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Neuer Konflikt mit Brüssel Bundespräsident Parmelin übt heftige Kritik an der EU

Er habe mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen «Klartext» gesprochen, sagt Bundespräsident Guy Parmelin. Die geplante Zollerhöhung für Stahlexporte aus der Schweiz sei «nicht akzeptabel».

Guy Parmelin macht in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF keinen Hehl daraus, dass er über das Verhalten der EU irritiert ist. «Ich bin überrascht, wie es läuft», sagt der Bundespräsident, der Anfang März in Brüssel zusammen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Vertragspaket unterzeichnet hat.

Seither habe die EU gleich in zwei Bereichen Entscheide gefällt, die für die Schweiz gravierende Nachteile hätten, sagt Parmelin.

Er habe deshalb mit von der Leyen Anfang Mai am Rande des Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft in der armenischen Hauptstadt Eriwan «Klartext» gesprochen.

Höhere Zölle auf Stahlexporte

Verärgert ist der Bundespräsident zum einen über den Entscheid, die Schweiz nicht von geplanten Schutzmassnahmen der EU für ihren Stahlsektor auszunehmen. Für die Schweizer Stahlindustrie würde dies bedeuten, dass sie ab 1. Juli einen Zoll in der Höhe von 50 Prozent statt wie bisher 25 Prozent für Stahllieferungen in die EU bezahlen müsste, die ein bestimmtes Kontingent überschreiten. Der Dachverband der Schweizer Stahlindustrie «metal.suisse» schreibt, dass dies einem «Exportverbot» gleichkomme und den Schweizer Stahlwerken «das Genick brechen» könne.

Parmelin am Rednerpult
Legende: Guy Parmelin wirft der EU vor, gegen eine gemeinsame Abmachung zu verstossen. KEYSTONE / Peter Klaunzer

Was die EU vorhabe, sei «nicht akzeptabel für die Schweiz», hält Parmelin fest. Er habe von der Leyen gewarnt, dass der Entscheid für die EU «kontraproduktiv» sein könnte. «Passen Sie auf, weil es kann für Sie auch ein Eigentor werden, was Sie machen», habe er ihr gesagt. Denn die Schweiz liefere speziellen Stahl für Raumfahrtkomponenten in die EU.

Die Schweiz wolle nun Verhandlungen führen, um einen «Kompromiss» zu finden, gibt Parmelin bekannt. Die EU sagt, solche müssten im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO stattfinden. «Wir können auch sagen, okay, wenn es nicht akzeptabel ist, was Sie uns offerieren, wollen wir eine Kompensation in anderen Bereichen», sagt der Bundespräsident dazu. Wo, sagt er noch nicht: «Aber ich habe gewisse Ideen».

Diskussionen über Personenfreizügigkeit

Inakzeptabel findet Parmelin zudem, dass die EU mit einer Verordnungsänderung die Schweiz zwingen will, Arbeitslosen­entschädigungen für Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus der EU, die in der Schweiz ihre Stelle verlieren, künftig vollumfänglich zu bezahlen. Dies könnte die Schweiz pro Jahr 600 bis 900 Millionen Franken zusätzlich kosten, schätzt das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Parmelin stellt «harte Diskussionen» mit der EU zum Abkommen über die Personenfreizügigkeit in Aussicht.

Während das Paket im Parlament diskutiert wird und solange die Schweizer Bevölkerung noch nicht entschieden hat, haben wir abgemacht, dass wir keine solchen Unsicherheiten schaffen.
Autor: Guy Parmelin Bundespräsident

Er weist darauf hin, dass das geplante Vertragspaket mit der EU derzeit vom Schweizer Parlament beraten werde. Parallel dazu schaffe die EU jetzt gleich in zwei Bereichen massive Probleme für die Schweiz.

Nach Ansicht des Bundespräsidenten verstösst die EU damit auch gegen den «Modus vivendi», den Brüssel mit der Schweiz vereinbart habe. «Während das Paket im Parlament diskutiert wird und solange die Schweizer Bevölkerung noch nicht entschieden hat, haben wir abgemacht, dass wir keine solchen Unsicherheiten schaffen», ruft Parmelin in Erinnerung: «Und jetzt haben wir innert kurzer Zeit zwei heikle Fragen, die kommen». Das sei halt «EU-Politik», stellt der Schweizer Bundespräsident fest. «Aber vielleicht ist der Moment dafür nicht so gut.»

Die Erklärung zwischen der Schweiz und der EU

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Beim «Modus Vivendi», den Bundespräsident Guy Parmelin erwähnt, handelt es sich um eine «gemeinsame Erklärung», die der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis und EU-Kommissar Maroš Šefčovič am 24. Juni des letzten Jahres in Brüssel unterzeichnet haben.

Sie regelt die Modalitäten der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU, bis das ausgehandelte Vertragspaket in Kraft treten kann.

So werden nicht nur die Sachbereiche aufgezählt, in denen die beiden Vertragspartner in dieser Phase ihre Kooperation ausbauen wollen. Die Erklärung enthält auch einige grundsätzliche Feststellungen. So bekennen sich die EU und die Schweiz zu einem «reibungslosen Funktionieren» ihrer Partnerschaft. Konkret wird festgehalten: «Die Schweiz und die Europäische Union sollten eng und nach Treu und Glauben zusammenarbeiten, um das gute Funktionieren der bestehenden bilateralen Abkommen in den Bereichen betreffend den Binnenmarkt, an denen die Schweiz teilnimmt, sicherzustellen.»

Samstagsrundschau, 16.05.2026, 11:30 Uhr;schn

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