Diesen Sommer sieht man es oft auf der Strasse und an Festen und Openairs, öfter als früher, das lange fast vergessene Utensil, mit dem man sich die Hitze etwas angenehmer machen kann: Fächer. Sie erleben zurzeit einen Aufschwung.
Fächer als Werbeträger und Geschenkartikel
Diese Wahrnehmung bestätigt auch ein Experte für Fächer, David Johannes Ranftl. Ranftl ist Kurator des Fächermuseums in Bielefeld in Deutschland, dem einzigen Museum für Fächer, das es im deutschsprachigen Raum gibt. «Dass im öffentlichen Raum viel mehr Fächer zu sehen sind, hat schlicht und einfach mit der Hitze zu tun», sagt er.
«Fächer sind nachhaltig, sie brauchen keine Batterie und sie fungieren auch als Werbeträger mit Firmenlogos und als Geschenkartikel.»
Teure, handgefertigte Fächer gibt es bis heute, zum Beispiel in der Haute Couture. Aber anders als in früheren Jahrhunderten sind Fächer an sich kein Statussymbol mehr: «Die Spanne geht vom Wegwerfprodukt für einem Franken bis zum handgemachten Fächer von Künstlern im Hochpreissegment.»
Ein Blick in die Geschichte des Fächers zeigt, dass das Bedürfnis, sich Luft zuzufächeln oder zufächeln zu lassen, alt ist, sehr alt, vielleicht kann man diesbezüglich gar von einem Urbedürfnis der Menschen sprechen. Je nach Kultur wurden Fächer früher auch für zeremonielle Zwecke, zum Tanzen und fürs Feuermachen benutzt.
Fächer heute, im 19. Jahrhundert und im Alten Agypten
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Bild 1 von 5. Etwa am Openair St. Gallen 2026 war Fächern angesagt. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller .
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Bild 2 von 5. Auch am Jodlerfest in Basel: Fächern gegen die Bruthitze. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 3 von 5. Auch beim Tennis- Openair in Wimbledon muss die Hitze weggefächelt werden. Bildquelle: Getty Images/James Fearn.
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Bild 4 von 5. Das Schloss Chilllon am Genfersee auf einem Fächer aus den 1830-1840-Jahren. Aquarell-Lithografie auf Karton mit Holzgriff (im Civico Museo Sartorio in Triest). Bildquelle: Getty Images/De Agostini.
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Bild 5 von 5. Darstellung aus bemaltem Holz aus dem alten Ägypten, 2200 und 1800 v. Chr.: Ein Diener oder ein Sklave kühlt vermutlich eine Speise mit einem Fächer. Die Statue ist im British Museum in London ausgestellt. Bildquelle: Imago/Heritage Images.
Erhaltene antike Skulpturen oder die Fächer selbst belegen, wie Naturfächer aus Palm- oder Lotusblättern sowie gebundene Fächer aus Materialien wie Federn, Stroh, Holz, Stoff und in neuer Zeit auch Plastik genutzt wurden. «Es gibt eigentlich kaum ein anderes Accessoire, in dem sich die stilistischen Entwicklungen und die verschiedenen Materialien der jeweiligen Zeit so widergespiegelt haben wie im Fächer. Es waren faltbare Bildträger, die man mit sich herumtrug.»
Keine geschlechtsspezifische Komponente
In der Schweiz werden Fächer gegenwärtig als ein Utensil für Frauen betrachtet, doch das war nicht immer und nicht überall so, wie Ranftl sagt.
Am französischen Hof war man im 18. Jahrhundert sehr modeaffin, und in Mode war eben der Fächer.
In Asien, wo der Fächer herkommt, wurden Fächer für Teezeremonien eingesetzt, und es war selbstverständlich, dass beide Geschlechter sie nutzten.
Auch in Europa war der Fächer recht lange nicht streng geschlechtsspezifisch zugeordnet, wie der Experte sagt. «Am französischen Hof war man im 18. Jahrhundert sehr modeaffin, und in Mode war eben der Fächer».
Selbst in Inventaren von Staatsmännern und Standesherren aus dem 18. Jahrhundert finden sich neben Schnupftabakdosen und Waffen auch Fächer, wie zum Beispiel beim Grafen Heinrich von Brühl von Sachsen im 18. Jahrhundert. «Ihm sagt man nach, er sei prunksüchtig gewesen. Er besass perlmuttbesetzte Fächer», sagt Ranftl.
Fächer als Flirtinstrument
Heute noch wird der Fächer häufig zum Kokettieren, also zum Flirten zwischen den Geschlechtern, eingesetzt. «In der höfischen Kultur hat sich eine sogenannte Fächersprache entwickelt. Sie wurde zur nonverbalen Kommunikation genutzt», wie der Experte sagt.
Man habe mit dem Fächer gewisse Gesten gemacht, die nicht für alle verständlich gewesen seien, und habe so den Fächer als Flirtinstrument genutzt.
Ranftl geht nicht davon aus, dass diese Codierungen breiter bekannt gewesen seien, wie dies manchmal dargestellt wird. Verstanden worden seien die Fächergesten jeweils nur in einem beschränkten Kreis von Leuten, zum Beispiel zwischen einem Liebespaar.