Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli (Mitte) steht seit März letzten Jahres am Pranger, unter anderem wegen angeblichen Amtsmissbrauchs und musste das Finanzdepartement abgeben. Die 33-jährige gebürtige Zugerin musste sich heute Dienstag im Waadtländer Kantonsparlament dem Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) stellen. Darin wird ihr nicht nur «mangelhaftes Management» im Finanzdepartement vorgeworfen. Scharf kritisiert wird auch ihr «Stil», der zu grossem Leid bei ihren Mitarbeitenden geführt haben soll.
SRF News: Frau Dittli, für was genau haben Sie sich heute im Grossen Rat entschuldigt?
Der Rapport hat uns gezeigt, dass gewisse Mitarbeiter sehr unter Druck waren und dass sie die Situation als sehr schwierig empfanden. Und das tut mir natürlich aufrichtig leid. Die Situationen waren sehr komplex und schwierig für gewisse Mitarbeiter.
Ja, für mich war das eine Entschuldigung.
Kaum hatten fertig gesprochen, ging die Diskussion im Rat los. War das wirklich eine Entschuldigung?
Ja, für mich war das eine Entschuldigung. Man muss die Situationen und die Gefühle der Mitarbeiter respektieren. Ich war verantwortlich für das Departement und nehme diese Verantwortung wahr. Und wenn Mitarbeiter das als so schlimm empfunden haben, entschuldigt man sich dafür.
Wie konnte es eigentlich soweit kommen – was ist ihre Analyse?
Für mich war es ein institutionelles, kein persönliches Problem, zumindest am Anfang war das so. Es drehte sich um den «Bouclier Fiscal», das Steuerschutzschild [Steuerbremse], die wir im Kanton Waadt haben. Da wollte ich einfach genau wissen, was passiert ist. Das hat sich aber als relativ schwierig erwiesen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer in dieser Sache, jetzt kommt ein Bericht dazu, der sehr hart mit Ihnen ins Gericht geht. Kommt Ihre Entschuldigung vielleicht zu spät?
Dazu muss ich sagen, dass ich ja nicht den Bericht abgewartet habe, um Veränderungen vorzunehmen. Bei den Leuten, bei denen ich ohnehin das Gefühl hatte, Fehler gemacht zu haben, habe ich mich schon vor langer Zeit entschuldigt. Man muss sehen, dass wir heute über etwas debattieren, was in der Vergangenheit liegt. Das habe ich mehrmals angeführt heute im Grossrat. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich die Situation bereits verbessert hat. Die Mitarbeiter sind zufrieden. Ich bin zufrieden. Jetzt würde ich gerne nach vorne schauen und mich Projekten für den Kanton widmen.
Es sind vereinzelte Rücktrittsforderungen laut geworden. Prallt das an Ihnen ab?
Nein, logisch nicht. Ich habe sehr viel Selbstkritik geübt und in den letzten sechs Monaten und reflektiert, was alles passiert ist. Die Kritik geht mir als Person nahe, aber man darf aber nie vergessen, dass man eine Funktion hat. Und ich habe immer versucht, diese Funktion im Interesse der Waadtländerinnen und Waadtländer wahrzunehmen.
Für mich war es ein institutionelles, kein persönliches Problem.
2027 stehen kantonale Wahlen an im Kanton Waadt. Wird Ihr Name da wieder auf dem Ticket stehen?
Dazu kann ich heute noch nichts sagen.
Das Gespräche führte Valérie Wacker.