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Sicheres Wohnzimmer in Basel Was eine kurze Auszeit bei Frauen in prekären Lebenslagen auslöst

Obdachlose, Sexarbeiterinnen, Depressive: Die Frauenoase in Basel bietet Frauen in prekären Lebenslagen Zuflucht. Ein Besuch.

In einem Reihenhaus in einer Quartierstrasse im Kleinbasel ist die Frauenoase, ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot für Frauen von der Strasse, also für Sexarbeiterinnen, obdachlose oder suchtkranke Frauen.

Wohnzimmer mit Sofa, farbigem Teppich, Tisch und Stehlampe
Legende: Das Wohnzimmer in der Frauenoase in Basel soll vor allem Ruhe bieten. Frauenoase

Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann und ihr Team empfangen täglich 20 Frauen. Sie bieten ihnen eine Auszeit vom Alltag auf der Strasse. «Eine solche Auszeit sieht unterschiedlich aus», schildert Leu-Hausmann.

Für viele Frauen sind diese 30 Minuten Duschen in der Frauenoase die einzige Intimsphäre, die sie haben.
Autor: Saskia Leu-Hausmann Geschäftsleiterin Frauenoase Basel

Einige Frauen kämen, um etwas zu essen. Andere beziehen Safer-Sex-Utensilien oder Kleidung. Wieder andere nutzen den Laptop für eine Internetrecherche, duschen in Ruhe oder schlafen auf dem Sofa. Für viele Betroffene sei das die einzige Intimsphäre am Tag.

Ein Regal mit verschiedenen Hygieneartikeln und Schachteln.
Legende: Die Frauen können in der Frauenoase auch Spritzen und Safersex-Utensilien beziehen. SRF / Nina Gygax

Frauen in prekären Lebenslagen

Die Frauen, die die Frauenoase im Kleinbasel aufsuchen, befinden sich grundsätzlich in prekären Lebenslagen. Gewalt, Drogen, andere Abhängigkeiten wie Alkoholsucht oder Glücksspielsucht, Sexarbeit, Obdachlosigkeit und psychische Erkrankungen sind hier Themen. «Alle Betroffenen haben gemeinsam, dass sie sich am Rand der Gesellschaft und in Extremsituationen bewegen», sagt Leu-Hausmann.

Bank in einem Park mit einer Person in einem Schlafsack, vorbeifahrender Zug im Hintergrund.
Legende: Eine obdachlose Frau übernachtet in einem Schlafsack auf einer Parkbank in Basel. Frauenoase

Jeannette (Name geändert), eine 63-jährige Besucherin, sagt, sie schlafe seit sieben Jahren draussen. Es sei heikel, als Frau obdachlos zu sein. Sie wisse nie, wo die nächste Gefahr lauere.

Frauen mit ganz unterschiedlichen Geschichten

Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann sagt, es kämen Frauen im Alter zwischen 18 und 87 Jahren. Meist litten diese unter Mehrfachbelastungen. Gewalt und Abhängigkeiten seien grosse Probleme.

Wie es ist, als Frau obdachlos zu sein? Heikel. Du weisst nie, wo die nächste Gefahr lauert.
Autor: Jeannette, 63 Jahre alt Seit 7 Jahren obdachlos

Im Unterschied zu obdachlosen Männern würden obdachlose Frauen selten einfach auf der Strasse übernachten. Sie suchen Unterschlupf bei Fremden und geraten so in die nächste Abhängigkeit.

Aus der Zeit der offenen Drogenszenen in Basel

Box aufklappen Box zuklappen

Die Frauenoase wurde 1992 von einer Arbeitsgruppe der Aidshilfe beider Basel gegründet. Sie entstand in einer Zeit, in der sich in der Stadt Basel eine offene Drogenszene gebildet hatte. Aufgrund der prekären Lebensbedingungen für Frauen in diesen Szenen wurde die niederschwellige Anlaufstelle ins Leben gerufen. Seit der Gründung hat sich viel verändert, sagt Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann. Drogen würden heute kontrolliert abgegeben und andere Themen stünden im Vordergrund: legale Süchte wie Alkohol, Medikamente oder das Glücksspiel. Zudem litten die Frauen heute zunehmend an psychischen Erkrankungen. Ähnliche Anlaufstellen gibt es auch in mehreren anderen Kantonen.

Während Drogen und Sexarbeit früher die grossen Themen der Frauenoase waren, sind es heute vor allem psychische Belastungen. Angststörungen und Depressionen haben bei Frauen grundsätzlich zugenommen. Dies hat jüngst auch ein Bericht des Bundes bestätigt.

Hausfassade mit Fahrrädern und Pflanzen im Vordergrund.
Legende: Mitten im Quartier: Die Frauenoase will nah bei den Frauen auf der Strasse sein. SRF / Nina Gygax

Besonders betroffen sind Frauen auf der Strasse, obdachlose Frauen und Sexarbeiterinnen, sagt Undine Lang. Sie ist Klinikdirektorin an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel. Dafür gebe es mehrere Gründe: Frauen hätten mehr Risikofaktoren, erlebten häufiger Gewalt, seien häufiger sozial isoliert oder litten unter Mehrfachbelastungen.

Eine Auszeit hilft bei psychischer Belastung

«Es muss nicht immer ein stationärer Aufenthalt in der Klinik sein, um aus der Krise zu finden», sagt Professorin Undine Lang. Eine Auszeit, wie sie die Frauenoase bietet, kann schon sehr viel bringen.

Psychische Belastungen bedeuten Dauerstress für den Körper.
Autor: Undine Lang Direktorin an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel

Eine Auszeit hilft dem Körper, aus dem durch eine psychische Belastung verursachten Dauerstress herauszukommen. Bestimmte Hirnareale, Puls und Herzfrequenz können sich regulieren. Frauenoase-Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann sagt, sie erlebe regelmässig, dass Frauen, die sich vom Stress erholen können, sich dann auch unterstützen lassen.

So gebe es immer wieder Erfolge: Frauen, die nach vielen Jahren der Obdachlosigkeit eine eigene Wohnung finden, zum Beispiel. Wichtig sei, dass die Annahme von Hilfe in der Frauenoase freiwillig bleibe. Ein Erfolg sei auch, mal für kurze Zeit abzuschalten.

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Regionaljournal Basel Baselland, 28.7.2026, 6:31 Uhr;gygm;weds

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