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Protest gegen Atomenergie 3000. Mahnwache: Heini Glausers Kampf gegen Atomkraftwerke

Vor der Sicherheitsbehörde Ensi in Brugg AG wird fast jeden Abend protestiert. Fast immer dabei ist Heini Glauser.

3000 Mal haben sie sich bereits getroffen. Jeweils Montag bis Donnerstag demonstrieren Gegnerinnen und Gegner der Atomkraft vor dem Sitz des Nuklearsicherheitsinspektorats Ensi in Brugg AG. Sie verlangen, dass die beiden Blöcke des AKW Beznau sofort abgestellt werden. Ein stiller Protest von 17 bis 18 Uhr. So ist es von der Stadt bewilligt.

Von 3000 sogenannten Mahnwachen war Heini Glauser an 2400 dabei. Der 73-Jährige ist Initiant der ersten Stunde. Zehn Tage nach dem Reaktorunglück im März 2011 in Fukushima organisierte er eine Demonstration vor dem Ensi. Klein und dauerhaft sollte sie sein. Und das wurde sie.

Mann in roter Jacke bei einer Demonstration mit gelben Fahnen.
Legende: Heini Glauser will beim Ensi das Bewusstsein hochhalten, dass die Schweizer AKW abgestellt werden sollen. Dazu hat er bereits an 2400 Tagen in Brugg protestiert. SRF

Zum «Jubiläum» am 1. April kamen mehr als die üblichen fünf oder zehn Personen. Rund 100 Menschen versammelten sich. Sie sind überzeugt, dass die Sicherheitsbehörde ihre Aufgabe nicht richtig wahrnimmt, dass sie den AKW-Betreibern zu wenig auf die Finger schaut und eher Teil des Problems und nicht der Lösung ist.

Fast wie ein Stammtisch

Viele der Teilnehmenden kennen sich, zum Teil bereits aus den 70er- und 80er-Jahren, als sie gegen den Bau der Kernkraftwerke Gösgen und Kaiseraugst protestierten. «Wir stehen für unsere Enkel hier», sagt einer, der regelmässig dabei ist. «Ich will allen Danke sagen. Danke, dass ihr bereits 2999 Mal bei jedem Wetter hier gestanden seid», meint ein anderer an der Demonstration in Brugg, acht Kilometer entfernt vom AKW Beznau, zwei der weltweit ältesten Reaktoren in Betrieb.

Ensi-Mahnwache über die Jahre

Immer wieder kommen die Menschen auf Heini Glauser zu sprechen. Aufgewachsen in Basel, Architekt und Energiefachmann, seit längerem in Windisch daheim. Die Demonstrationen und nun der grössere Anlass ermutigen ihn. Ihn freut, dass neben den Älteren auch einige Jüngere dabei sind.

Auch die normalerweise kleineren Mahnwachen seien schön. Aber ganz anders. Kollegialer, fast ein Stammtisch, meint Glauser. Man spreche über Energie- und andere Themen. «Nicht daheim die Faust im Sack machen, wenn so viele Fake News herumgeboten werden – von welcher Seite auch immer.»

Positionen sind weit auseinander

Ab und zu gebe es auch einen direkten Austausch mit den Mitarbeitenden des Ensi, so Glauser. Vor allem zu Beginn habe es viele persönliche Kontakte gegeben. «In der ersten Woche kam der Direktor jeden Abend hinaus. Er wollte wissen, warum wir das machen.» Auch zu einem Treffen mit Apéro seien die Teilnehmenden eingeladen worden.

Menschen bei Anti-Atom-Protest mit gelben Fahnen und Musikern.
Legende: Wo sich sonst fünf Personen versammelten, gab es zum «Jubiläum» musikalische Unterstützung. SRF

Inhaltlich sei man sich in der gesamten Zeit aber nicht nähergekommen. Die Sichtweisen sind zu unterschiedlich. Die Protestierenden sehen die Bundesbehörde nicht als Wächter der nuklearen Sicherheit, sondern als Lobbyorganisation der Atombranche. Das Vertrauen zum Ensi sei klein, meint denn auch Heini Glauser. Trotzdem: «Wir sehen das Ensi nicht als Gegner an. Es sollte uns eigentlich vertreten und die AKW-Betreiber überprüfen.»

Nach 3000 geht es weiter

Auch nach 3000 Mahnwachen machen Heini Glauser und seine Mitstreiter weiter. Was haben sie aber bisher erreicht? «Das Bewusstsein hochzuhalten, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen. Wenn jemand ausser den Betreibern die AKW abstellen könnten, dann das Ensi. Ein Bundesrat wird nie von sich aus abstellen.»

Eine Endzahl an Mahnwachen hat sich Glauser nicht gesetzt. Wenn es die Gesundheit zulasse, bleibe er bis zum letzten Atomkraftwerk. «Wir hoffen natürlich, dass die AKW bald abgestellt sind und wir uns anderen Dingen zuwenden können.» Am Donnerstag fand die 3001ste Mahnwache statt.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 2.4.2026, 17:30 Uhr ; 

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