Ermittlungen am Laufen sei, welche Informationen die Polizei erhalte oder mit wem sie zusammenarbeite: «Ziel ist immer, die nächsten Schritte der Polizei vorherzusehen.»
Fedpol schaut genauer hin, wer auf Polizeidaten zugreift
Offen ist, ob der Beschuldigte erst beim Bundessicherheitsdienst Informationen an die Mafia zu verkaufen begann – oder bereits bei der internationalen Polizeikooperation. Das Fedpol äussert sich nicht dazu. Weder Fedpol noch die frühere Arbeitgeberin des Beschuldigten, eine Kantonspolizei, bestätigen wegen des Persönlichkeitsschutzes die Identität des Mannes.
Das Fedpol gibt aber erstmals bekannt, was intern geschehen ist, seit erste Verdachtsmomente gegen den mutmasslichen Maulwurf auftauchten. Es seien Sofortmassnahmen getroffen worden: «Das können Anpassungen bei der Aufgabenzuweisung oder etwa ein Monitoring der Informationszugriffe sein. Dadurch können wir Risiken minimieren», schreibt die Polizeibehörde. Das Fedpol hat also im betroffenen Bereich Aufgaben neu verteilt und Zugriffe auf Polizeidaten strenger überwacht.
Der Fedpol-Mitarbeiter und fünf weitere mutmassliche Angehörige der Drogenmafia-Gruppierung sitzen in Untersuchungshaft. Es läuft ein Strafverfahren. Zusätzlich arbeitet das Fedpol das Geschehene intern auf.