Das Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) steht in der Kritik. SRF Investigativ hat aufgedeckt, dass ein 16-jähriger Straftäter Ende 2024 den Leiter des Sicherheitsdienstes angegriffen und schwer verletzt hatte. Diesen Mai musste der heute 64-Jährige das MZU verlassen – wegen Invalidität.
Die Attacke offenbart Sicherheitsprobleme in der wohl wichtigsten Massnahmeneinrichtung für jugendliche und junge erwachsene Straftäter in der Deutschschweiz. Die Probleme stehen in Zusammenhang mit vielen Kündigungen und einem umstrittenen Führungskurs.
Mittagspausen nicht eingetragen
Jetzt zeigt sich: Der MZU-Direktor hat auch einen umstrittenen Personalentscheid gefällt. Zum Nachfolger des krankgeschriebenen Sicherheitschefs beförderte er dessen Stellvertreter. Und das, obwohl dieser zuvor über Monate systematisch seine Arbeitszeit falsch erfasst hatte.
Gemäss Recherchen von SRF Investigativ erfuhren die Personalabteilung und Direktor Carmelo Campanello noch während des Stellenbesetzungsprozesses von diesem schweren Fehlverhalten.
Ende Oktober 2025 informierte der Direktor die MZU-Mitarbeitenden über seinen Personalentscheid – ohne die falsche Arbeitszeiterfassung zu erwähnen. Erst einen Monat später teilte er dem Sicherheitsdienst (SiDi) per Mail mit: Er «hat bei der Zeiterfassung seiner Bürodienste über Monate hinweg die Abzüge seiner Mittagspausen nicht eingetragen».
Er habe davon erfahren, «kurz nachdem für mich feststand, dass (…) im Bewerbungsverfahren zur Funktion Leitung SiDi reüssiert hatte». Der Direktor hielt im Mail zwar fest, dass es sich um «heikle Versäumnisse» handle. Und der Sicherheitschef dafür «volle Verantwortung übernommen» habe.
Doch auf seinen Personalentscheid kam der Direktor nicht zurück – trotz des schweren Fehlverhaltens seines Wunschkandidaten.
Amt bestätigt «Verletzung der Treuepflicht»
Das zuständige Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung (JuWe) geht aus personalrechtlichen Gründen nicht auf den Fall ein. Es schreibt aber: «Es ist korrekt, dass die falsche Erfassung der Arbeitszeit eine Verletzung der Treuepflicht darstellt.» Der MZU-Direktor habe Massnahmen ergriffen.
Wie SRF Investigativ weiss, musste der Sicherheitschef nach dem Vorfall den Prozess der Zeiterfassung des Sicherheitsdienstes überprüfen. Ob es auch Massnahmen gegen ihn persönlich gab, ist nicht klar.
Der jetzige Stelleninhaber hat sich im Bewerbungsverfahren gegen Konkurrenz durchgesetzt.
Das Amt schreibt weiter: Die Stelle des Leiters Sicherheitsdienst sei öffentlich ausgeschrieben worden. Es habe interne und externe Bewerbungen gegeben, alle Bewerbenden seien in einem mehrstufigen Prozess auf ihre Eignung hin überprüft worden. «Der jetzige Stelleninhaber hat sich im Bewerbungsverfahren gegen die Konkurrenz durchgesetzt.»
Fotomontagen mit Maschinenpistolen
Die Frage, ob der neue Sicherheitschef der richtige Mann ist, stellt sich auch aus einem anderen Grund: Gemäss Recherchen von SRF Investigativ teilten Mitarbeitende des Sicherheitsdienstes im Frühling 2026 in einem gemeinsamen Team-Chat fragwürdige Inhalte im Rambo-Stil.
So etwa eine KI-generierte Fotomontage zweier SiDi-Mitarbeitenden mit Maschinenpistolen vor einer amerikanischen Schule sowie vor dem MZU. Mehrere Personen setzten ein 😂-Emoji – der Leiter des Sicherheitsdienstes griff nicht ein.
