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Selbstfahrende Autos Mehr Stau, weil weniger Menschen hinter dem Steuer sitzen?

Autonomes Fahren: Der Kanton Aargau stellt sich auf Mehrverkehr ein und plant voraus.

Wo steht die Schweiz beim Thema «autonomes Fahren»? Seit März 2025 können Autos auf Schweizer Autobahnen mit Fahrassistenzsystem fahren. Lenkung, Tempo und Bremsen werden selbstständig gesteuert. Die Lenkerinnen und Lenker müssen jedoch jederzeit eingreifen können. Die Kantone können zudem bestimmte Strecken für vollständig selbstfahrende Autos genehmigen. In der Regel handelt es sich dabei um Busse, Taxis oder Lieferwagen, die aus einem Kontrollzentrum fernüberwacht werden.

Warum könnte der Verkehr dadurch zunehmen? Selbstfahrende Autos könnten das Autofahren attraktiver machen, erklärt Carlo Degelo, Leiter der Abteilung Verkehr des Kantons Aargau. «Weil Passagiere während der Fahrt lesen, arbeiten oder Filme schauen können, werden längere Wege eher akzeptiert.» Degelo verweist auf eine Studie, wonach rund 30 Minuten zusätzliche Fahrzeit in Kauf genommen würden. Er erwartet zudem mehr Leerfahrten, etwa wenn Fahrzeuge Personen abholen. Auch ältere Menschen, die heute nicht mehr selbst fahren dürfen, könnten sich wieder ein Auto anschaffen.

Dichter Verkehr auf einer mehrspurigen Autobahn.
Legende: Laut den Zahlen des Bundes liegt die Personenauslastung von Autos heute bei 1.6 Personen. Die Aargauer Verkehrsplanung geht davon aus, dass dieser Wert wegen selbstfahrender Autos auf unter 1 sinken wird. Keystone / Michael Buholzer

Was möchte der Kanton Aarau dagegen tun? Degelo sieht die Zukunft im «öffentlichen Individualverkehr» – einer Mischung aus öffentlichem und Individualverkehr. «Wer zum Beispiel mit dem Zug am Bahnhof ankommt, könnte von einem selbstfahrenden Kleintransporter gemeinsam mit anderen Passagieren direkt vor die Haustür gefahren werden.» Trotz solcher Angebote geht die Aargauer Mobilitätsstrategie davon aus, dass mehr Fahrzeuge auf den Strassen unterwegs sein werden. Der Kanton setzt deswegen auf Investitionen ins Verkehrsmanagement.

Wo steht die politische Debatte? Auch der Bundesrat beschäftigt sich mit dem Thema. Ein Bericht soll klären, wo autonome Fahrten reguliert werden müssen, damit eine nachhaltige Mobilität gefördert und nicht zusätzlicher Verkehr erzeugt wird. Die FDP spricht sich für möglichst wenig Regulierung aus. Ganz anders sehen das die Grünen: Sie fordern, dass selbstfahrende Autos vor allem im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden – sonst drohe Mehrverkehr auf Schweizer Strassen.

Auto auf einer Landstrasse mit malerischer Herbstlandschaft und Häusern im Hintergrund.
Legende: Pilotprojekt in den Kantonen Aargau und Zürich: Selbstfahrende Autos gehören inzwischen zum Bild im Furttal. Auf insgesamt 110 Kilometern Strasse fahren sie durch die beiden Kantone. iamo – intelligente automatisierte Mobilität

Wo sind selbstfahrende Autos unterwegs? Mehrere Pilotprojekte testen autonome Fahrzeuge. Dazu gehört «iamo», das von den Kantonen Aargau und Zürich, dem Swiss Transit Lab und der SBB getragen wird. Im Furttal fahren erste Fahrzeuge zwischen den Kantonen Aargau und Zürich autonom im Testbetrieb, aktuell noch mit Sicherheitsfahrer. Noch in diesem Jahr sollen erste Gäste ohne Fahrer mitreisen können. Dabei würden die Fahrzeuge weiterhin über ein Kontrollzentrum überwacht.

Die Stufen des autonomen Fahrens

Box aufklappen Box zuklappen
Gelbes Symbol eines Autos mit Pfeil auf Asphaltstrasse.
Legende: Keystone / Cyril Zingaro

SAE International, eine US-amerikanische Organisation, die technische Standards erarbeitet, hat eine Taxonomie entwickelt, um Automatisierungssysteme in Fahrzeugen zu beschreiben.

  • Stufe 0: Systeme, die die Lenkerinnen und Lenker durch Warnsysteme oder automatische Notbremsungen unterstützen, sie aber nicht ablösen.
  • Stufe 1: Systeme, die bei der Lenkung oder bei Geschwindigkeit und Bremsen unterstützen. Sie lösen den Menschen nicht ab.
  • Stufe 2: Funktionen, die den Menschen am Steuer gleichzeitig Unterstützung bei der Lenkung und bei Geschwindigkeit und Bremsen bieten (Teilautomatisierung).
  • Stufe 3: Automatisiertes Fahren unter eingeschränkten Bedingungen. Fahrerinnen und Fahrer müssen bereit sein, die Kontrolle zu übernehmen, wenn sie dazu aufgefordert werden.
  • Stufe 4: Vollständig autonomes Fahren ohne menschliches Zutun, aber nur in zugelassenen Bereichen und mit menschlicher Fernüberwachung.
  • Stufe 5: Das Fahrzeug ist völlig autonom und fährt selbstständig ohne menschliche Hilfe.

Wann werden selbstfahrende Autos in der Schweiz zur Normalität? Der breite Einsatz ist aktuell noch Zukunftsmusik. Aber: «Bis 2030 könnten wir etwa 100 autonome Fahrzeuge der Stufe 4 (siehe Infobox oben) auf öffentlichen Schweizer Strassen haben», sagt Martin Neubauer, leitender Stratege beim Schweizerischen Verband für autonome Mobilität. «Bis 2035 könnte sich diese Zahl auf einige Tausend Fahrzeuge erhöhen. Vollständig autonome Fahrzeuge der Stufe 5 werden wir wahrscheinlich frühestens 2035 sehen.»

Heute Morgen, 2.7.2026, 6 Uhr ; 

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