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Nach Ausschreitungen in Bern KI-Gesichtserkennung: Die künftige Helferin der Polizei?

Private nutzen bereits Tools zur Gesichtserkennung, die Polizei darf diese hingegen nicht einsetzen. Noch nicht?

Nach Ausschreitungen an einer Berner Pro-Palästina-Demonstration im Oktober suchte die Kantonspolizei Bern 31 Verdächtige mit einer Öffentlichkeitsfahndung: Fotos und Videos wurden zusammengetragen und unverpixelt veröffentlicht. Verschiedene Privatpersonen haben die Bilder daraufhin nach eigenen Angaben bei KI-Gesichtserkennungstools hochgeladen und die Resultate in sozialen Netzwerken publiziert.

Die Krux an der Geschichte: Während die Polizei die Hinweise von Privaten für ihre Ermittlungen auswerten kann, darf sie selbst nicht auf solche KI-Tools zurückgreifen. Konkret ist die automatisierte Gesichtserkennung nicht erlaubt. Hingegen darf die Polizei grundsätzlich jede Art von Hinweisen verwenden.

Mit KI zum Fahndungserfolg

Dabei könnte KI bei schweren Straftaten ein effizienteres Instrument der Strafverfolgungsbehörde werden, sagt der Berner Mitte-Nationalrat Reto Nause: «Wir brauchen künstliche Intelligenz beispielsweise für die Überführung von Straftäterinnen und Straftätern im Zuge von gewalttätigen Kundgebungen.» Nause möchte darum den Einsatz von KI-Tools unter gewissen Bedingungen auf Bundesebene gesetzlich verankern. In der Politik sind verschiedene Vorstösse hängig, welche die KI-Tools für Ermittlungsbehörden rechtlich ermöglichen wollen.

Arbeiter entfernt Graffiti von einer Gebäudewand.
Legende: Bei der unbewilligten Demonstration in Bern kam es zu Ausschreitungen und Verwüstungen. Nun werden Verdächtige mithilfe von unverpixelten Bildern gesucht. KEYSTONE / Peter Klaunzer

Im Ausland gibt es bereits einige Beispiele für erfolgreiche Fahndungen dank KI. So wurde etwa die RAF-Terroristin Daniela Klette nach 30 Jahren gefasst – mitten in Berlin. Zum Fahndungserfolg kam es jedoch nicht durch die Behörden, sondern dank Journalisten, die offenbar innerhalb kurzer Zeit mithilfe alter Fahndungsfotos und einer Software zur Gesichtserkennung aktuellere Bilder von Klette im Internet fanden.

Zwei Seiten der Medaille

Doch der Einsatz von KI birgt auch Risiken. Neben Fragen zum Datenschutz kann die KI auch falsch liegen. Jüngst geschehen in den USA: Die Polizei nutzte in ihren Ermittlungen zu Bankbetrugsfällen unter anderem eine Partneragentur. Diese setzte ihrerseits eine Gesichtserkennungssoftware ein. Die falsche Frau wurde verhaftet. Bis sich die Sache aufklärte, sass sie mehrere Monate im Gefängnis.

Person mit Kapuze und Basecap im Auto sitzend.
Legende: Verdächtige per KI ausfindig machen – das könnte die Polizeiarbeit extrem erleichtern. Doch insbesondere in Europa kommen Bedenken zu Datenschutz und Privatsphäre auf. IMAGO / Addictive Stock (Symbolbild)

Die Gesichtserkennung per KI wurde in der Schweiz schon Ende Oktober, im Nachgang der Demonstration, diskutiert. KI als Helferin der Polizeiarbeit – das stösst auch auf Bedenken. So mahnte etwa SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf im Oktober: «Hier geht es um Grundrechte, das muss ein Gericht, also Menschen beurteilen. Und sicher keine KI.»

Polizeikommandantinnen und Polizeidirektoren sind zurückhaltend

Box aufklappen Box zuklappen

Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandantinnen und -kommandanten, (KKPKS) schreibt auf Anfrage, sie äussere sich vor dem Hintergrund des aktuell laufenden Strafverfahrens im Kanton Bern nicht zum Thema.

Bei der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) sei man dran an der Thematik KI-Einsatz bei der Fahndung: «Die Thematik ist momentan auf fachlicher Ebene in Bearbeitung, eine politische Positionierung durch die KKJPD ist noch nicht erfolgt.»

Justizminister Beat Jans kam 2024 auf die heikle Gratwanderung beim Einsatz von KI zu sprechen. «Unter dem Gesichtspunkt der Verbrechensbekämpfung bietet der Einsatz der Gesichtserkennung klare Vorteile», erklärte er an einer Konferenz zur Regulierung von KI. Aber es gebe eine Kehrseite der Medaille: «Werden wir noch ohne Hintergedanken an einer Demonstration teilnehmen, wenn wir wissen, dass wir jederzeit identifizierbar sind?» Der Einsatz werfe Fragen der Meinungs- und Bewegungsfreiheit auf.

Ob die KI-Suche der Privatpersonen zu Fahndungserfolgen im Fall der Pro-Palästina-Demo geführt hat, ist nicht bekannt. «Wir können nicht beeinflussen, inwiefern die publizierten Bilder von Drittpersonen verwendet werden, beziehungsweise aus welchen Quellen die Hinweise stammen», schreibt die Kantonspolizei Bern.

10vor10, 7.4.2026, 21:50 Uhr ; 

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