Teamchat des MZU-Sicherheitsdienstes
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Bild 1 von 5. Foto aus privatem Schiesskeller. Zwei Mitarbeitende des MZU-Sicherheitsdienstes posieren schwer bewaffnet in einem privaten Schiesskeller. Dieses Bild diente als Vorlage für die folgenden KI-generierten Fotomontagen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 5. Posieren vor dem Massnahmenzentrum Uitikon (MZU). Die gleichen Personen, KI-generierte Körper. Die KI-Bildmontage zeigt die beiden Sicherheitsmitarbeiter vor ihrem Arbeitsplatz, dem MZU bei Zürich. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 5. Posieren vor einer US-Highschool. Bildmontage der beiden Sicherheitsmitarbeiter des MZU, diesmal vor einer KI-generierten Primarschule im amerikanischen Highschool-Stil. Doch das Bild hätte eigentlich anders aussehen sollen. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 5. ChatGPT warnt vor gewünschtem Inhalt. Die Mitarbeitenden wünschten sich von der KI eine Montage mit einer Schule «mit vielen Kindern drum herum». Die KI warnt vor dem fragwürdigen Inhalt. Im Chat wird dies mit lachenden Smileys und der Bemerkung kommentiert, die KI habe keinen Humor. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 5. MZU-Sicherheitschef kommentiert mit lachendem Smiley. Statt die Inhalte zu unterbinden, kommentiert der MZU-Sicherheitschef die Bildmontage seiner Mitarbeiter mit einem vor Lachen weinenden Smiley und schreibt: «Das mit de Chind got würkli nöd.» Anmerkung der Redaktion: Der Kommentar des Sicherheitschefs wurde von SRF ins Bild montiert. Im Original befindet sich dieser unter dem Bild. Bildquelle: SRF.
Laut Informationen von SRF Investigativ bat der Ersteller der Fotomontage ChatGPT gar, die zwei Mitarbeitenden «vor eine amerikanische Schule mit vielen Kindern drauf» zu montieren. ChatGPT lehnte den Prompt ab: Er verstosse «möglicherweise gegen unsere Inhaltsrichtlinien». Auch jetzt griff der Sicherheitschef nicht ein. Schrieb stattdessen einen Kommentar zum Bild: «Das mit de Chind got würkli ned 😂»
JuWe erfährt durch SRF Investigativ vom Inhalt des Chats. Es relativiert: Grundlage für den Chat sei eine Fotografie aus einem privaten Schiesskeller, auf der zwei Mitarbeitende ein Sturmgewehr und eine Schrotflinte hielten. Der Austausch sei auf privaten Geräten und ausserhalb behördlicher Kanäle erfolgt. Ausserdem sei «zu keinem Zeitpunkt» eine Waffe auf Menschen gerichtet worden.
Solche Darstellungen sind in unserem beruflichen Kontext unangemessen. Sie entsprechen nicht den Werten, für die wir einstehen (…).
Dennoch sei für JuWe und das MZU klar: «Solche Darstellungen sind in unserem beruflichen Kontext unangemessen. Sie entsprechen nicht den Werten, für die wir einstehen – gerade in einem Arbeitsumfeld, das von Verantwortung im Umgang mit Sicherheit und Gewalt geprägt ist.»
Man habe die Angelegenheit mit den involvierten Mitarbeitenden aufgearbeitet und dabei «sehr deutlich festgehalten, dass diese Bildsprache mit den Anforderungen an unseren Auftrag nicht vereinbar ist».
Der neue Leiter des Sicherheitsdienstes hat die Chat-Inhalte nicht unterbunden, das zeigen Belege, die SRF Investigativ vorliegen. Ist er unter diesen Umständen noch tragbar? Das zuständige Amt schreibt: «Darüber können wir aus personalrechtlichen Gründen keine Auskunft geben.»
MZU-Direktor Carmelo Campanello und der Sicherheitschef äussern sich nicht zu den Vorwürfen, sie stehen laut JuWe hinter der Stellungnahme des Amts.