Worum geht es? Das Parlament will Munitionsfabriken in der Schweiz behalten. Das Ziel: Die Schweizer Armee soll auch im Krisenfall mit Munition beliefert werden. Im Fokus steht die Herstellerin SwissP Defence in Thun. Sie stellt mit rund 330 Mitarbeitenden unter anderem die Munition fürs Sturmgewehr der Schweizer Armee her. Vor vier Jahren wurde sie privatisiert und an den italienischen Beretta-Konzern verkauft. Für viele Parlamentarierinnen und Parlamentarier war das rückblickend ein Fehler. National- und Ständerat wollen deshalb nun, dass der Bundesrat einen Kooperationsvertrag mit SwissP prüft. Die Verantwortlichen bei der Thuner Munitionsfirma haben konkrete Vorstellungen. Diese würden Mehrkosten für den Bund bedeuten.
Welchen Deal wünscht sich die SwissP? Herzstück der SwissP-Pläne ist ein sogenannter Sicherstellungsvertrag. Er würde die SwissP verpflichten, Ausgangstoffe wie Messing, Blei oder Schwarzpulver für die Schweizer Armee an Lager zu halten. So könnte SwissP im Krisen- oder Konfliktfall auch bei geschlossenen Grenzen Munition für die Armee herstellen. «Die Armee müsste sagen, ob sie während drei, sechs oder neun Monaten zum Beispiel 100 Millionen Patronen Sturmgewehr-Munition produziert haben möchte», sagt SwissP-Chef Hannes Hauri. Das Lager wäre ständig im Umlauf und im Besitz des Bundes. Für die Lagerhaltung müsste das Verteidigungsdepartement (VBS) bezahlen, sagt Hauri: «Als KMU können wir das nicht selber finanzieren.» Zum Preis sagt er nichts. Darüber hinaus schlägt die Firma eine Dreijahresplanung mit dem VBS vor. Auch bietet sie an, dass der Bund Produktionslinien für Munition zurückkauft oder den Aufbau zusätzlicher Linien finanziert. Betrieben würden sie von SwissP.
Was spricht für die Kooperation? Die Schweiz hat wegen der verschlechterten Sicherheitslage ein Interesse daran, dass Munitionshersteller in der Schweiz bleiben. «Die Daseinsberechtigung unserer Firma am Standort Thun ist abhängig von den Bestellungen der Schweizer Armee», sagt SwissP-Chef Hauri. Zwar gebe es zurzeit keine Pläne für einen Wegzug. Die Rentabilität sei aber ständig Thema. Letztes Jahr habe SwissP fast 20 Stellen abbauen müssen. Die Übernahme von Produktionslinien durch den Bund zum Beispiel würde laut Hauri Sicherheiten geben: «Das würde sicherstellen, dass wirtschaftliche Verwerfungen keinen Durchschlag haben auf die Produktionsfähigkeit in Thun.»
Was sind Kritikpunkte? Kritik an der Kooperation allgemein kommt von den Grünliberalen sowie von SP und Grünen. Die Politik erfülle eine Wunschliste der Rüstungsindustrie, sagt SP-Nationalrat Fabian Molina: «Die Industrie jammert auf hohem Niveau.» Diese Woche habe sich gezeigt, dass die Kriegsmaterialexporte auf Rekordniveau seien. «Ein Blankocheck für die Subventionierung ausländischer Konzerne ist eine Verschwendung von Steuergeld für eine Branche, die es nicht nötig hat.» SwissP entgegnet, dass sie wegen der strengen Schweizer Export-Bestimmungen vor allem Munitionsbestandteile exportiere. Für diese gelten lockerere Regeln. Doch bei Bestandteilen sei die Rendite deutlich geringer.
Welche Chancen hat der Deal? SwissP hat seine Vorschläge beim VBS deponiert. Dieses äussert sich auf Anfrage nicht dazu, die Überlegungen seien noch in Gang. Die Forderung nach einer engen Zusammenarbeit ist im Parlament breit abgestützt. Die Chancen scheinen daher intakt.