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Die etwas anderen News Null Promille für Piste und Parlament?

Politik und Wintersport haben eines gemeinsam. Einen zu hohen Alkoholgehalt. Damit soll jetzt Schluss sein. Lisa Christ fragt: Wer bläst als erstes ins Röhrchen?

Lisa Christ

Kabarettistin

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Es gibt kaum eine andere satirische Stimme in der Schweiz, die sich so selbstreflektiert in Rage reden kann wie Lisa Christ. Die Oltner Kabarettistin, Satirikerin und Moderatorin kann dabei philosophisch-ernst, aber auch wortgewandt-verspielt sein. Sie war Host der «SRF Comedy Talent Show» und tourt aktuell mit ihrem zweiten Soloprogramm «LOVE*» durch die Deutschschweiz. 2025 gewann sie den renommierten Kabarett-Preis «Salzburger Stier».

Was in Italien seit 2022 gilt, soll nun auch hierzulande geprüft werden: ein Alkohollimit auf Skipisten. Laut neuesten Umfragen hat nämlich jeder Dritte auf der Piste eins am Sender. Nicht weiter verwunderlich! Kaum etwas ist stressiger als Schneesport. Wer die letzten klimaresistenten Schneehäufchen ausfindig gemacht hat, muss sich nach einer kurvigen Autofahrt erst durch Massen an Wintersportbegeisterten in eine nach nassen Socken riechende Gondel kämpfen, nur um schliesslich in den ewigen Kreislauf des Anstehens, Wartens und ganz kurzen Hangrunterrutschens entlassen zu werden. Saufen ist hier Überlebensmechanismus.

Wird der Kaffi-Schnaps bald durch Röhrchen ersetzt?

Wenn es nach EVP-Nationalrat Marc Jost geht, wird der Kaffi-Schnaps am Pistenrand jedoch bald durch Polizei mit Röhrchen ersetzt. «Nüchtern betrachtet gibt es wenig Einwände, Skifahren anders zu behandeln als Auto- oder Velofahren», sagt Jost. Ja, aber besoffen betrachtet, macht es besoffen einfach mehr Spass!

SP-Nationalrätin Andrea Zryd findet das Ganze «sehr schwierig umsetzbar», appelliert an die Eigenverantwortung und geht so – Surprise! – mit der SVP einig. «Polizei jetzt auch noch auf der Piste? Die haben echt Besseres zu tun!», empört sich SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

Und in ein paar Jahren stehen Blitzer auf der Piste?

Ja, wohin soll das alles führen?! In ein paar Jahren gibt's dann auch noch Geschwindigkeitskontrollen mit Blitzer, die beim Auslösen «Schatzi, schenk mir ein Foto» plärren. Nein, danke!

Auch Reto Nause, Mitte-Nationalrat und Präsident des Schweizer Tourismusverbandes meint, ein Alkohollimit gehe zu weit. Man müsse ja schliesslich bereits heute damit rechnen, bei einem Unfall unter Alkoholeinfluss von der Versicherung keine Entschädigung zu bekommen. Aha, darum geht es also! Nicht um Unfall-Prävention, nicht um Sicherheit, sondern ums Sparpotenzial beim Schadensersatz: Je mehr besoffene Unfälle, desto mehr spart die Versicherung. Hurra die Gams!

Halli-Galli-Tourismus, nicht bei uns!

Ausserdem meint Nause, gäbe es in der Schweiz keinen «Halli-Galli-Tourismus», wie im österreichischen Sölden, wo diese Woche in bestimmten Zonen ein generelles Alkoholverbot ausgesprochen wurde. Stimmt: Halli-Galli-Tourismus haben wir nicht. Dafür aber Halli-Galli-Parlamente!

Im Waadtländer Kantonsparlament werde schon morgens gesoffen, so der Grüne Kantonsrat Oleg Gafner. Der 24-jährige ist darüber so schockiert, dass er diese Woche einen Vorstoss einreichte, für eine 0.5 Promille Obergrenze.

Eine Schnapsidee!

«Eine Schnapsidee, und zudem ein Bruch mit der Tradition!», meinen bürgerliche Ratsmitglieder. Schliesslich gehöre das Weintrinken zum Waadtländer Selbstverständnis. Es bleibt also bei der Eigenverantwortung – auf dem Berg, wie im Parlament: Jede und jeder muss hierzulande selbst wissen, wie viel reingeht. Diese Regel gilt übrigens auch beim Wählen und Abstimmen.

Bei vielen Resultaten irgendwie beruhigend, zu wissen, dass nicht alle bei Sinnen sind, die ihre Stimme im Slalom einwerfen.

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SRF 1, Zytlupe, 07.02.2026, 13:00 Uhr

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