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Milchschwemme und Butterberg Zu viel Milch: Freiburg will seine Milchbauern retten

Die Milchbranche kämpft mit grossen Herausforderungen. Der Kanton Freiburg ergreift Massnahmen, um seine Milchbauern zu retten und weiterhin ein grosser Player in de Branche zu sein.

Im Kanton Freiburg leben nur 3 Prozent der Schweizer Bevölkerung, aber aus dem Kanton Freiburg kommen 10 Prozent der gesamten Milch, die im Land produziert wird. Freiburg ist einer der grössten Milchproduzenten-Kantone und will es auch bleiben. Dazu ergreift er nun diverse Massnahmen, denn der Milchbranche geht es nicht gut.

Offener Edelstahltank mit Flüssigkeit.
Legende: Der Grossteil der Milch, die im Kanton Freiburg produziert wird, wird zu Käse verarbeitet – zu Gruyère AOP oder Vacherin Fribourgeois AOP. KEYSTONE/Gaetan Bally

Ein grosses Problem ist, dass derzeit zu viel Milch produziert wird. Laut Branchenorganisation Swissmilk sind die Wetterbedingungen im letzten Sommer ein Grund dafür: Die Kühe erhielten mehr und besseres Futter und produzierten entsprechend mehr Milch. So viel, dass die Lager für Butter und Milchpulver gefüllt wurden. Als Massnahme wurde der Milchpreis gesenkt, damit die Schweizer Milch nicht noch teurer wird, als die Milch aus dem Ausland. Denn auch dort wird mehr Milch produziert, als konsumiert wird.

Weniger Milch nach tieferen Preisen

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Aufgrund der Milchschwemme wurden auch die Preise für die Milch der Produzierenden in der Zentralschweiz gesenkt. Sie dürfen seit Februar nur noch eine gewisse Menge Milch an die Molkerei Emmi liefern. Für alles, was drüber ist, erhalten sie nur noch 15 statt 70 Rappen, hat die Genossenschaft entschieden.

«Es tut weh», «es ist schlecht», «das gab mir Einbussen von bis zu 7000 Franken im Monat», sagten die Produzenten diese Woche an ihrer Genossenschaftsversammlung.

Die Preissenkung tat ihre Wirkung, erklärt Pirmin Furrer, Geschäftsleiter der Zentralschweizer Milchproduzenten. Es wurde deutlich weniger Milch produziert: «Im Januar lagen wir noch 7.7 Prozent über der Vorjahresproduktion, im Februar 5.7 und im März 3 Prozent.»

Die Branche geht davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage bald wieder ausgleichen werden. Der Kanton Freiburg sieht jedoch weitere Probleme auf sich zukommen. So geht der Milchbranche in Freiburg etwa der Nachwuchs aus.

Ein Drittel braucht Nachfolge

Die Betreiberinnen und Betreiber der Milchbetriebe im Kanton sind nicht mehr die Jüngsten, sagt Jean-Charles Philipona vom Landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Grangeneuve im Kanton Freiburg: «Über ein Drittel von ihnen ist 55 Jahre alt oder älter.» Sie werden also bald jemanden brauchen, der den Betrieb übernimmt.

Milchwirtschaft soll wichtiges Standbein in Freiburg bleiben

Yves Nicolet vom Freiburger Milchverband sagt jedoch, Kühe zu halten, sei für junge Leute nicht sehr attraktiv: «Man muss früh aufstehen und verdient nicht viel Geld damit. Wir müssen es schaffen, die Jungen zu motivieren.»

Hier kommt der Kanton ins Spiel. Er hat diverse Massnahmen beschlossen, um die Milchwirtschaft zu retten. Denn weniger Milch zu produzieren, sei keine Alternative, zu wichtig sei die Milchproduktion für die Wertschöpfung im Kanton, betont der Landwirtschaftsdirektor Didier Castella.

Und da wolle man investieren, auch wenn die Agrarpolitik in erster Linie in der Verantwortung des Bundes liegt. Konkret geht es um folgende Punkte:

  • Der Kanton Freiburg untersucht, wie die Fütterung effizienter werden kann.
  • Die Gebäude sollen qualitativ besser und nachhaltiger werden. Der Kanton hilft mit einer Projektkoordination.
  • Die Tiere sollen vor Seuchen geschützt werden. Der Kanton entwickelt eine App, um Entzündungen von Eutern gezielter behandeln zu können.
  • Das Arbeiten auf dem Milchviehbetrieb soll attraktiver werden. Freiburg prüft Massnahmen, um die Arbeitsbelastung zu senken.

Zudem will der Kanton helfen, die Übernahme der Bauernhöfe zu gewährleisten. Er organisiert Infotage für junge Landwirtinnen und Landwirte und bietet ihnen Beratungen an.

Person melkt eine Kuh in einem Stall.
Legende: Früh aufstehen und in den Stall: Kuhhaltung ist für viele Junge nicht attraktiv. Der Kanton will das ändern. KEYSTONE/Gaetan Bally

Auch wer etwa einen neuen Stall bauen will, soll umfassend beraten werden: «Wir haben in Grangeneuve sowohl Spezialisten in der Wirtschaft als auch in der Technik», sagt Jean-Charles Philipona. Beide sollen künftig mehr zusammenarbeiten und den jungen Landwirtinnen und Landwirten helfen, damit sie glücklicher im Beruf sind.

Die Massnahmen seien wichtig für den Kanton, betont der Landwirtschaftsdirektor Didier Castella: «Wir sind überzeugt, dass dies ein wichtiger Sektor ist, der auch eine Zukunft hat.» Damit der Kanton Freiburg jener Milchkanton bleibt, der er heute ist.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 13.04.2026, 17:30Uhr ; 

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