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Reisen mit dem Wohnmobil Narkosegas im Camper? Was an dem Gerücht dran ist

Seit Jahren kursiert die Warnung, Diebe würden Camperinnen und Camper mit Gas betäuben. Recherchen zeigen: Das ist kaum plausibel.

Im Camper auf Raststätten übernachten? Viel zu gefährlich – Diebesbanden leiten Narkosegas in den Innenraum und stehlen alle Wertsachen. Dieses Gerücht hält sich in Foren und Kommentarspalten hartnäckig. So lässt etwa das deutsche TCS-Pendant ADAC Camperinnen und Camper zu Wort kommen, die mit Gas betäubt worden sein sollen.

Wohnmobil in einem Feld mit gelben Blumen bei Sonnenuntergang.
Legende: Die grosse Freiheit auf vier Rädern: Beim Reisen mit dem Wohnmobil lauern aber auch Gefahren, warnen Camperinnen und Camper im Netz. IMAGO / Cavan Images

Doch Rolf Järmann, Geschäftsführer des Vereins «Wohnmobilland Schweiz», winkt ab: «Das ist ein Märchen, das unter Wohnmobilisten herumgeistert.» Die Polizei habe noch nie jemanden mit Gas erwischt.

Die Methode wäre auch aus medizinischer Sicht extrem unwahrscheinlich. «Es ist gar nicht möglich, alle Personen und Hunde im Wohnmobil tief zu betäuben, ohne gleichzeitig das Risiko einzugehen, dass jemand stirbt», so Järmann.

Und ein solches Risiko wollen für gewöhnlich nicht mal Diebe eingehen – es ist auch gar nicht nötig. Denn in einen Camper einzubrechen, während die Besitzer schlafen, ist auch ohne Betäubungsmittel relativ einfach.

Keine neuen bekannten Fälle

Ein paar Nachfragen bei Kantonspolizeien sowie Verkehrs- und Campingvereinen ergeben: nichts. Niemand hat von entsprechenden Fällen gehört.

Nur das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) nennt überraschend konkrete Fälle: «Dem BKA ist bekannt, dass es in den Jahren 1998 bis 2003 in Deutschland und anderen europäischen Staaten zu mehreren hundert Raubüberfällen unter Einsatz von Narkosegas auf Raststätten kam», schreibt ein Sprecher des Bundeskriminalamts. In den letzten Jahren seien dem BKA jedoch keine vergleichbaren Fälle mehr zur Kenntnis gekommen.

So etwas kommt nirgends vor, in keinem Land der Welt.
Autor: Rolf Järmann Wohnmobilland Schweiz

Medizinische Fachleute halten solche Taten heute auch deshalb für unwahrscheinlich, weil keine einfach verfügbaren und kostengünstigen inhalativen Anästhetika bekannt sind, die sich dafür eignen würden.

Wohnmobil auf einem Parkplatz am See bei Sonnenuntergang, umgeben von Bäumen.
Legende: In Wohnmobile und Campervans kann relativ einfach eingebrochen werden. Ein überwachter Stellplatz bietet nur bedingt Schutz. IMAGO / Addictive Stock

Zwar kommt es laut TCS in der Nähe südeuropäischer Ballungszentren, etwa in Italien, Spanien und Südfrankreich, öfters zu Einbrüchen in Camper – vor allem auf unbewachten Parkplätzen und Autobahnraststätten. Aber: Es handelt sich dabei um «normale» Einbrüche, ohne Einsatz von Narkosemitteln.

Für Järmann ist die Sache deshalb klar: «So etwas kommt nirgends vor, in keinem Land der Welt.»

Auch Fabian Ilg, Geschäftsleiter Schweizerische Kriminalprävention (SKP), sagt: «Von Raubdelikten auf Camper mittels Narkosegas hat die SKP keine Kenntnisse. Sehr wohl allerdings von klassischen Einbrüchen in Fahrzeuge. Diese dürften sich auf den hauptsächlichen Reiserouten in Europa im Hochsommer tatsächlich häufen.»

Woher kommt das Gerücht?

Klassische Einbrüche also ja, Narkosemittel nein. Trotzdem hält sich die urbane Legende seit Jahren.

In ein Wohnmobil kommt man immer rein, wenn man will.
Autor: Rolf Järmann Wohnmobilland Schweiz

Warum? «Weil sich niemand vorstellen kann, dass Dinge gestohlen werden, während man schläft», so Järmann. «Alle haben das Gefühl, sie würden etwas hören, wenn jemand einbricht.» Wenn es dann trotzdem passiere, fühle man sich durch den Schock benommen und deute das als Hinweis auf Narkosegas.

Schutz vor Einbrüchen

Manche schützen sich mit Schlössern, Alarmanlagen oder Spanngurten vor Einbrüchen. Ein weiterer Tipp lautet: Übernachten Sie nicht auf Raststätten und Parkplätzen, sondern auf Campingplätzen, auch wenn das etwas kostet.

Laut Järmann bietet das allerdings keine Garantie: «Wir sind schon mal auf einem überwachten Campingplatz ausgeraubt worden.» In ein Wohnmobil komme man immer rein, wenn man wolle. «Man kann keine Burg daraus machen. Das muss man sich bewusst sein.»

Tipps gegen Diebstahl im Camper

Box aufklappen Box zuklappen
  • Nur dort schlafen, wo man sich sicher fühlt
  • Wertsachen nicht sichtbar liegen lassen
  • Nichts mitnehmen, was man nicht unbedingt braucht
  • Fotos in einer Cloud sichern, weil man die nicht ersetzen kann
  • gute Reise- und Diebstahlversicherung
  • Wertsachen unters Kopfkissen, in den Schlafsack oder in einen Safe
  • Spanngurt oder Kette durch Haltegriffe oder Armlehne ziehen und quer zwischen den Türen spannen
  • Fenster und Schiebedächer immer geschlossen halten
  • Verriegelung kontrollieren und Diebstahlsicherung der Fahrzeugschlüssel nutzen

Quellen: SKP, Wohnmobilland Schweiz, ADAC und TCS

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 10.7.2026, 17:30 Uhr; wilh

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