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Schweiz als Drehscheibe Rohstoffhandel verlagert Umweltschäden in den globalen Süden

Der Rohstoffhandel hat sich den letzten Jahren stark gewandelt – auf Kosten der Nachhaltigkeit, wie ein wissenschaftlicher Bericht zeigt.

Bedeutender Rohstoffhandel: Der Handel mit Erdöl, Metallen, Getreide oder Kaffee macht rund einen Drittel des weltweiten Warenhandels aus. Damit spielt er auch für Umwelt und Gesellschaft eine grosse Rolle. «Der Rohstoffhandel steht heute im Zentrum der Aufmerksamkeit – nicht zuletzt wegen geopolitischer Spannungen», sagte Fritz Brugger von der ETH Zürich bei der Vorstellung eines Berichts der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT).

Hunderte Studien zusammengefasst

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Mit dem Bericht wollte SCNAT eine Bestandsaufnahme des heutigen Wissens über die Verbindung von Rohstoffhandel und nachhaltiger Entwicklung vorlegen. Mehr als 30 Expertinnen und Experten aus acht Schweizer Hochschulen und zahlreichen Fachgebieten trugen dazu die Erkenntnisse aus Hunderten wissenschaftlicher Studien zusammen.

Grosse Auswirkung auf die Nachhaltigkeit: Rund ein Viertel der globalen Landwirtschaftsflächen wird laut dem Bericht für Produkte verwendet, die international gehandelt werden. Beim Wasserverbrauch und bei Treibhausgasemissionen liegt der Anteil ebenfalls bei etwa einem Viertel. Rund 80 Prozent der Entwaldung der vergangenen Jahrzehnte sei durch die Ausweitung der Produktion für den internationalen Handel geprägt, etwa 30 Prozent des globalen Biodiversitätsverlusts sei mit gehandelten Rohstoffen verbunden. Zudem stehen ein Drittel der bedrohten Tier- und Pflanzenarten wegen des Rohstoffhandels unter Druck.

Umlagerung in den Süden: Der Rohstoffhandel trägt laut den Forschenden auch dazu bei, dass Umweltbelastungen geografisch verlagert werden. Wohlhabende Länder treffen zwar lokale Biodiversitäts-Schutzmassnahmen, passen ihren Konsum aber nicht an. Stattdessen importieren sie mehr – und lagern damit die Umweltkosten in handelsabhängige Länder aus. «Die Umweltwirkungen verschwinden nicht, sie werden oft in die Produktionsländer verlagert», sagte Stephan Pfister von der ETH Zürich. So entstanden etwa rund drei Viertel des Schweizer CO₂-Fussabdruckes in den letzten 20 Jahren im Ausland.

Händler profitieren von geopolitischen Spannungen

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Diese «Finanzialisierung» erhöht insbesondere in Krisenzeiten die Preisvolatilität und auch das Risiko, dass sich Schocks auf andere Sektoren übertragen, wie es im Bericht heisst.

Knappheit und Unsicherheit erzeugten Preisaufschläge, an denen der Handel verdient. «Diese Handelsgewinne sind die finanzielle Kehrseite geopolitischer Krisen», heisst es.

Das zeigt sich auch in konkreten Zahlen: Die Bruttomargen der Händler haben sich von 2019 bis 2024 rund 2,5-mal erhöht.

Verändertes Geschäftsmodell: Gleichzeitig hat sich die Branche in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Die grossen Handelshäuser beschränken sich nicht mehr darauf, Rohstoffe zu kaufen und weiterzuverkaufen. Sie kontrollieren zunehmend Teile der gesamten Wertschöpfungskette – etwa den An- und Abbau von Rohstoffen und die Zahlungen. Die Forschenden sprechen von einer zunehmenden «Finanzialisierung» des Rohstoffhandels. Rohstoffe würden vermehrt als Anlageklasse betrachtet, und Finanzgeschäfte sowie der Handel mit Derivaten spielten für viele grosse Handelshäuser eine deutlich wichtigere Rolle als noch vor wenigen Jahren. Handelshäuser agierten nun ähnlich wie Banken, seien allerdings viel weniger reguliert, warnen die Forschenden.

Zentrale Rolle der Schweiz: Schätzungen zufolge werden rund 60 Prozent des weltweiten Handels mit Kupfer, Aluminium und Eisenerz von in der Schweiz ansässigen Handelshäusern abgewickelt. Die Rohstoffe gelangen dabei meist gar nicht in die Schweiz. Die Geschäfte werden von hier aus organisiert, finanziert und abgewickelt. Die Forschenden sehen darin politische Möglichkeiten für die Schweiz. So könnte sie etwa international koordiniert nachhaltigere Standards durchsetzen. Dazu gehörten mehr Transparenz über Handelsströme, eine bessere Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen und eine stärkere internationale Koordination von Regulierungen. Die Realität sieht jedoch anders aus: «Während die EU und ihre Mitgliedstaaten zunehmend strengere Regulierungsrahmen einführen, verfolgt die Schweiz aus Sorge um ihre Wettbewerbsfähigkeit einen zurückhaltenden und reaktiven Ansatz», schreiben die Forschenden.

Bisherige Regulierung ungenügend

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Skeptisch fällt die Bilanz bisheriger Nachhaltigkeits-Standards aus. Freiwillige Standards, Zertifizierungen und Multi-Stakeholder-Initiativen hätten bislang nur begrenzte Wirkungen gezeigt, heisst es im Bericht. Auch neue gesetzliche Vorgaben zu Sorgfaltspflichten und Transparenz befänden sich noch in einer frühen Phase. Die Regulierung bleibe fragmentiert und werde international uneinheitlich umgesetzt. Zudem würden die Probleme oft nicht strukturell behandelt. Entsprechend klein seien Effekte auf Umwelt, soziale Konflikte, Machtungleichgewichte oder Korruption.

Die Forschenden sorgen sich zudem, dass Regulierungen aufgrund geopolitischer Spannungen unter Druck geraten könnten und die Versorgungssicherheit einseitig priorisiert wird vor der Nachhaltigkeit.

Echo der Zeit, 10.06.2026, 18 Uhr ; 

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