Stossstange an Stossstange – dieses Bild zeigte sich am Wochenende in vielen Urner Gemeinden auf der Kantonsstrasse. Der Unmut über den Ausweichverkehr ist laut Urner Mitte-Nationalrat Simon Stadler gross.
«Die Leute wohnen in den Seitentälern. Sie werden eingeschränkt, sei es beim Einkaufen, beim Arbeiten, dass sie von der Arbeit nicht mehr nach Hause kommen oder sich einfach nicht mehr so frei bewegen können», sagt Stadler. «Das ist schon ein Nerv, welcher der Durchgangsverkehr durch unsere Dörfer trifft.»
Ausländische Fahrer zur Kasse bitten
Das Problem ist auch in der Politik angekommen: Im Frühling hat das Parlament einen Vorstoss an den Bundesrat überwiesen, der eine Durchfahrtsmaut für den Gotthard verlangt. Ausländische Autofahrerinnen und Autofahrer, die auf der Durchreise sind, ohne längeren Aufenthalt in der Schweiz, sollen eine Gebühr bezahlen müssen.
In manchen Fällen schreckt allein die Gebühr als solche manche Leute ab. Die sagen: Ich bezahle das nie.
«In diesen Tagen kommt der Verkehr zu 80 Prozent von umliegenden Staaten, und deshalb ist es auch gerechtfertigt, dass man diese höher zur Kasse bittet», sagt Simon Stadler. Je nach Verkehrsaufkommen soll die Gebühr höher oder tiefer ausfallen.
Grundsätzlich könne eine solche Gebühr das Stauproblem tatsächlich entschärfen, sagt Verkehrsexperte Kay Axhausen. «In manchen Fällen schreckt allein die Gebühr als solche manche Leute ab. Die sagen: Ich bezahle das nie. Das ist mein Menschenrecht, dass ich da im Stau stehen darf», sagt er.
Experte: Gebühr soll für alle gelten
Weiter empfiehlt der Verkehrsexperte dem Bund, sich ein Ziel zu setzen. «Nach dem Motto: Welche Geschwindigkeit wollen wir über den Gotthard erreichen? Die Gebühr soll dann so erhöht oder gesenkt werden, dass immer dieses Geschwindigkeitsziel erreicht wird.»
Beispiele aus anderen Ländern wie Singapur hätten gezeigt, dass damit der Verkehrsfluss relativ effektiv gesteuert werden könnte. Ein Risiko sieht Kay Axhausen allerdings darin, dass die Gebühr – so wie sie derzeit im Bundeshaus auf dem Tisch liegt – nur für Ausländerinnen und Ausländer gelten soll.
«Die Ausländer sind ein Teil des Gotthardstaus. Wenn dieser Teil wegfällt oder zum grössten Teil unterdrückt wird durch die Maut, dann ergibt sich freie Kapazität auf der Gotthardstrasse. Die sollte dazu führen, dass auch Schweizer wieder fahren oder etwas früher oder etwas später fahren, um genau diese frei werdende Kapazität zu nutzen», sagt Axhausen.
Laut dem Experten müsste die Gebühr jedoch für alle Personen gelten, um den Verkehr effektiv lenken zu können.
Als Nächstes ist nun der Bundesrat am Zug. Er muss einen Vorschlag zur Mautgebühr ausarbeiten. Bis eine solche dann tatsächlich eingeführt werden könnte, dürfte es also noch eine Weile dauern.