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Soll Fliegen teurer werden? Flugticket-Abgabe ja oder nein? Auf die Umfrage kommt es an!

Zwei Umfragen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wie das möglich ist, erläutert der Politologe Marc Bühlmann.

Fliegen ist bei der Schweizer Bevölkerung so beliebt wie noch nie. Das zeigt die Entwicklung der Passagierzahlen an den Landesflughäfen in den letzten Jahren:

Nun kommen zwei repräsentative Umfragen, die unter anderem nach Ziel und Zweck einer möglichen Flugticket-Abgabe fragten, zu gegensätzlichen Ergebnissen: jene der Umweltorganisation Umverkehr (durchgeführt von GFS Zürich) und jene von Aviationsuisse (durchgeführt von Sotomo).

Während die Umverkehr-Umfrage eine deutliche Zustimmung zu einer Flugabgabe zur Stärkung des ÖV feststellt, ergibt jene von Aviationsuisse eine deutliche Ablehnung. Wie kann das sein? Der Politikwissenschaftler Bühlmann mit Erklärungsansätzen.

Marc Bühlmann

Politologe

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Marc Bühlmann ist Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern und verantwortlich für «Année politique Suisse», eine Online-Plattform zur Schweizer Politik. Sein Schwerpunkt ist die Demokratieforschung.

SRF News: Wie ist es möglich, dass zwei repräsentative Studien bei der gleichen Frage unterschiedliche Ergebnisse bekommen?

Marc Bühlmann: Auch wenn die Frage genau gleich ist – der Kontext der Fragestellung war unterschiedlich. Wir wissen aus der Befragungswissenschaft, dass es eine grosse Rolle spielt, wie eine Frage gestellt wird – und auch, welche anderen Fragen rund um diese eine Frage gestellt werden.

Umfrage von Umverkehr: Ja zu einer Flugabgabe zur ÖV-Verbilligung

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Mann geht vor Nachtzug vorbei.
Legende: Keystone/Michael Buholzer

Die repräsentative Studie wurde von der Umweltorganisation Umverkehr in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie im November 2025 von GFS Zürich. Sie kommt unter anderem zum Ergebnis, dass zwei Drittel der Bevölkerung für die Einführung einer CO₂-Abgabe auf Flugtickets sind. 60 Prozent wollen, dass die Einnahmen vor allem in den öffentlichen Verkehr fliessen und diesen vergünstigen sollen. Der restliche Anteil der Flugticket-Abgabe soll in die Verbesserung internationaler Verbindungen und Nachtzüge fliessen, so das Ergebnis der Umfrage.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Umfrageergebnisse lancierte eine Allianz aus Umweltorganisationen und mehreren Parteien (u.a. VCS, WWF, Greenpeace, ProBahn, SP, Grüne, GLP oder EVP) Ende April die «Mobilitätsbon-Initiative». Die Allianz hat bis Ende Oktober 2027 Zeit, die nötigen 100’000 Unterschriften zusammenzutragen.

Kann man als Auftraggeber also sozusagen eine Umfrage bestellen, bei der das herauskommt, was man gerne möchte?

In der Tat soll bei Auftragsforschung ja nicht unbedingt das Gegenteil dessen herauskommen, was die Auftraggeberin oder der Auftraggeber gerne hören möchte. Wir wissen aus der Wissenschaft, dass man Fragen so stellen kann, dass man die entsprechenden Antworten erhält. Das ist nicht falsch, das ist nicht gelogen – aber es hat eben auch mit Marketing zu tun.

Umfrage von Aviationsuisse: Nein zu Abgabe für ÖV-Verbilligung

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Flugzeug am Himmel während Sonnenuntergang.
Legende: Keystone/Julian Stratenschulte

Die repräsentative Studie im Auftrag des Verbands Schweizer Luftfahrt (Aviationsuisse) wurde bei Sotomo in Auftrag gegeben und vom Institut im Januar/Februar 2026 durchgeführt. Die Umfrage kommt unter anderem zum Schluss, dass über 70 Prozent der Bevölkerung CO₂‑Abgaben für Flugreisen für nicht wirksam halten. Und wenn eine Klima-Ticketabgabe trotzdem kommen sollte, sollte sie in die Förderung der flugtechnologischen Entwicklung fliessen: also etwa in effizientere Flugzeuge oder nachhaltige Treibstoffe – aber nicht in den öffentlichen Verkehr.

