Skitouren in abgelegenen Alpentälern. Unbekannte Wanderungen in den Alpen. Oder spontane Tagesausflüge am freien Tag. Wer kein Auto hat, ist dafür auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Mit Zug und Bus eine Reise zu planen, ist mit den herkömmlichen Fahrplan-Tools aber nicht immer ganz einfach.
Dieser Meinung ist zumindest der Freiburger Ingenieur Aubry Cholleton. Wer genau wisse, wohin er will, für den sei der SBB-Fahrplan ausreichend. Er entdecke aber gerne neue Orte. Mit dem klassischen SBB-Fahrplan sei das fast nicht möglich. «Manche Ziele scheinen auf einer Landkarte sehr nah. Ohne Auto sind sie aber oft fast nicht zu erreichen», sagt Cholleton.
Wie ein Fahrplan – nur umgekehrt
Er hat deshalb kurzerhand ein eigenes Tool entwickelt, das genau seinem Bedürfnis entspricht: isochrone.ch. Auf einer Karte gibt man dort den Ort an, an dem man startet. Man stellt ein, wie lange man maximal reisen und wie oft man umsteigen will. Dann zeigt die Karte alle Orte an, die man mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann.
«Es ist quasi der umgekehrte Ansatz im Vergleich zum klassischen Onlinefahrplan», erklärt Cholleton. Anstatt den Zielort festzulegen, um zu schauen, wie lange die Reise dauert, legt man die Dauer fest und schaut, wo man überall hin könnte. Er selber habe so schon verschiedene neue Orte und schöne Ausflüge entdeckt.
«Ein Vorteil ist, dass im Tool auch saisonale Angebote integriert sind», sagt Cholleton. Zum Beispiel Skitourenbusse in abgelegenen Gebieten, die nur im Winter fahren. Wer diese Linien nicht kenne, finde sie im klassischen Onlinefahrplan fast nicht. Auf seiner Karte seien sie dagegen auf den ersten Blick ersichtlich.
Ein Herzensprojekt, das noch nicht fertig ist
Aubry Cholleton hat schon viele Stunden Arbeit in das Projekt investiert. Er arbeitet 80 Prozent als Software-Ingenieur bei «Fairtiq». Die restlichen 20 Prozent habe er in den letzten Monaten in Isochrone investiert. Geld verdient er damit nicht. «Für mich ist es eine Mission, den ÖV besser zu machen», sagt er. Ausserdem brauche er das Tool für sich selbst, deshalb investiere er die Zeit gerne.
Das Tool ist nach dem Open-Source-Prinzip programmiert. Das heisst, Aufbau und Programmierung sind öffentlich. Andere Entwicklerinnen und Entwickler können das Tool kopieren und weiterentwickeln. Und auch Cholleton will weiter an seinem Projekt arbeiten und es verbessern.
Künftig soll es zum Beispiel auch möglich sein, nicht nur ÖV-Haltestellen zu suchen, sondern auch Sehenswürdigkeiten, Museen oder Skistationen.