Die SBB hat ihre Störungskonzepte für die vielbefahrene Neubaustrecke zwischen Olten und Bern angepasst. Das bedeutet: Deutlich verspätete Züge werden öfter in einem Bahnhof angehalten und warten den nächsten Taktschritt ab – in der Regel die nächste halbe Stunde – und versuchen erst gar nicht mehr, die Verspätung noch aufzuholen.
Beim Halbstundentakt verkehrt die um einige Minuten verspätete Verbindung in der Folge eine halbe Stunde später weiter auf der vorgesehenen Strecke. Mit Folgen für die betroffenen Reisenden: Anstatt der überschaubaren, aufgelaufenen Verspätung, die sich womöglich bis zum Zielort wieder aufholen liesse, vergrössert sich ihre Verspätung noch zusätzlich.
Verspätungen «isolieren»
Für alle anderen sei das neue Störungsmanagement aber ein Vorteil, heisst es von der SBB. Denn dank Ersatzzügen stehe allen Reisenden, die nicht im verspäteten Zug unterwegs sind, eine pünktliche Verbindung zur Verfügung. Die SBB spricht von einer «Isolation» der Verspätung.
Die entstandene Verspätung wird so nicht in andere Regionen übertragen. An stark befahrenen Stellen im Schweizer Bahnnetz können einzelne importierte Verspätungen rasch grosse Auswirkungen haben – etwa zwischen Zürich und Winterthur oder zwischen Lausanne und Genf.
Das Vorgehen wird laut SBB grundsätzlich schweizweit angewandt, abhängig von den lokalen Konzepten für Störungsfälle. Ende 2024 sei das Konzept angepasst worden, das bei Störungen auf der viel befahrenen Neubaustrecke zwischen Olten und Bern zur Anwendung kommt.
Pünktlichkeit hat sich im letzten Jahr verbessert
Tatsächlich war die SBB im vergangenen Jahr insgesamt pünktlicher unterwegs als im Jahr zuvor. 94.1 Prozent der Züge im Personenverkehr sind nach Angaben der Bahn pünktlich angekommen. Das sind 0.9 Prozentpunkte mehr als noch 2024. Die SBB führt die Verbesserung auch auf das angepasste Störungskonzept zurück.
Als pünktlich gilt ein Zug bei der SBB, wenn er den Zielort mit weniger als drei Minuten Verspätung erreicht.
Verspätete Züge werden umgeplant
In einigen Fällen verkehren die Züge nach dem Abwarten des nächsten Taktschritts nicht mehr auf der gleichen Linie wie zuvor. Ein Intercity verkehrt dann womöglich als Interregio, oder umgekehrt. Zusätzliche Halte können die Fahrzeit unter Umständen noch einmal verlängern. Dieses «Durchschieben des Takts» sei seit dem Fahrplanwechsel vor einem Jahr in den Störungskonzepten vorgesehen, erklärt die SBB auf Anfrage.
Andernorts werden aus dem Takt geratene Verbindungen ganz gestrichen. Reisende müssen dann auf den nachfolgenden Zug umsteigen. Die Konzepte für Störungsfälle werden laut SBB laufend angepasst.