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Neue Trendsportart Rennvelofahren ist bei Frauen zum Lifestyle geworden

Das «Gümmele» war die Midlife-Crisis-Sportart für Männer. Nun hat sich das Image des Rennradfahrens gewandelt.

Bei strömendem Regen radeln die jungen Frauen von «Donne-Rides» unbeirrt den Berg hoch. Alle zwei Wochen treten begnadete Rennradfahrerinnen und motivierte Anfängerinnen gemeinsam in die Pedale. Der Clou: Nur Frauen dürfen bei den von Gruppetto organisierten «Donne-Rides» teilnehmen.

Wir verkaufen jedes zweite Rennrad oder Gravelbike an eine Frau.
Autor: Thomas Binggeli Geschäftsführer und Testfahrer bei Thömus

Immer mehr Frauen steigen aufs Rennvelo – ein Trend, den auch die Velohersteller bemerken. Thomas Binggeli, Geschäftsführer und Testfahrer bei der Schweizer Velo-Manufaktur Thömus, verkauft jedes zweite Rennvelo oder Gravelbike an eine Frau. Noch vor einigen Jahren sei das anders gewesen. «Früher waren es hauptsächlich Männer, die Rennräder kauften. Jetzt überreden viele Frauen ihre Partner, mit ihnen Velo fahren zu gehen.»

Weisser Veloschuh auf Asphalt mit Rennrad-Veloreifen im Hintergrund.
Legende: Immer mehr Velomarken erweitern ihr Sortiment. Mittlerweile gibt es eine grosse Auswahl an Ausrüstung und Velomodellen spezifisch für Frauen. SRF

Das gesteigerte Interesse schlägt sich auch in den Zahlen der Verkaufsstatistik von 2025 von Velosuisse nieder. Insbesondere Rennvelos und Gravelbikes sind im Aufwind. Das Segment der Rennvelos verzeichnete eine Zunahme um 9 Prozent, das der Radquer- und Gravelbikes sogar um 34 Prozent. Während der Verkauf von E-Velos leicht abgenommen hat, verdoppelte sich der Verkauf von E-Gravelbikes.

Erstaunlich ist, dass Händler 2025 insgesamt sieben Prozent weniger Velos einkauften als im Vorjahr. Grund dafür sei der Veloboom während der Corona-Pandemie, sagt Martin Platter von der Schweizerischen Fachstelle Velo und E-Bike. Damals hatten die Händler wegen der grossen Nachfrage mehr Velos als sonst bestellt. Da die Lieferzeiten jeweils bis zu zwei Jahre betragen, waren die Lager der Velohändler wegen der Pandemie-Nachwirkungen zum Teil noch bis letztes Jahr gefüllt. Dadurch sei eine Übersättigung entstanden, infolge derer weniger neue Velos bestellt werden mussten. Die Verkaufszahlen seien in den letzten Jahren aber einigermassen stabil gewesen.

Mehr Bewegung und Gesundheit im Zentrum

Für den Rennvelo-Trend gibt es mehrere Gründe. Frauen sind im professionellen Radsport sichtbarer geworden; immer mehr Rennen werden übertragen. Sowohl Profi- als auch Hobbyfahrerinnen sind präsent in den sozialen Medien. «Das Rennradfahren, ob in Gruppen oder allein, ist bei Frauen zum Lifestyle geworden», sagt Binggeli. Dahinter steckt auch ein modischer Aspekt, der mit dem allgemeinen Fitnesstrend zusammenhängt. Das bestätigt Nora Bataillard, die als Guide die «Donne-Rides» begleitet: «Menschen möchten gesünder sein und sich mehr bewegen.»

Man braucht nur einen Helm und Motivation.
Autor: Nora Bataillard Guide bei «Donne-Rides»

Diese Entwicklungen widerspiegeln sich im Velomarkt. «Es gibt immer mehr Frauenmodelle und technisch verbesserte Velos, die auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden können», sagt Binggeli. Neuere Rennräder sind leichter, verfügen über komfortablere Sitze und Lenker oder weniger strenge Schaltungen. Der Einstieg ist dadurch einfacher als bei Segmenten wie dem Mountainbike, das viel technisches Know-how voraussetzt.

Schweizer Rennrad-Influencerin Deby Brunold

Auch die «Donne-Rides» bieten einen niederschwelligen Zugang zur Trendsportart. Einige der Teilnehmerinnen sitzen zum ersten Mal auf einem Rennrad – mit ausgeliehenem Material. «Man braucht nur einen Helm und Motivation, dann ist man dabei», sagt Bataillard. Dass nur Frauen mitfahren dürfen, sei wichtig. «Dadurch entsteht ein Safe Space. Wir achten auf die Bedürfnisse jeder Einzelnen und fahren niemandem davon.»

Tagesschau, 10.5.2026, 19:30 Uhr

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