Sowohl im Podcast mit Oprah Winfrey, als auch im Interview mit dem People Magazine schwärmte Serena Williams von ihrem neuen Gewicht: 14 Kilo leichter fühle sie sich viel besser.
Was Mrs. Williams geschickterweise bei keinem ihrer zahlreichen Medienauftritte im Vorfeld vom Tennisturnier in Wimbledon erwähnte, ist, dass ihr Ehemann bei der beworbenen Firma im Verwaltungsrat sitzt und zu den Investoren gehört.
Eine Spitzensportlerin macht Geld mit ihrem Körper. Schockierend! Da hat der Shitstorm natürlich nicht lange auf sich warten lassen. Peinlich sei das und unverantwortlich obendrein, diese Spritze sei ein heftiges und teures Medikament. Nicht alle seien millionenschwere – äh, sorry – reiche Top-Athletinnen. Ausserdem sei Serena Williams immer ein Vorbild gewesen, weil sie eben nicht so gertenschlank war wie alle anderen.
Ein Vorbild? Oder vielleicht eher ein Feindbild? Vor allem zu Beginn ihrer Karriere las man über die Spitzenathletin nämlich immer wieder: sie sei zu dick, zu muskulös, zu gross und würde nur gewinnen, weil sie aussehe «wie ein Mann».
Verständlich, dass sie bald davon absah, Artikel über sich selbst zu lesen, und sich stattdessen auf das Wesentliche konzentrierte: Tennis. Unter dem Strich ist es für den Sport nämlich völlig egal, wie sie aussieht: Auf dem Platz dominierte Serena Williams 20 Jahre lang.
Serena Williams erzählte bei Oprah Winfrey von ihren Erfahrungen
Mal ehrlich: Es sagt doch auch niemand etwas, wenn Roger Federer den hunderttausendsten überteuerten Schuh in die Kamera hält. Ja, ein Schuh ist etwas anderes als eine Abnehmspritze, aber der gleichaltrige Roger Federer wird auch nicht als «rüstiger 44-Jähriger» bezeichnet.
Serena Williams hat zwar mit 23 Grand-Slam-Siegen sogar drei mehr als Federer, wurde jedoch in der NZZ kürzlich genau so bezeichnet: «Eine rüstige Mittvierzigerin», die sich vielen anderen Dingen widmen könne – ihrer Familie zum Beispiel. Ihr Tennis-Comeback zeuge nicht nur von ihrem Ehrgeiz, sondern auch davon, «wie gerne sie im Mittelpunkt steht.»
Das klang bei den Männern minimal anders: Der göttliche Roger hätte mit 40 Jahren im Spitzensport ein fast «biblisches Alter». Und bei Andy Murray waren die eigenen Kinder kein Grund, zu Hause zu bleiben, sondern Motivation, zurückzukehren: Damit sowohl sein zweijähriges als auch sein sieben Monate altes Baby ihn «bewusst als Spitzensportler wahrnehmen können». Papa mag zwar ein Tennisass sein, aber vom kindlichen Erinnerungsvermögen hat er nicht viel Ahnung.
Bei so einer Berichterstattung darf sich niemand mehr wundern, dass laut einer Umfrage ganze zwölf Prozent der Männer denken, sie könnten in einem Tennismatch gegen Serena Williams mindestens einen Punkt erzielen.
Vielleicht müsste man statt Spritzen für eine dünnere Figur mal ein Medikament erfinden, das die hartnäckigen Sexismus-Reste aus den Gehirnwindungen gewisser Mitmenschen wegspritzt. Ich glaube, da kämen mehr als 14 Kilo zusammen.