Seit fünf Monaten ist Pascal Grieder Chef der Post und steht unter Druck. Die Folgen des Iran-Kriegs verteuern die Logistik und das tragische Postauto-Unglück von Kerzers forderte ihn schon in seinen ersten Monaten. Ausserdem: Grieder spricht über Eigenarten an der Spitze.
SRF: Ihr Amt begann mit der Postauto-Tragödie von Kerzers, bei der sechs Menschen starben. Welche Anpassungen haben Sie nach dem Unglück vorgenommen?
Pascal Grieder: Wir haben vor allem bei den Schulungen nachgedoppelt, gerade wenn es um Brände im Fahrzeug geht. Wir haben diese ausgebaut und intensiviert, um für solche Fälle möglichst optimal gewappnet zu sein. Die Resultate der offiziellen Untersuchung warten wir aber ab. Sollten daraus neue Erkenntnisse folgen, werden wir diese umsetzen.
Auch der Iran-Krieg hat Folgen für die Post. Wo spüren Sie die verteuerten Treibstoffpreise?
Bei der Brief- und Paketzustellung sind wir durch die fortgeschrittene Elektrifizierung kaum betroffen, und bei den Postautos sind die Dieselpreise zu einem guten Teil vertraglich abgesichert. Wo wir es aber voll spüren, ist in der restlichen Logistik, also bei den schweren Lastwagen, die Paletten und Fracht transportieren. Da sind wir den Preisschwankungen ausgesetzt. Das erhöht den Kostendruck und führt bei der Güterlogistik zu Preiserhöhungen.
Wir haben in der Schweiz, kaufkraftbereinigt, den billigsten Brief in ganz Europa.
Die Post steht wirtschaftlich unter Druck. Sie kündigen weitere Preiserhöhungen an. Was wird teurer und wie stark?
Man muss sehen: Wir haben in der Schweiz, kaufkraftbereinigt, den billigsten Brief in ganz Europa. Unsere Preise sind also sehr attraktiv. Aber die sinkenden Briefmengen setzen die Profitabilität unter Druck. Perspektivisch werden wir deshalb sowohl bei den Briefmarken als auch bei den Paketen die Preise anpassen müssen. Wie stark, kann ich noch nicht sagen. Wir sind dazu in engem Austausch mit dem Preisüberwacher und werden das Ergebnis dieses Dialogs abwarten.
Sie haben vor ein paar Jahren gesagt, CEOs seien «überdurchschnittlich merkwürdig». Was ist an Ihnen merkwürdig?
Ich stehe zu hundert Prozent zu dieser Aussage. Meine Analyse dahinter ist: Wir sind soziale Wesen. Schon in der Schule lernen wir, uns zu integrieren, uns anzupassen, konform zu sein. Je höher man aber in einer Hierarchie klettert, desto weniger ist diese Anpassung notwendig. Das Umfeld passt sich mehr einem selbst an. Dadurch kann man mehr so sein, wie man wirklich ist. Das führt dazu, dass man Eigenarten, die man vorher vielleicht eher zurückgehalten hat, plötzlich auslebt. Das ist aber weder gut noch schlecht gemeint, es ist einfach eine Beobachtung. Merkwürdig zu sein, ist ja nicht immer etwas Schlechtes.
Und wo sind Sie als Post-Chef merkwürdig?
Vielleicht darin, dass ich mich nicht immer politisch korrekt ausdrücke.
Das Gespräch führte David Karasek.