Weitere Ergebnisse der Umfrage im Auftrag von Aviationsuisse: Flugscham ist bei der Schweizer Bevölkerung kaum ein Thema, eine Mehrheit ist gegen strengere Regeln für Flughäfen wie kürzere Betriebszeiten. Generell bewerten 61 Prozent der Bevölkerung Flugreisen als positiv, 55 Prozent zeigen sich stolz auf die Schweizer Luftfahrt.

Sind Umfrageergebnisse in solchen Fällen nicht irreführend?

Irreführend würde ich das nicht nennen. Aber: Eine Umfrage ist immer nur eine Momentaufnahme, und es gibt viele Kontextfaktoren, die in diesem Moment hineinspielen. Als Wissenschaftler weiss ich das, und muss das entsprechend berücksichtigen. Ich werde also nie sagen: Diese Studie beweist irgendetwas. Vielmehr kann eine Studie möglicherweise ein Indiz für etwas sein. Im vorliegenden Fall könnte ein Indiz für die beiden Studienergebnisse sein, dass eine Flugticket-Abgabe und deren Ausgestaltung in der Bevölkerung ziemlich umstritten sind.

Auch wissenschaftliche Informationen sollten wir nie als Beweise ansehen, sondern als Momentaufnahme.

Kann ein Auftraggeber eine Umfrage auch zur Manipulation der Bevölkerung nutzen?

Als Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz sind wir dazu angehalten, kritisch zu sein – auch bei Informationen aus der Wissenschaft. Wir sollten sie nie als Beweis ansehen, sondern als Momentaufnahme. Wissenschaftliche Ergebnisse sind Hilfen – auch, um eine Diskussion anzukurbeln. Die Politik wiederum benutzt die unterschiedlichen Argumente dann in ihrem Sinne.

Nur wenige bezahlen freiwillig eine Klimaabgabe

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Auf Anfrage von SRF schreibt die Swiss: «Aktuell nutzen rund fünf Prozent der Fluggäste der Lufthansa Group, zu der auch Swiss gehört, eine der diversen Möglichkeiten zum nachhaltigeren Fliegen.» Jeder und jede 20. Passagierin oder Passagier der Swiss bezahlt derzeit also freiwillig einen zusätzlichen Betrag, der zur Reduzierung der Klimawirkung von Flügen eingesetzt wird. «Die Quote hat sich über die letzten Jahre positiv entwickelt und der Trend hält an», so die Swiss weiter.

Sind wir Bürgerinnen und Bürger denn kritisch genug gegenüber solchen Studien?

Der Mensch ist so gestrickt, dass wir gerne hören, was wir glauben – und wir fühlen uns dann in unserem Glauben bestätigt, wenn etwas in diese Richtung weist. Aber: Wir haben in der Schweiz die direkte Demokratie und die Medien, die uns dazu «zwingen», uns auch mit anderen Argumenten auseinanderzusetzen.

Das Wunderbare an der direkten Demokratie ist, dass eine Volksabstimmung eine echte Umfrage ist.

Und so kann man es sogar gut finden, wenn es mehrere Umfragen gibt, die zu unterschiedlichen Resultaten kommen. Und: Das Wunderbare an der direkten Demokratie ist doch, dass eine Volksabstimmung eine echte Umfrage ist. Alle, die wollen, können daran teilnehmen, und das Resultat widerspiegelt dann die effektiv vorherrschende Meinung.

Das Gespräch führte Matthias Baumer.

Rendez-vous, 4.5.2026, 12:30 Uhr ; 

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