Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Neuer Modetrend Wo Hitze ist, ist häufig auch ein Fächer

Auffallend viel häufiger als früher wird in diesem Sommer gefächert. Fächer sind Accessoires mit viel Aussage.

Diesen Sommer sieht man es oft auf der Strasse und an Festen und Openairs, öfter als früher, das lange fast vergessene Utensil, mit dem man sich die Hitze etwas angenehmer machen kann: Fächer. Sie erleben zurzeit einen Aufschwung.

Fächer als Werbeträger und Geschenkartikel

Diese Wahrnehmung bestätigt auch ein Experte für Fächer, David Johannes Ranftl. Ranftl ist Kurator des Fächermuseums in Bielefeld in Deutschland, dem einzigen Museum für Fächer, das es im deutschsprachigen Raum gibt. «Dass im öffentlichen Raum viel mehr Fächer zu sehen sind, hat schlicht und einfach mit der Hitze zu tun», sagt er.

«Fächer sind nachhaltig, sie brauchen keine Batterie und sie fungieren auch als Werbeträger mit Firmenlogos und als Geschenkartikel.»

Teure, handgefertigte Fächer gibt es bis heute, zum Beispiel in der Haute Couture. Aber anders als in früheren Jahrhunderten sind Fächer an sich kein Statussymbol mehr: «Die Spanne geht vom Wegwerfprodukt für einem Franken bis zum handgemachten Fächer von Künstlern im Hochpreissegment.»

Person mit Strohhut und Fächer in traditioneller Kleidung.
Legende: Am Jodlerfest in Basel wurden auffallend mehr Fächer gesichtet als in früheren Jahren. Keystone/Urs Flüeler

Ein Blick in die Geschichte des Fächers zeigt, dass das Bedürfnis, sich Luft zuzufächeln oder zufächeln zu lassen, alt ist, sehr alt, vielleicht kann man diesbezüglich gar von einem Urbedürfnis der Menschen sprechen. Je nach Kultur wurden Fächer früher auch für zeremonielle Zwecke, zum Tanzen und fürs Feuermachen benutzt.

Fächer heute, im 19. Jahrhundert und im Alten Agypten

Erhaltene antike Skulpturen oder die Fächer selbst belegen, wie Naturfächer aus Palm- oder Lotusblättern sowie gebundene Fächer aus Materialien wie Federn, Stroh, Holz, Stoff und in neuer Zeit auch Plastik genutzt wurden. «Es gibt eigentlich kaum ein anderes Accessoire, in dem sich die stilistischen Entwicklungen und die verschiedenen Materialien der jeweiligen Zeit so widergespiegelt haben wie im Fächer. Es waren faltbare Bildträger, die man mit sich herumtrug.»

Keine geschlechtsspezifische Komponente

In der Schweiz werden Fächer gegenwärtig als ein Utensil für Frauen betrachtet, doch das war nicht immer und nicht überall so, wie Ranftl sagt.

Am französischen Hof war man im 18. Jahrhundert sehr modeaffin, und in Mode war eben der Fächer.
Autor: David Johannes Ranftl Kurator am Fächermuseum in Bielefeld, Deutschland

In Asien, wo der Fächer herkommt, wurden Fächer für Teezeremonien eingesetzt, und es war selbstverständlich, dass beide Geschlechter sie nutzten.

Auch in Europa war der Fächer recht lange nicht streng geschlechtsspezifisch zugeordnet, wie der Experte sagt. «Am französischen Hof war man im 18. Jahrhundert sehr modeaffin, und in Mode war eben der Fächer».

Herkunft der Faltfächer

Box aufklappen Box zuklappen

Die bei uns wohl bekannteste Art der Fächer sind die Faltfächer. Sie stammen aus Japan und China und wurden ursprünglich bei zeremoniellen Anlässen genutzt. Sie gelangten über die Seidenstrasse und die Seefahrer in der frühen Neuzeit nach Europa, wo sie kulturell angepasst wurden. Ein Beispiel dafür ist der spanische Albanico (dt. Fächer), der zum Flamencotanzen benutzt wird.

Selbst in Inventaren von Staatsmännern und Standesherren aus dem 18. Jahrhundert finden sich neben Schnupftabakdosen und Waffen auch Fächer, wie zum Beispiel beim Grafen Heinrich von Brühl von Sachsen im 18. Jahrhundert. «Ihm sagt man nach, er sei prunksüchtig gewesen. Er besass perlmuttbesetzte Fächer», sagt Ranftl.

Fächer als Flirtinstrument

Heute noch wird der Fächer häufig zum Kokettieren, also zum Flirten zwischen den Geschlechtern, eingesetzt. «In der höfischen Kultur hat sich eine sogenannte Fächersprache entwickelt. Sie wurde zur nonverbalen Kommunikation genutzt», wie der Experte sagt.

David Johannes Ranftl

Experte für Fächer

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Der Kunsthistoriker MA David Johannes Ranftl hat sein Studium mit einer Arbeit zum Thema Fächer abgeschlossen. Er arbeitet als Experte für Möbel und objet d'art im Kunsthandel und ist Kurator des Deutschen Fächermuseums in Bielefeld, Deutschland.

Man habe mit dem Fächer gewisse Gesten gemacht, die nicht für alle verständlich gewesen seien, und habe so den Fächer als Flirtinstrument genutzt.

Ranftl geht nicht davon aus, dass diese Codierungen breiter bekannt gewesen seien, wie dies manchmal dargestellt wird. Verstanden worden seien die Fächergesten jeweils nur in einem beschränkten Kreis von Leuten, zum Beispiel zwischen einem Liebespaar.

Diskutieren Sie mit:

SRF 4 News, 29.06.2026, 16:24 Uhr; noes ; 

Meistgelesene Artikel