Ein Ferrari mit dem Nummernschild SO 1 kurvt durch die Stadt. Das absurde daran: Das Nummernschild war teurer als das Auto selbst. Künftig könnten verschiedene Leute mit dieser Nummer fahren, das Kennzeichen wurde am Mittwoch für 390'000 Franken von einer Luxusautovermietung ersteigert.
Bei der Versteigerung des Kantons Solothurn gab es zum Schluss einen regelrechten Bieterkampf, den die Autovermietung Edel & Stark aus dem solothurnischen Olten am Ende für sich entscheiden hat. Noch nie hat jemand in der Schweiz so viel für eine Autonummer bezahlt. Der bisherige Rekordwert lag bei 299’000 Franken – für «ZH 24» im Jahr 2024.
Gewisse Leute schütteln sicher den Kopf über uns.
Dass der Betrag aussergewöhnlich hoch ist, weiss auch Benedikt Lüchinger, CEO von Edel & Stark. «Gewisse Leute schütteln sicher den Kopf über uns», sagt er. Für ihn läuft der Kauf sozusagen über das Marketingbudget: «Jetzt können wir sagen, dass wir auf der Strasse die Nummer 1 sind.» Mit dem Nummernschild liessen sich gute Inhalte für Social Media oder für Artikel generieren.
Dass bereits die Versteigerung so viel Aufmerksamkeit erregte, überrascht ihn aber. «Mit einer solch heftigen medialen Reaktion hätte ich nicht gerechnet.»
«SO 1» mieten wird Glückssache
An welchem Auto der Luxusflotte das Schild montiert wird, ist noch nicht entschieden. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass es an einen Oldtimer kommt, damit das Auto noch mehr Klasse hat», sagt Lüchinger. «Zuerst wird sicher auch der eine oder andere Verwaltungsrat mit ‹SO 1› rumfahren wollen, um das Gefühl zu erleben.»
Einen Aufpreis soll es nicht geben für das Auto, das mit der begehrten Nummer ausgestattet ist. «Es wird auch nicht möglich sein, sich das Auto mit dem ‹SO 1›-Kennzeichen zu wünschen», ergänzt Lüchinger. Damit bleibt es also Glückssache, ob jemand mit dem teuren Kennzeichen durch die Strassen kurven darf.
Speziell gesichert werde das Nummernschild nicht. «Schlussendlich ist das Schild selber nur so viel Wert wie das Blech, aus dem es gemacht ist», so Lüchinger. Er gehe davon aus, dass man im Falle eines Diebstahls einen Nachdruck bestellen könne.
Dem ist aber nicht so: Wird ein Autokennzeichen in der Schweiz als gestohlen gemeldet, wird es im Polizeifahndungssystem ausgeschrieben und bleibt für mehrere Jahre gesperrt – egal, wie hoch der symbolische Wert des Kennzeichens ist.
Autonummer als Statussymbol
Meistens bleiben die Käuferinnen und Käufer von teuren Autokennzeichen anonym. Grosse Aufmerksamkeit erregte dagegen der Gründer von Bitcoin Suisse, Niklas Nikolajsen. 2018 ersteigerte er das Kontrollschild «ZG 10» für 233'000 Franken. Sechs Jahre später versteigerte er das Kontrollschild auf der Auktionsplattform Ricardo wieder – für 233'400 Franken.
Ein spezielles Kontrollschild sei einer Art Statussymbol, vermutet Stefan Hotan, Gründungsmitglied der «IG Schweizer Kontrollschilder».
Im Kanton Aargau zum Beispiel fahre vorwiegend die Polizei mit tiefen Nummern. Früher wurden sie vor allem an Garagisten herausgegeben. «Für private Automobilisten war es also schon immer schwieriger, an solche tiefen Nummern zu kommen.»
Eine tiefe oder spezielle Nummer ist also eine Art Trophäe oder, wie im Fall von «SO 1», eine Investition ins Marketing.