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Bergdorf Brienz GR Würden Sie diesen Job nochmal machen, Gemeindepräsident Albertin?

Seit zwölf Jahren führt Daniel Albertin die Bündner Gemeinde Albula/Alvra, zu der auch Brienz gehört. Die Jahre waren geprägt von der Krise rund um den Brienzer Rutsch, die 2023 ihren Höhepunkt erreichte. Albertin wurde zum Gesicht dieser Zeit. Im Gespräch blickt er zurück, spricht über Kritik, Belastung und darüber, was er aus dieser Phase mitnimmt.

Daniel Albertin

Gemeindepräsident Albula/Alvra GR

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2015 wurde Daniel Albertin erster Gemeindepräsident der neu fusionierten Talgemeinde Albula/Alvra GR, der auch Brienz/Brinzauls angehört. Er wurde durch seine Führungsrolle bei der Bewältigung des Brienzer Rutsches schweizweit bekannt.

SRF News: Wie oft haben Sie in den letzten Jahren nach Brienz hinaufgeschaut?

Daniel Albertin: Eigentlich jeden Tag. Es vergeht kaum ein halber Tag, an dem ich nicht auf Brienz blicke, wenn ich hier bin.

Mit welchen Gefühlen tun Sie das heute, nun, da sich die Lage entspannt hat?

Einerseits mit Erleichterung, weil die Situation deutlich stabiler ist als in den vergangenen Jahren. Andererseits weiss ich, dass nun wieder Fragen auftauchen: Soll man wirklich gehen, soll die Umsiedlung stattfinden?

Hat das Dorf Brienz eine Zukunft?

Wir dürfen einem Dorf nicht die Zukunft absprechen. Mit dem Entwässerungsstollen und den Erkenntnissen der letzten Jahre sehen die Perspektiven heute deutlich besser aus als zwischen 2019 und 2021.

Die Bevölkerung hat ein Wechselbad der Gefühle erlebt: Evakuierung, Rückkehr, erneute Evakuierung und schliesslich wieder heimkommen. Woran denken Sie, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken?

Dieses Auf und Ab traf nicht nur die Menschen in Brienz, sondern auch den Führungsstab und den Gemeindevorstand. Die Lage änderte sich ständig, wir mussten immer wieder neu beurteilen und kommunizieren. Dass diese Unsicherheit für die Bevölkerung sehr belastend war, kann ich gut verstehen.

Es gab auch Kritik – einige fanden die Entschädigungen zu tief, andere hielten die Massnahmen für übertrieben. Was würden Sie heute anders machen?

Könnten wir 2017 nochmals beginnen, würden wir wieder versuchen, den Entwässerungsstollen voranzutreiben. Vielleicht würden wir die Suche nach möglichen Umsiedlungsstandorten anders organisieren. Ob das wirklich Aufgabe der Gemeinde ist, bleibt fraglich. Hier sind wir auf vehemente Kritik gestossen.

Wo das neue Zuhause sein kann, das soll jede und jeder für sich selber entscheiden.

Vielleicht sollte die Gemeinde nur die Entschädigungen regeln und die Standortsuche den Betroffenen überlassen. Wir haben diese Aufgabe übernommen, und dafür gab es viel Kritik. Das würde ich einer nächsten Behörde nicht mehr empfehlen. Wo das neue und richtige Zuhause sein kann, das soll jede und jeder für sich selber entscheiden.

Welches war ihr schwierigster Tag in dieser Zeit?

Das war sicher, als wir bei der ersten Evakuierung kommunizieren mussten. Wir hatten das minutiös vorbereitet und immer gehofft, es nie tun zu müssen. Das war der schwierigste Moment.

... und der schönste Tag?

Als wir die erste Evakuierung wieder aufheben konnten, im Wissen, dass die Prognosen der Geologen praktisch punktgenau eingetroffen waren.

Wenn Sie einmal nicht mehr Gemeindepräsident sind, was werden nicht vermissen?

Sicher nicht die Momente, wenn ich morgens um neun in die Kanzlei komme und die immer gleichen leidigen Briefe lesen und beantworten muss.

Wird es auch in 20 Jahren noch ein lebendiges Brienz mit einer Gemeinschaft geben?

Die Lebendigkeit eines Dorfes entsteht nicht durch die Behörde, sondern durch die Menschen, die dort leben. Jede Familie und jede einzelne Person tragen dazu bei, dass aus einem Dorf eine Gemeinschaft wird und ein Ort, der lebensfroh bleibt.

Würden Sie das Präsidium der Gemeinde Albula nochmals übernehmen, wenn sie wüssten, was alles auf Sie zukommt?

Ich würde mir sehr gut überlegen, ob ich das machen möchte.

Das Gespräch führte Marc Melcher.

Wie viele ziehen weg?

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Vor wenigen Tagen lief die Frist ab, um sich bei der Gemeinde zu melden, ob man aus Brienz wegziehen möchte oder nicht.

Laut Gemeindepräsident Daniel Albertin haben sich Leute von rund 40 Parzellen für die präventive Umsiedlung angemeldet, das seien rund 90 Haushalte.

Diese Anmeldungen werden zusammengeführt und daraus ein Umsiedlungsprojekt erarbeitet. Dieses muss durch den Kanton und den Bund genehmigt werden, insbesondere wegen der Finanzierung.

Die Anmeldung heisst nicht, dass jemand definitiv wegzieht. Man kann sich auch noch umentscheiden.

Regionaljournal Graubünden, 4.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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