Tief unterhalb von Brienz wird gebohrt und gesprengt. Seit mehreren Jahren bearbeiten schwere Maschinen den Berg und bauen einen Entwässerungsstollen. Es soll möglichst viel Wasser aus dem Berg geholt und auf dieses Weise ein Abrutschen des Dorfs verhindert werden.
Auch der Hang oberhalb soll durch die Entwässerung stabiler werden. «Wir nehmen dem Gebirge damit den Druck weg», erklärt Projektleiter Sepp Kurath.
So sieht es im Entwässerungsstollen aus
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Bild 1 von 4. Mit Bohren und Sprengen wird der Stollen Meter für Meter in den Berg getrieben. Bildquelle: SRF/Matthias Jörg.
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Bild 2 von 4. Der Sprengstoff steht bereit. 56 Bohrlöcher werden mit rund 120 Kilo Sprengstoff gefüllt. Etwas mehr als drei Meter werden so jedes Mal weggesprengt. Bildquelle: SRF/Matthias Jörg .
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Bild 3 von 4. In den Kavernen, seitlichen Nischen entlang des Stollens, werden Drainagebohrungen gemacht und das Wasser abgeleitet. Bildquelle: SRF/Matthias Jörg.
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Bild 4 von 4. Bis zu 200 Liter Wasser pro Minute fliessen aus dem Rohr, erklärt Projektleiter Sepp Kurath. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
Im Sommer 2023 wurde Brienz nur knapp von einem Schuttstrom verfehlt. Danach wurde das Dorf wegen eines drohenden Bergsturzes erneut mehr als 60 Wochen evakuiert. Phasenweise mussten auch die Arbeiten am Entwässerungsstollen ausgesetzt oder eingeschränkt werden.
Nun sind fast 80 Prozent fertig gebaut. Nach Vollendung legt sich das mehr als zwei Kilometer lange Bauwerk wie ein Ypsilon um das Dorf Brienz GR. Ende 2027 soll der Bau fertig sein. Die Kosten dafür betragen rund 40 Millionen Franken.
Stollen erfüllt hohe Erwartungen
Dass das viele Wasser im Berg zum Problem werden könnte, wurde erstmals bei Messungen und Probebohrungen vor rund acht Jahren festgestellt. «Bei der ersten Bohrung schoss das Wasser wie eine Fontäne raus», erinnert sich Projektleiter Sepp Kurath.
In einem ersten Schritt wurde ein Sondierstollen etwas abseits des Dorfs gebaut. Von dort aus wurde der eigentliche Entwässerungsstollen in Angriff genommen. Nun zeigt sich: Der aufwändige Bau hält offenbar, was er verspricht.
Das Geologenteam ist mit den Resultaten sehr zufrieden. «Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass das richtig gut kommt mit dem Stollen», sagt Geologe Reto Thöny. Die Rutschung des Dorfs hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt. Vor zwei Jahren rutschte Brienz jedes Jahr rund zweieinhalb Meter talwärts. Aktuell sind es wenige Zentimeter.
Das Bauwerk ist auch für die Kantonsstrasse und die Rhätische Bahn wichtig. Auf der RhB-Linie nach St. Moritz gab es aufgrund der Rutschung immer wieder Schäden an der Infrastruktur. Derzeit fährt der Zug auf diesem Abschnitt aus Sicherheitsgründen nur mit 30 Stundenkilometern.
Entwässerung bleibt stetige Aufgabe
Gemeindepräsident Daniel Albertin ist überrascht und erfreut über dieses Ergebnis. Nichtsdestotrotz befinde sich das Dorf noch immer in einer Gefahrenzone (rote Zone). «Man muss in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch weitere Abklärungen machen, bis man die rote Zone eventuell aufheben kann», so Albertin.
Auch wenn der Entwässerungsstollen in anderthalb Jahren steht, ist die Arbeit daran kaum abgeschlossen. Unter Umständen müssen die Drainagen nach einiger Zeit erneuert werden. «Es bleibt eine Aufgabe für kommende Generationen», sagt Projektleiter Sepp Kurath.