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Neuer Gestaltungsplan Das Lavaux als Unesco-Weltkulturerbe – Fluch oder Segen?

Das Weinbaugebiet gehört zu den schönsten Orten der Schweiz. Doch wie viel soll man davon schützen – und was verändern?

Die Fahrt von Cully am Genfersee durch die Rebhänge hinauf nach Epesses ist eine Fahrt in eine Postkartenidylle. Das pittoreske Epesses ist eine der bekanntesten Ortschaften des Lavaux. Die Häuser sind eng zusammengebaut. Die Hänge fallen steil ab.

Seit über 600 Jahren wohnt hier die Winzerfamilie Duboux. Blaise Duboux führt das Gut in 17. Generation und wohnt direkt am Dorfplatz. Vor Jahrhunderten habe sich dort der Friedhof befunden, erklärt er. Irgendwann wurde er verlegt.

Heute wären solche Veränderungen schwierig. Das weiss auch Duboux. Die Dorfbilder sind streng geschützt. Auch darum wurde das Lavaux 2007 ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.

Neuer Gestaltungsplan verabschiedet

Nach jahrelangem Verhandeln haben sich Winzer, Touristiker, Gemeinden, Bund und Kanton jüngst auf einen neuen Gestaltungsplan geeinigt. Der Plan ist ein Inventar von allem, was das Lavaux speziell macht. Darauf sind alle Häuser, Trockensteinmauern, Wege, Bäche und sogar der felsige Untergrund eingezeichnet.

Im Alltag sei das nicht einfach, sagt Duboux. Natürlich wollten Winzer Mauern abreissen, um den Zugang zu ihren Parzellen zu verbessern. Aber auch kleinste Eingriffe müssten diskutiert und einer Kommission aus Gemeindevertretern vorgelegt werden.

Mann sitzt auf Mauer mit Blick auf Weinberge und Seeufer.
Legende: Blaise Duboux SRF / Philippe Reichen

Die Winzer drängen auf ein Mitspracherecht. Duboux findet, der rigorose Schutz sei gerechtfertigt, denn die Kunst des Mauer- und Rebbaus sei jahrhundertealt. Das müsse man bewahren.

(K)ein zweites Ballenberg

Alain Bouquet, Gemeindepräsident von Chexbres, sieht alles entspannter. Einzelne würden das Lavaux am liebsten unter eine Glocke stellen und es zu einem Ballenberg der Waadt machen, stellt er fest. Doch das Lavaux sei ein Ort, der lebt.

Anders als Duboux sieht Bouquet im Abriss von Mauern kein Tabu. Solange es keine Stützmauern sind, also vertikal verlaufen, und zwei Weinparzellen trennen, die demselben Besitzer gehören. Er findet, Mauern müsse man schützen und pflegen – aber nicht ewig.

Winzerdorf in ländlicher Weinberglandschaft.
Legende: Alain Bouquet ist Gemeindepräsident der idyllischen Gemeinde Chexbres. IMAGO / Depositphotos

Winzer Duboux kann sich den Abriss jeglicher Mauern kaum vorstellen. Dabei schränkt ihn der rigorose Schutz selbst ein.

Um seine Weine länger reifen zu lassen, wollte er auf seinem Anwesen den Keller ausbauen. Oberirdisch darf er es aber nicht vergrössern. Es wäre wohl möglich gewesen, den Keller im Untergrund zu vergrössern. Das koste aber sehr viel Geld.

Statt in den felsigen Untergrund zu bauen, entschied sich Duboux, einen Teil seiner Weine ausserhalb seines Grundstücks zu lagern.

Solarpanels, die dem Dorfbild entsprechen

Dem Eindruck, dass er und andere Winzer im Lavaux alles bewahren wollten, widerspricht Duboux aber. Ein Nachbar renoviert gerade sein Dach und dürfte auch Solarzellen installieren – kein Problem, sagt er. Die Panels müssten richtig ausgerichtet sein und die zugelassene Farbe haben. Der Winzer zeigt auf ein anderes Nachbarhaus. Dieses habe braune Solarpanels. Das passe bestens ins Dorfbild.

Bei den Solarpanels habe man sich auf einen Leitfaden geeinigt, bestätigt Gemeindepräsident Bouquet. Das sei gut so, denn wegen der drohenden Energiekrise könne man im Lavaux dank der Südlage viel Energie produzieren.

Trotzdem hören die Winzer oft den Vorwurf, als Könige des Lavaux jede Entwicklung abzuwürgen. Winzer Duboux sieht das anders. Nicht als König, sondern als Sklave seiner Rebhänge sieht er sich und hat vor allem ein Ziel: das Lavaux seinen Kindern, der 18. Generation, so zu übergeben, wie er es bekommen hat.

Echo der Zeit, 25.03.2026, 18:00 Uhr

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