Der Konsumraum sollte den Drogenkonsum aus dem Stadtpark holen, den Kleinhandel eindämmen und für mehr Sicherheit sorgen. Die erste Bilanz von Stadt, Polizei und Betreiber fällt gemischt aus: Der Kleinhandel im öffentlichen Raum ist spürbar zurückgegangen, die offene Drogenszene aber nicht verschwunden.
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Bild 1 von 4. Vor dem Konsum müssen sich die Nutzerinnen und Nutzer registrieren. Der Zutritt ist ausschliesslich suchtkranken Menschen mit Wohnsitz in Graubünden vorbehalten. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 2 von 4. Die Schnupfnische ist für den Konsum von Drogen durch die Nase gedacht. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 3 von 4. Im Inhalationsraum werden vor allem Crack und Base geraucht. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 4 von 4. Zum Angebot gehören auch ein Aufenthaltsraum, warme Mahlzeiten und Beratung. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
Der Konsumraum ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, die fast vierzig Jahre zurückreicht. Mit der Räumung der offenen Drogenszenen auf dem Platzspitz und später am Letten in Zürich in den 1990er-Jahren verteilten sich viele drogenabhängige Menschen auf andere Städte der Schweiz. Auch Chur entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt.
In den vergangenen Jahren hat sich die Szene stark verändert. An die Stelle von Heroin traten Crack und Base – rauchbare Formen von Kokain. Weil deren Wirkung deutlich kürzer anhält, wird häufiger konsumiert. Fachleute berichten von mehr Unruhe und aggressiverem Verhalten.
Gleichzeitig nahmen Beschaffungskriminalität und Obdachlosigkeit zu. Die offene Drogenszene wuchs in den vergangenen Jahren durchschnittlich um fünf Personen pro Jahr.
«Die Szene wurde sichtbarer und damit auch das Problem für die Bevölkerung», sagt der Churer Stadtrat Patrik Degiacomi. Der Wandel des Konsumverhaltens habe den politischen Handlungsdruck deutlich erhöht.
Acht Jahre bis zum Konsumraum
2018 wurde im Kantonsparlament erstmals ein Konsumraum gefordert. Es folgten jahrelange Diskussionen über Notwendigkeit, Standort und Finanzierung. Erst Ende März 2026 konnte die Kontakt- und Anlaufstelle eröffnet werden.
Rund 90 Personen haben sich seither registriert, mehr als von der Stadt erwartet. An Spitzentagen wird bis zu hundert Mal konsumiert, im Schnitt suchen täglich rund dreissig Personen den Raum auf, überwiegend um Crack und Base zu rauchen, vereinzelt wird auch Heroin gespritzt.
Laut Stadtpolizeikommandant Andrea Deflorin sind rund um den Konsumraum keine neuen Brennpunkte entstanden; die Sicherheitslage im Quartier sei stabil.
Tagsüber verzeichnet die Polizei Verbesserungen am Bahnhof und in der Innenstadt: Der Kleinhandel, oft mit Aggressionen verbunden, verlagert sich zunehmend in die neuen Räumlichkeiten. Am frühen Morgen, vor Öffnung, betteln Suchtkranke aber weiterhin um Geld zur Drogenbeschaffung. Die Beschaffungskriminalität insgesamt hat sich laut Deflorin nicht verändert.
Szene soll nicht weiter wachsen
Chur habe wegen des bisher liberaleren Umgangs eine Sogwirkung entwickelt, so Deflorin. Das ändere sich nun: Die Polizei toleriert öffentlichen Konsum während der Öffnungszeiten nicht mehr und weist Betroffene konsequent an den Konsumraum.
Ziel der Stadt ist nicht, die Szene rasch aufzulösen, sondern ihr Wachstum zu stoppen. Auch für Carlo Schneiter, Leiter der Überlebenshilfe Graubünden, wäre alles andere unrealistisch: Einzelne Personen im Stadtpark konsumierten bereits auf dem Zürcher Platzspitz. Menschen nach jahrzehntelanger Sucht herauszuholen, sei äusserst schwierig.
«Veränderungen brauchen Zeit, verschiedene Herausforderungen bleiben bestehen», sagt Stadtrat Patrik Degiacomi. Der Konsumraum sei eine Verbesserung, aber kein schnelles Mittel gegen die offene Szene im Stadtpark.