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Inferno in Crans-Montana Wo die Schweiz in Sachen Brandschutz steht

Wenn ein Brand derart viele Opfer fordert, ist beim Brandschutz etwas schiefgelaufen. Doch was? Eine Einordnung.

Die Brandursache: Zwar schliessen die Walliser Untersuchungsbehörden andere Szenarien im «Le Constellation» nicht gänzlich aus. Doch der Fokus der Ermittlungen liegt auf Bengalkerzen, die – auf Champagnerflaschen montiert – die Decke der Bar entflammt haben sollen. Diese These kann Gregor Plett nachvollziehen. Als Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verbandes für Brandschutz- und Sicherheitsfachleute und Leiter der Fachstelle Sicherheit und Brandschutz beim Kanton Basel-Stadt spricht er von einer «katastrophalen Verbindung» aus Feuerwerkskörpern und leicht entflammbarem Material. «Es gibt Akustikschaummatten, die den Brand sogar fördern», betont der Brandschutzexperte.

Decke brennt, darunter Champagnerflaschen mit Wunderkerzen drauf.
Legende: Auch auf kursierenden Videos und Bildern ist zu sehen, wie die Kerzen Schaummatten an der Decke in Brand setzen. Das flüssige und heisse Material tropft danach wie Lava von der Decke herab. Das vorliegende Foto, ein Screenshot von einem Post auf X, ist vom SRF-Faktencheck-Netzwerk als glaubwürdig eingestuft worden. Sreenshot/X

Die Fluchtwege: Dumeng Wehrli, Präsident der Interessengemeinschaft der Brandschutzingenieure Schweiz, weist auf einen weiteren heiklen Punkt hin: «Wenn wir bei bestehenden Gebäuden eine Beratung machen, schauen wir zuerst: Wie sind die Fluchtwege organisiert? Wie ist die Situation der Ausgänge? Wie viele Personen werden sich in dem Raum aufhalten? Dementsprechend schauen wir, dass die Leute relativ rasch und ungehindert fliehen können.» Die Brandermittler klären in den nächsten Tagen und Wochen die Situation der Fluchtwege in der Bar ab.

Diese Vorschriften gelten für Fluchtwege

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Ausgangsschild mit grünem Pfeil nach unten.
Legende: Ein solches Schild signalisiert im Notfall einen Fluchtweg. KEYSTONE/Gaetan Bally

Bei bis zu 50 Personen in einem Raum reicht ein Fluchtausgang. Ab 50 braucht es mindestens zwei. Ab 100 Personen müssen Fluchtwege und Türen breiter werden. Dazu gibt es ein ganzes Regelwerk. Ab 300 Personen kommen zusätzlich technische Vorgaben dazu wie der Einbau von Brandmeldern und Alarmierungssystemen.

Schweizweite Vorschriften: Die Schweiz ist in Sachen Brandschutz eigentlich gut aufgestellt. Vorschriften gelten landesweit, die kantonalen Feuerversicherungen haben die Federführung. Aktuell werden diese Brandschutzvorschriften allerdings überarbeitet. 2027 sollen sie in Kraft treten. Gregor Plett stellt dabei einen Trend fest: hin zu mehr Eigenverantwortung, weg von staatliche Kontrollen. «Der Trend (…) geht in der Tat dahin, noch mehr Verantwortung auf die Eigentümer zu übertragen.» So könnten Eigentümer von bestimmten Gebäudekategorien behördliche Kontrollen und Abnahme durch private Gutachten ersetzen.

Wenn ich jetzt denke, dass man den Brandschutz wegnimmt und das nicht mehr behördlich regelt –, damit hätte ich grosse Schwierigkeiten.
Autor: Gregor Plett Branschutzexperte

Fragwürdige Entwicklung: Mehr Markt, weniger Staat – das besorgt den Brandschutzexperten. «Wenn ich jetzt denke, dass man den Brandschutz wegnimmt und das nicht mehr behördlich regelt –, damit hätte ich grosse Schwierigkeiten. Denn man darf nicht vergessen, dass da ja automatisch der Marktdruck kommt.» Damit würden sich die Verhältnisse ändern. Gerade mit Blick auf die Kantone, wo es heute keine kantonale Gebäudeversicherung gibt und auch kein Obligatorium für eine Gebäude- und Brandversicherung wie im Kanton Wallis, sieht Plett den Trend kritisch.

Ein Umdenken? Noch sind die neuen Vorschriften nicht in Kraft. Und der Brand in Crans-Montana führt möglicherweise wieder zu einem Umdenken – dass Vertrauen wohl gut, Kontrolle aber besser ist. So traurig und tragisch das Ereignis: Beide Brandschutzexperten erhoffen sich, dass die Akzeptanz für Brandschutzvorschriften wieder steigt. Brandschutzingenieur Dumang Wehrli: «Es ist so, es kostet halt, und es schränkt ein. Das ist nicht immer schön. Aber schlussendlich trägt es zur Sicherheit bei.»

Echo der Zeit, 01.01.2026, 18 Uhr ; 

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