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Staatsbesuch Die schweizerisch-polnischen Verflechtungen

Wie die Schweiz vom Zufluchtsort für polnische Patrioten zu einem wichtigen Handelspartner Polens wurde. Eine Auflistung.

Gemeinsamkeiten betonen – das gehört zu Staatsbesuchen wie der rote Teppich oder stramm stehende Soldaten. Aber nicht immer sind diese Gemeinsamkeiten so greifbar wie beim für Donnerstag geplanten Besuch von Polens Staatspräsident Karol Nawrocki bei Bundespräsident Guy Parmelin im Schloss Morges.

Die Schweiz als Zufluchtsort für polnische Freiheitskämpfer

In den dortigen Prunkräumen werden Partituren und Möbel, Briefe und Fotografien von Ignacy Jan Paderewski gezeigt: Der weltberühmte Pianist und Kämpfer für die polnische Unabhängigkeit lebte über vierzig Jahre lang am Genfersee. Für einen nationalistisch ausgerichteten Politiker und Historiker wie Nawrocki dürfte so ein Besuch ein Highlight sein.

Gerahmtes Porträt in einem beleuchteten Flur.
Legende: Das Gemälde des Künstlers Lawrence Alma-Tadema, «Porträt von Ignacy Jan Paderewski» aus der Ausstellung «Das träumerische Polen. 100 Meisterwerke aus dem Nationalmuseum Warschau» in Lausanne. Keystone/CYRIL ZINGARO

Paderewski war nach dem Ersten Weltkrieg der erste Ministerpräsident Polens und unterzeichnete den Versailler Vertrag – jenen Vertrag, der Polen wieder zu einem eigenständigen Staat machte.

Bundesrat empfängt polnischen Staatspräsidenten Nawrocki in Bern

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Der Bundesrat empfängt am Mittwoch den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki zu einem zweitägigen Staatsbesuch. Mit Nawrocki kommt ein Mann nach Bern, der als Trump-Fan gilt und im vergangenen Jahr mit der Unterstützung der rechten PiS-Partei ins Amt gewählt wurde. Die Landesregierung wird den parteilosen Historiker mit militärischen Ehren auf dem Bundesplatz empfangen, wie sie vergangene Woche mitteilte. Nach diesem Empfang folgen Ansprachen und offizielle Gespräche.

Rapperswil – Treffpunkt der polnischen Patrioten

Paderewski war nicht der erste polnische Freiheitskämpfer, der Zuflucht in der Schweiz fand. Tadeusz Kościuszko, der bis heute verehrte Anführer eines erfolglosen Widerstands gegen die Teilung Polens, kam schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Schweiz. Er starb 1817 in Solothurn.

Und dann gibt es das Polenmuseum in Rapperswil am Zürichsee. Im dortigen Schloss wurde 1870 das erste polnische «nationale» Museum überhaupt gegründet. Exilpolen sammelten hier Bücher, Kunstwerke und historische Dokumente – aus Sorge, die Erinnerung an Polen könnte unter den Besatzungsmächten verloren gehen. 1927 wurde ein grosser Teil der Sammlung in dreizehn Zugwaggons zurück ins nunmehr unabhängige Polen transportiert.

Die polnischen Internierten und ihre Spuren

Im Zweiten Weltkrieg kamen über Nacht rund 12’000 Polen in die Schweiz. Nach dem Zusammenbruch Frankreichs flüchtete 1940 die 2. Polnische Schützendivision in die Schweiz. Die Soldaten wurden bis zum Ende des Kriegs interniert und bauten Bergstrassen oder halfen in der Landwirtschaft. Einige studierten auch an Schweizer Universitäten.

Polen – ein immer wichtigerer Handelspartner

Nach 1945 kam Polen in die Einflusssphäre Moskaus. Die Schweiz und das neue Regime in Warschau hielten diplomatische Kontakte aufrecht, mehr nicht. Erst nachdem 1989 die Kommunisten in Polen abdanken mussten und vor allem seit Polen 2004 Mitglied der EU ist, haben sich die Beziehungen intensiviert. Heute ist Polen für die Schweiz ein wichtiger Handels­partner. 2025 lag das Handelsvolumen bei knapp 6.5 Milliarden Franken, Tendenz steigend.

Zudem ist Polen das Land, das am meisten Geld aus dem zweiten Schweizer Er­weiterungs­beitrag an die EU erhält: gut 320 Millionen Franken.

Wirtschaftliche Beziehungen Schweiz-Polen

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Polen zählt nicht zu den Spitzen-Handelspartnern der Schweiz wie Deutschland, die USA, Italien oder China. Doch das Land ist mehr als ein Randmarkt. Das Warenhandelsvolumen betrug 2025 rund 6.5 Milliarden Franken, wie aus Dokumenten des Aussendepartements EDA hervorgeht. Hinzu kam der Handel mit Dienstleistungen im Wert von rund 4 Milliarden Franken. Damit liegt Polen für die Schweiz auf Rang 13 der wichtigsten Warenhandelspartner, ohne Edelmetalle gerechnet, und vor Märkten wie Indien, Südkorea oder der Türkei.

Die Handelsbilanz ist aus Schweizer Sicht negativ: Die Schweiz importiert mehr aus Polen, als sie dorthin verkauft. Eingeführt werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge sowie Agrar- und Forstprodukte. Umgekehrt exportiert die Schweiz Medikamente, Chemieprodukte, Maschinen und Metalle.

Polens Wirtschaft ist in den vergangenen dreissig Jahren stark gewachsen und gilt als dynamisch. Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Energie eröffnen Schweizer Firmen Chancen. Schweizer Unternehmen haben in Polen Milliarden investiert; je nach Quelle beschäftigen sie dort zwischen 60’000 und knapp 100’000 Personen.

Polen ist der grösste Empfänger von EU-Kohäsionsmitteln. Auch die Schweiz beteiligte sich in den letzten zwei Jahrzehnten an diesen Zahlungen: In zwei Tranchen wurden gut 800 Millionen Franken gesprochen. Das Geld der zweiten Tranche, rund 320 Millionen, fliesst bis 2029 in Projekte für die Stadtentwicklung sowie für Forschung und Innovation.

Und rund 50’000 Polinnen und Polen leben heute in der Schweiz. Sie kämpfen nicht mehr für die Unabhängigkeit ihrer Heimat, sondern arbeiten in der Medizin, der Forschung oder der IT.

SRF 4 News, 27.5.2026, 9:30 Uhr

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