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Nachhaltige Gesellschaft «Donut-Ökonomie» soll Gesellschaft radikal verändern

Die Ökonomin Kate Raworth vergleicht unser Wirtschaftssystem mit einem Donut – und erklärt ihr Modell in einer Zirkusshow.

Wenn andere Ökonominnen oder Ökonomen an ein Rednerpult schreiten, tanzt Kate Raworth mit Zylinder und langem Mantel unter Applaus auf die Bühne. Für die einen ist sie ein Star, für die anderen eine Fantastin. Die Ökonomin an der Oxford-Universität hat ihre Theorie an der sogenannten «ClimateWeek» in Zürich vorgestellt und in Szene gesetzt.

Am Tag sei sie Donut-Ökonomin, am Abend werde sie zur Zirkusdirektorin, ruft sie in die Menge. Was das Publikum nun erlebe, sei kein «Circ-me, kein Circ-you, sondern ein Circ-us» – also eine Darbietung, zu der alle Anwesenden beitragen könnten.

Ziel: Auf dem Ring des Donuts leben

Raworth erklärt die «Donut-Ökonomie» folgendermassen: Gegen innen werde der Donut vom sozialen Fundament begrenzt: Im Loch des Donuts fehle es etwa an Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und Nahrung. Niemand dürfe deshalb ins Loch fallen, betont die Professorin-Zirkusdirektorin und fordert das Publikum auf, es ihr nachzusagen.

Gleichzeitig dürfe die Menschheit die sogenannten planetaren Grenzen nicht überschreiten. Dazu gehören der Verlust der Artenvielfalt, der Klimawandel oder die Versauerung der Ozeane. Allerdings sei die Artenvielfalt in den letzten fünfzig Jahren um fast drei Viertel zurückgegangen, gleichzeitig sei immer noch nur ein kleiner Teil der weltweiten Gelder nachhaltig ausgerichtet.

So könnte das Modell umgesetzt werden

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Es gibt weltweit, auch in der Schweiz, unterdessen Unternehmen, Organisationen und auch Gemeinden, die das Konzept der «Donut-Ökonomie» als eine Art Kompass verwenden, um Zusammenhänge zu sehen.

Grundsätzlich müssten Unternehmen weniger auf die Gewinnmaximierung schauen und mehr darauf, was sie beitragen können, damit die Welt innerhalb der Grenzen des Donuts bleibt.

Der Wert der Arbeit von Kate Raworth und der «Donut-Ökonomie» liegt vor allem darin, dass diese eben eindrücklich klar macht, was alles zusammenhängt und welche Folgen Eingriffe in die Natur an vielen anderen Orten haben können.

Das Ziel der Menschheit müsste sein, auf dem Ring des Donuts zu leben – in der Zone also, in der die sozialen Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden, ohne dass die Grenzen der Belastbarkeit der Natur überschritten werden.

Finanzmarkt in der Psychotherapie

In ihrem Zirkus träten deshalb die Natur und der Finanzmarkt gegeneinander an, sagt Kate Raworth und holt zwei Freiwillige auf die Bühne, die prompt verkleidet werden – die gute Mutter Erde ganz in grünen Blättern und der böse Finanzmarkt im schwarzen Anzug mit Zylinder und Taschenrechner.

Mit Schwimmnudeln aus Kunststoff formt Mutter Erde einen Kreis und zeigt damit ihre Kreislauffähigkeit, während der Finanzmarkt die Nudel zu einer steilen Wachstumskurve formt. Die Gegensätze zwischen Natur und Finanzmarkt werden überdeutlich. Der Finanzmarkt ist gierig, Mutter Erde unter Druck. 10 Prozent der Weltbevölkerung besitzen 85 Prozent des Reichtums, sagt Raworth.

Schliesslich sucht die Ökonomin mit dem Publikum nach den Emotionen, die den Finanzmarkt antreiben. Auch diese Emotionen – Gier, Angst und Macht – werden vom Publikum gespielt. In einer Art Psychotherapie regt sie die Emotionen und letztlich den bösen Finanzmarkt zum Nach- und schliesslich zum Umdenken an.

Unterhaltsam und klamaukig

Selten sind Vorträge über Wirtschaftsmodelle so unterhaltsam und interaktiv. Der Donut, um den sich alles dreht, stellt die bestehenden Ungleichgewichte eingängig dar. Mit der Botschaft, dass Verbesserungen möglich sind, wenn alle ihre Talente einbringen, kommt die Ökonomieprofessorin in der Rolle der Zirkusdirektorin sehr gut an.

Verschiedene Donuts auf pinkem Hintergrund.
Legende: Kate Raworth vergleicht unser Wirtschaftssystem mit einem Donut – einem dieser süssen, frittierten Ringe aus Hefeteig, die meist glasiert und mit Streuseln dekoriert sind. imago images

Der Versuch, den Finanzmarkt in einer Art Psychotherapie zu heilen, wirkt schliesslich ein bisschen zu einfach und klamaukig. Einige Ökonominnen und Ökonomen kritisieren zudem, dass das Modell wirtschaftliches Wachstum sehr kritisch sieht. Dieses gilt für viele nach wie vor als der Weg zu mehr Wohlstand. Bemängelt wird auch, dass das Modell vor allem Ziele definiert, aber keine klare Strategie, wie diese erreicht werden könnten.

Rendez-vous, 5.5.2026, 12:30 Uhr; bitd;brus

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