Die Interessensgemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld, kurz IG-M!kU, arbeitet an einem nationalen Dachverband, um Opfern zu helfen. Dies kommt aus der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung hervor, dort wurde ein entsprechendes Startkapital einstimmig genehmigt. So soll es derweil auch eine nationale Geschäftsstelle geben.
Welsche, Tessin und Deutschschweiz Hand in Hand
Die Strukturen sollen professioneller werden. Die IG ist als Verein geführt und basiert hauptsächlich auf Freiwilligenarbeit. Missbrauchsopfer rund um die Kirche finden in der ganzen Schweiz durch Vereine wie die IG-M!kU Anlaufstellen – für Gespräche, Beratungen und Unterstützung in psychologischen oder auch rechtlichen Belangen.
Dies soll nun unter einem nationalen Dachverband vereinheitlicht werden. Die IG-M!kU, welche in der Deutschschweiz tätig ist, arbeitet gemeinsam mit der Westschweizer (SAPEC) und der Tessiner Partnerorganisation (GAVA) an dessen Gründung.
Ein gemeinsames Dach, eine professionelle Geschäftsstelle, sei nötig, sagt IG-Präsidentin Vreni Peterer. Sie ist seit drei Jahren im Amt und wurde als Kind selbst von einem Pfarrer sexuell missbraucht.
Die Grenzen der Freiwilligenarbeit haben die drei betroffenen Organisationen überschritten.
Die Not? Dem eigenen Erfolg geschuldet, sagt Peterer: «Wir sind in den letzten Jahren immer bekannter geworden. Immer mehr Betroffene melden sich bei uns. Wir nehmen in mehr Gremien Einsitz, wir bekommen mehr Medienanfragen.»
Die Grenzen der Freiwilligenarbeit seien überschritten, so Peterer weiter. Ausserdem: Ein einheitlicher Auftritt verschaffe den Organisationen mehr Gewicht.
Betreuung der Betroffenen bleibt Freiwilligenarbeit
Momentan läuft die Suche nach einer Leiterin oder einem Leiter für die Geschäftsstelle. Zudem braucht es noch Geld. Dafür startet ein Fundraising. Auch die Landeskirchen und kirchennahe Stiftungen wurden angefragt. Vreni Peterer betont aber: Die IG in ihrer Arbeit bleibe unabhängig.
Das Geld sei für die Geschäftsstelle mit ihren administrativen Aufgaben: «Das ist sehr wichtig, vor allem auch für die Betroffenen. Die werden weiterhin von freiwilligen Personen begleitet und unterstützt.» Sonst könne der Eindruck entstehen, von den Kirchen abhängig zu sein – und Opfer so wieder mit Stellen zu tun haben, die ihr Leid verursacht haben.