«Vasella-Zustände» seien das, sagt Vincent Kaufmann, der Direktor der Anlagestiftung Ethos, vor den versammelten Novartis-Aktionärinnen und Aktionären. Damit spielt er auf den ehemaligen Novartis-Chef Daniel Vasella an, dessen Millionengehälter für scharfe Kritik gesorgt hatten. Kurz nach Vasellas Abgang bei der Novartis 2013 wurde die Abzocker-Initiative angenommen, die den Aktionären das Recht gibt, über die hohen Löhne abzustimmen.
13 Jahre ist das her, doch die Löhne von Schweizer Firmenchefs sind nach dem Ja zur Abzocker-Initiative nicht gesunken. Im Gegenteil, wie der Lohn von Novartis-CEO Vas Narasimhan zeigt: Fast 25 Millionen Franken verdiente er im letzten Jahr, 30 Prozent mehr als 2024. Viel zu viel, findet Ethos-Direktor Vincent Kaufmann und forderte deshalb an der Generalversammlung vom Freitag, dass die Vergütung abgelehnt wird.
Was eine Schweizer Rentnerin pro Monat erhält, verdient Vas Narasimhan in weniger als einer Stunde.
«Gute Ergebnisse rechtfertigen nicht jeden Lohn», sagte Kaufmann und verglich den Lohn Narasimhans mit dem Einkommen einer Rentnerin in der Schweiz: «Von der Pensionskasse gibt es durchschnittlich pro Monat 3500 Franken. Vas Narasimhan verdient diese Summe in weniger als einer Stunde.»
Auch Rolf Kurath, Präsident von Actares, eine Organisation, die Aktionärinnen und Aktionäre vertritt, war nicht einverstanden mit dem Lohn des Pharmachefs: «Wir sehen exzessive Vergütungen ohne Ende. Der CEO verdiente einen Betrag, der geschätzte 400 Mal höher ist als der von Mitarbeitenden mit den tiefsten Löhnen.»
Darauf reagierte Giovanni Caforio, Verwaltungsratspräsident der Novartis. Um Talente zu finden, stünde die Novartis in einem weltweiten Konkurrenzkampf. Dafür müssten auch die Löhne entsprechend sein. Verglichen mit den Löhnen internationaler Topfirmen in Europa und den USA stünde die Novartis im Mittelfeld.
Entfremdung des Pharmariesen vom Standort Basel?
Das sagte Caforio – gebürtiger Italiener – auf Englisch. Dass die Generalversammlung der Basler Pharmafirma in weiten Teilen auf Englisch gehalten wurde, kam nicht bei allen Aktionärinnen und Aktionären gut an. «Zwar spricht sich die Novartis immer wieder für den Standort Schweiz aus, doch davon spürt man hier überhaupt nichts», monierte eine Aktionärin.
Novartis sei keine Schweizer Firma mehr, sagte ein Aktionär: «Es ist eine internationale Firma, kein Basler Unternehmen mehr.» Einige Aktionäre konnten sich jedoch mit dem Lohn von Narasimhan abfinden. «Ich freue mich natürlich über das Ergebnis, mit meinen Aktien habe ich gut verdient», sagte ein Mann.
Generalversammlung segnet Lohn ganz klar ab
In Gefahr war der Lohn des Firmenchefs bei der Abstimmung nie, die privaten Aktionärinnen und Aktionäre machen nur einen kleinen Teil aller Shareholder aus. So wurden die 25 Millionen Franken Vergütung denn auch mit knapp 88 Prozent Zustimmung genehmigt.