In einem Reihenhaus in einer Quartierstrasse im Kleinbasel ist die Frauenoase, ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot für Frauen von der Strasse, also für Sexarbeiterinnen, obdachlose oder suchtkranke Frauen.
Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann und ihr Team empfangen täglich 20 Frauen. Sie bieten ihnen eine Auszeit vom Alltag auf der Strasse. «Eine solche Auszeit sieht unterschiedlich aus», schildert Leu-Hausmann.
Für viele Frauen sind diese 30 Minuten Duschen in der Frauenoase die einzige Intimsphäre, die sie haben.
Einige Frauen kämen, um etwas zu essen. Andere beziehen Safer-Sex-Utensilien oder Kleidung. Wieder andere nutzen den Laptop für eine Internetrecherche, duschen in Ruhe oder schlafen auf dem Sofa. Für viele Betroffene sei das die einzige Intimsphäre am Tag.
Frauen in prekären Lebenslagen
Die Frauen, die die Frauenoase im Kleinbasel aufsuchen, befinden sich grundsätzlich in prekären Lebenslagen. Gewalt, Drogen, andere Abhängigkeiten wie Alkoholsucht oder Glücksspielsucht, Sexarbeit, Obdachlosigkeit und psychische Erkrankungen sind hier Themen. «Alle Betroffenen haben gemeinsam, dass sie sich am Rand der Gesellschaft und in Extremsituationen bewegen», sagt Leu-Hausmann.
Jeannette (Name geändert), eine 63-jährige Besucherin, sagt, sie schlafe seit sieben Jahren draussen. Es sei heikel, als Frau obdachlos zu sein. Sie wisse nie, wo die nächste Gefahr lauere.
Frauen mit ganz unterschiedlichen Geschichten
Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann sagt, es kämen Frauen im Alter zwischen 18 und 87 Jahren. Meist litten diese unter Mehrfachbelastungen. Gewalt und Abhängigkeiten seien grosse Probleme.
Wie es ist, als Frau obdachlos zu sein? Heikel. Du weisst nie, wo die nächste Gefahr lauert.
Im Unterschied zu obdachlosen Männern würden obdachlose Frauen selten einfach auf der Strasse übernachten. Sie suchen Unterschlupf bei Fremden und geraten so in die nächste Abhängigkeit.
Während Drogen und Sexarbeit früher die grossen Themen der Frauenoase waren, sind es heute vor allem psychische Belastungen. Angststörungen und Depressionen haben bei Frauen grundsätzlich zugenommen. Dies hat jüngst auch ein Bericht des Bundes bestätigt.
Besonders betroffen sind Frauen auf der Strasse, obdachlose Frauen und Sexarbeiterinnen, sagt Undine Lang. Sie ist Klinikdirektorin an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel. Dafür gebe es mehrere Gründe: Frauen hätten mehr Risikofaktoren, erlebten häufiger Gewalt, seien häufiger sozial isoliert oder litten unter Mehrfachbelastungen.
Eine Auszeit hilft bei psychischer Belastung
«Es muss nicht immer ein stationärer Aufenthalt in der Klinik sein, um aus der Krise zu finden», sagt Professorin Undine Lang. Eine Auszeit, wie sie die Frauenoase bietet, kann schon sehr viel bringen.
Psychische Belastungen bedeuten Dauerstress für den Körper.
Eine Auszeit hilft dem Körper, aus dem durch eine psychische Belastung verursachten Dauerstress herauszukommen. Bestimmte Hirnareale, Puls und Herzfrequenz können sich regulieren. Frauenoase-Geschäftsleiterin Saskia Leu-Hausmann sagt, sie erlebe regelmässig, dass Frauen, die sich vom Stress erholen können, sich dann auch unterstützen lassen.
So gebe es immer wieder Erfolge: Frauen, die nach vielen Jahren der Obdachlosigkeit eine eigene Wohnung finden, zum Beispiel. Wichtig sei, dass die Annahme von Hilfe in der Frauenoase freiwillig bleibe. Ein Erfolg sei auch, mal für kurze Zeit abzuschalten.