Die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS beschäftigt die Menschen im In- und Ausland. Unter ihnen ist auch der Gemeindeammann von Untersiggenthal AG. Er liess 2025 ein beliebtes Konzertlokal im Keller der Mehrzweckhalle schliessen, aus Sicherheitsgründen. Ein unpopulärer Entscheid, der sich nach dem tödlichen Brand im Wallis aber als Glücksfall erweise, sagt Gemeindeamman Adrian Hitz.
Im Bierkeller Untersiggenthal gab es jahrzehntelang Konzerte («Live im Chäller»), Fasnachtsanlässe, Jungbürgerfeiern. Das Lokal in Untersiggenthal ist über die Gemeinde mit 7800 Einwohnerinnen und Einwohnern hinaus bekannt.
Gemeindeammann Adrian Hitz erinnert sich an den «Chällergroove». Die Konzerte im Bierkeller seien gerade wegen der Kelleratmosphäre, ohne Fenster, im Untergeschoss, speziell gewesen. Aber: Es gab nur einen Notausgang, die Zugangstür zum Lokal. Im Club hatten rund 80 Personen Platz, sagt der Verein Kulturkreis in Untersiggenthal, der ihn betreibt.
Sicherheit ging vor
«Die Feuerwehr war jeweils anwesend und hielt Feuerwache, wenn viele Leute im Keller waren. Früher dachte man, das reicht», erzählt Gemeindeammann Adrian Hitz. Er habe aber im Frühling 2025 persönlich entschieden, dass im Keller wegen der Brandschutzvorschriften keine Konzerte mehr stattfinden dürften. Er habe mit der Verantwortung nicht umgehen können, so Hitz.
Im Sommer 2025 fiel dann der Entscheid: Nach 30 Jahren Bierkeller ist Schluss. «Die Diskussion über die Schliessung war in mehreren Anläufen im Gemeinderat und in den Vereinen alles andere als populär», erinnert sich Adrian Hitz. Der Gegenwind sei heftig gewesen.
Trotz Gegenwind ein Glück
Im Nachhinein sei er froh, habe er die Sicherheitsvorschriften durchgesetzt. «Sie können sich vorstellen, wie ich erleichtert war, und was mir in den ersten fünf Sekunden in den Sinn gekommen ist, als ich von Crans-Montana gehört habe», erzählt er. «Wir hatten unendliches Glück, dass im Bierkeller nie etwas passiert ist.»
Der eine oder andere Kritiker würde wohl jetzt, nach der Tragödie im Wallis, anders über den Entscheid denken, vermutet Gemeindeammann Hitz.
Die menschliche Tragödie (in Crans-Montana) trifft einen.
Es habe im Keller jahrzehntelang funktioniert, meint Micha Plüss, Präsident des Vereins Kulturkreis in Untersiggenthal, auf Anfrage. Er habe sich beim Club im Keller mit nur einem Notausgang, wenn überhaupt, mehr vor dem Ausbruch einer Massenpanik gefürchtet, als vor einem Brand.
Aber auch er gibt sich nachdenklich: «Die menschliche Tragödie (in Crans-Montana) trifft einen grundsätzlich.» Auch als Verein, der einen Club betreibe, mache man sich Gedanken. Im Laufe der Jahre sei man in Bezug auf Sicherheitsvorschriften sensibilisiert worden. «Wir sind erleichtert, konnten wir den Club umsiedeln, damit er den neusten Brandschutzvorschriften entspricht», sagt er unterdessen.
Happy End für Betreiber und Besucher
Der Bierkeller als Veranstaltungsort wurde nicht aufgelöst, er musste aber ins Obergeschoss umziehen, ins Foyer der ehemaligen Mehrzweckhalle. Diese wurde für den Turnunterricht durch eine Dreifachturnhalle ersetzt.
Der neue Bierkeller heisst «FoYeah», angelehnt ans Wort Foyer. Im September 2025 wurde die Neueröffnung gefeiert. Die Konzerte werden weiterhin vom Kulturverein Untersiggenthal organisiert. Ohne «Chällergroove», dafür mit verbesserter Sicherheit, genügend Notausgängen und Fenstern.