Sie sind besonders wichtig für die Abwehr von Spionen, das Ausspähen von Terrorverdächtigen oder die Beobachtung von gewalttätigen Extremisten: Die rund 150 Polizistinnen und Polizisten, die bezahlt und im Auftrag des Bundes in allen Kantonen im Bereich Nachrichtendienst tätig sind. Wichtig, weil sie in ihren jeweiligen Regionen verankert sind. Und damit nahe am Geschehen. Das ist hilfreich, zum Beispiel bei Observationen.
Doch die kantonalen Nachrichtendienstlerinnen und Nachrichtendienstler fühlen sich nicht immer genügend unterstützt vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB). Es zeigen sich noch immer Folgen der lähmenden Umbaujahre beim NDB. Das zeigt die jährliche Umfrage des NDB bei den Kantonen. SRF hat die Resultate für letztes Jahr gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip herausverlangt. Der Totalumbau des NDB hatte zu zahlreichen Kündigungen geführt, Mitarbeitende verunsichert und Kantone frustriert.
«Bescheidene Unterstützung»
Kritische Stimmen gibt es rund um die Unterstützung und den Informationsaustausch. Die Unterstützung durch den NDB sei «nach wie vor auf einem eher bescheidenen Niveau», schreibt etwa die Berner Kantonspolizei in ihrer Rückmeldung an den NDB. Auch aus Zug, Nidwalden, Graubünden oder Freiburg kommen kritische Töne.
Die Nachrichtendienstler in den Kantonen können wie NDB-Mitarbeiterinnen mit Tarnidentitäten unterwegs sein. Auch kann der NDB für sie «falsche» amtliche Ausweise und Dokumente erstellen lassen – zum Beispiel, um eine glaubwürdige Legende für Undercover-Einsätze aufzubauen.
Die Probleme beim NDB aber scheinen sie einzuschränken. Am deutlichsten ist die Kritik aus Genf: Dem NDB fehlten Mittel, und das habe Folgen: «So wird die Eröffnung von Operationen, die den Einsatz zusätzlicher Mittel ermöglichen würden, abgelehnt, auch wenn die gesetzlichen Kriterien dafür erfüllt sind.»
Es geht aufwärts
Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Im Vergleich zum Vorjahr waren die Kantone im letzten Jahr leicht zufriedener mit dem NDB. Ihre Gesamtnote liegt in Schulnoten ausgedrückt bei 4,17. Im Vorjahr betrug sie erst 3,75.
Vor allem gegen Ende des Jahres stellten die Kantone Verbesserungen fest. Im November übernahm Serge Bavaud die Führung des NDB. Sein Vorgänger Christian Dussey war auch wegen der Probleme beim Umbau des NDB zurückgetreten. Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandantinnen und -kommandanten (KKPKS) unterstreicht die Verbesserungen unter Bavaud: «Für eine Gesamtbeurteilung ist es noch zu früh. Aber es ist ein positives Signal, dass der NDB die operative Zusammenarbeit festigen und verbessern will», schreibt die KKPKS auf Anfrage.
Deutlicher Ausbau beim NDB geplant
Auch der NDB verweist auf Massnahmen des neuen Direktors und darauf, dass die Rückmeldungen aus den Kantonen positiver seien als im Vorjahr. Der Nachrichtendienst müsse aber immer noch hart priorisieren und könne nicht alles gleich schnell und intensiv behandeln – auch wenn es die Lage eigentlich erfordere.
Der Bundesrat will auch deshalb den NDB ausbauen und das Personal um rund ein Viertel aufstocken. Dafür aber müssten Parlament und Volk einer Erhöhung der Mehrwertsteuer zustimmen. Zurzeit unterstützt von den Bundesratsparteien einzig die Mitte-Partei diesen Weg.